Die Hausratversicherung zählt weiterhin zu den stabilen und wirtschaftlich auskömmlichen Sparten im Kompositgeschäft. Im Jahr 2024 werden branchenweit 3,716 Milliarden Euro an gebuchten Bruttoprämien erzielt. Auch auf Anbieterebene zeigt sich Wachstum: Die durchschnittlichen Bruttoprämien je Unternehmen steigen um rund fünf Prozent auf 68,52 Millionen Euro.

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Gleichzeitig erhöhen sich die Schadenaufwendungen je Anbieter von 28,15 auf 31,24 Millionen Euro. Dieser Anstieg wird jedoch durch stabile Betriebskosten von 23,22 Millionen Euro sowie durch Prämienanpassungen abgefedert. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt um 3,2 Prozent auf 131,21 Euro. Im Ergebnis bleibt die Combined Ratio mit 81,0 Prozent auf einem komfortablen Niveau und deutlich unter den Belastungswerten anderer Kompositsparten.

Wachstum verteilt sich ungleich

Trotz der stabilen Rahmenbedingungen zeigt sich die strukturelle Reife des Marktes deutlich. Die Absicherungsquote liegt bei knapp 80 Prozent, was auf eine weitgehende Marktdurchdringung hindeutet. Der durchschnittliche Vertragsbestand je Anbieter steigt 2024 nur leicht von 501.715 auf 509.860 Policen, ein Zuwachs von rund 8.145 Verträgen beziehungsweise etwa 1,6 Prozent. Dieses Wachstum verteilt sich jedoch ungleich: Während mehr als die Hälfte der Anbieter Bestandsverluste verzeichnet, gelingt es einzelnen Versicherern, ihre Position deutlich auszubauen.

Bestandsveränderung als zentrale Kennzahl

Für die Einordnung der Marktdynamik ist die Netto-Bestandsveränderung entscheidend. Sie unterscheidet sich vom reinen Neugeschäft, da sie neben Neuabschlüssen auch Vertragsabgänge berücksichtigt. Erst diese Kennzahl zeigt, welche Anbieter ihren Bestand unter dem Strich tatsächlich ausweiten konnten.

Ergänzend werden die langfristige Bestandsentwicklung seit 2019 sowie die gebuchten Bruttoprämien und Marktanteile betrachtet. Eine Einordnung des Geschäftsmodells ergibt sich dabei insbesondere aus der durchschnittlichen Prämie je Vertrag sowie dem Verhältnis von Vertragszahl und Beitragsvolumen. Diese Kennzahlen zeigen, in welchem Preissegment ein Anbieter agiert und ob Wachstum eher über eine breite, preisgünstige Bestandsbasis oder über höherwertige Verträge erfolgt.

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In der Hausratversicherung fallen die Unterschiede jedoch weniger stark aus als in anderen Sparten wie der Wohngebäudeversicherung, da das Prämienniveau insgesamt vergleichsweise niedrig ist. Entsprechend sind auch die Differenzen zwischen den Anbietern geringer ausgeprägt.

Zehntgrößter Zuwachs: WGV-Versicherung (plus 10.031 Verträge)

Der Hausratbestand der WGV-Versicherung steigt 2024 um 10.031 Verträge beziehungsweise rund 4,0 Prozent auf 262.339 Policen, nach 252.308 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 26 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 197.072 Verträgen entspricht dies einem Plus von 65.267 Policen beziehungsweise rund 33,1 Prozent.

Wirtschaftlich liegt die WGV deutlich hinter ihrer Bestandsposition. Mit 20,72 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,56 Prozent und Rang 36 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von zehn Plätzen. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt entsprechend niedrig aus.

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Prämienprofil: klar im Niedrigpreissegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt moderat von 72,96 Euro im Jahr 2019 über 76,12 Euro im Jahr 2023 auf 79,00 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Segment: Nur zwei Anbieter sind günstiger. Die WGV gehört damit zu den preisgünstigsten Anbietern im Markt.

Schadenentwicklung: moderates Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 18,68 Euro im Jahr 2019 über 33,82 Euro im Jahr 2023 auf 46,57 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich dennoch eine vergleichsweise günstige Position: Elf Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 38 höhere. Die Schadenbelastung bleibt damit insgesamt moderat.

Einordnung: Wachstum über Preispositionierung

Die Kombination aus sehr niedrigen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Bild im unteren Marktsegment. Der Bestandszuwachs lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. In einem weitgehend gesättigten Markt entstehen zusätzliche Verträge häufig über preisgünstige Angebote mit breiter Zielgruppenansprache. Die WGV nutzt diese Positionierung, um ihren Bestand weiter auszubauen, auch wenn dies nicht mit einer entsprechend hohen Prämienstellung einhergeht.

Neuntgrößter Zuwachs: LVM (plus 17.507 Verträge)

Die LVM steigert ihren Hausratbestand 2024 um 17.507 Verträge beziehungsweise rund 1,8 Prozent auf 1.014.898 Policen, nach 997.391 im Vorjahr. Damit stabilisiert der Versicherer seine Position auf Rang 7 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 896.552 Verträgen entspricht dies einem Plus von 118.346 Policen beziehungsweise rund 13,2 Prozent.

Wirtschaftlich gehört die LVM zur Spitzengruppe des Marktes. Mit 160,22 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,31 Prozent und Rang 6 nach Prämien liegt die Gesellschaft nahezu auf Augenhöhe mit ihrer Bestandsposition.

Prämienprofil: gehobenes Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 136,78 Euro im Jahr 2019 über 151,20 Euro im Jahr 2023 auf 157,87 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Bereich: Nur sieben Anbieter verlangen höhere Prämien. Die LVM bewegt sich damit klar oberhalb des Marktdurchschnitts.

Schadenentwicklung: ausgeglichenes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 40,42 Euro im Jahr 2019 über 57,14 Euro im Jahr 2023 leicht auf 56,54 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine nahezu ausgeglichene Position: 25 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 24 höhere. Die Schadenbelastung liegt damit im mittleren Bereich des Marktes.

Einordnung: Wachstum aus starker Vertriebsbasis

Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein stabiles Verhältnis von Beitrag und Risiko im gehobenen Segment. Anders als im Niedrigpreissegment entsteht Wachstum hier weniger über Preisvorteile als über eine etablierte Vertriebsstruktur. Charakteristisch ist dabei ein ausgeprägter Ausschließlichkeitsvertrieb mit flächendeckender Präsenz und kontinuierlichem Kundenkontakt, der spartenübergreifend genutzt wird.

Unter diesen Bedingungen erfolgt der Bestandsaufbau weniger sprunghaft, sondern kontinuierlich über die Pflege bestehender Kundenbeziehungen und die Integration von Neugeschäft in den vorhandenen Bestand.

Achtgrößter Zuwachs: Die Haftpflichtkasse (plus 18.533 Verträge)

Die Haftpflichtkasse steigert ihren Hausratbestand 2024 um 18.533 Verträge beziehungsweise rund 3,2 Prozent auf 603.067 Policen, nach 584.534 im Vorjahr. Damit erreicht der Versicherer Rang 15 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 386.298 Verträgen entspricht dies einem Plus von 216.769 Policen beziehungsweise rund 56,1 Prozent.

Wirtschaftlich liegt die Position leicht unterhalb der Bestandsgröße. Mit 68,81 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,85 Prozent und Rang 17 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von zwei Plätzen.

Prämienprofil: unteres bis mittleres Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 99,43 Euro im Jahr 2019 über 109,25 Euro im Jahr 2023 auf 114,09 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im unteren bis mittleren Bereich: 36 Anbieter verlangen höhere Prämien, 13 sind günstiger. Die Haftpflichtkasse bewegt sich damit unterhalb des Marktdurchschnitts, ohne zu den günstigsten Anbietern zu zählen.

Schadenentwicklung: auffällig hohes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 46,89 Euro im Jahr 2019 über 66,11 Euro im Jahr 2023 auf 74,01 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein auffällig hohes Niveau: Nur vier Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf. Die Schadenbelastung liegt damit deutlich über dem Marktdurchschnitt und steht in einem Spannungsverhältnis zum eher unterdurchschnittlichen Prämienniveau.

Einordnung: Wachstum trotz erhöhter Schadenbelastung

Die Kombination aus eher unterdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen ergibt ein anspruchsvolles Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandszuwachs ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert. Wachstum entsteht hier offenbar unabhängig von der Schadenentwicklung und dürfte stärker durch vertriebliche Faktoren oder eine gezielte Marktansprache getragen sein. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch in einem Umfeld mit erhöhter Schadenbelastung Bestandsgewinne möglich sind, sofern die Positionierung am Markt entsprechend greift.

Siebtgrößter Zuwachs: R+V Allgemeine (plus 19.216 Verträge)

Die R+V Allgemeine steigert ihren Hausratbestand 2024 um 19.216 Verträge beziehungsweise rund 1,7 Prozent auf 1.143.040 Policen, nach 1.123.824 im Vorjahr. Ein Teil dieses Zuwachses ist strukturell bedingt, da die Condor Allgemeine Versicherungs-AG rückwirkend zum 1. Januar 2024 auf die R+V Allgemeine verschmolzen wurde. Unabhängig davon liegt der Bestand auch langfristig über dem Niveau von 2019 mit 1.118.202 Verträgen.

Wirtschaftlich zählt die R+V zu den größten Anbietern der Sparte. Mit 163,44 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,40 Prozent und Rang 5 nach Prämien liegt die Gesellschaft leicht vor ihrer Position nach Vertragsbestand (Rang 6).

Prämienprofil: gehobenes Marktsegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 123,30 Euro im Jahr 2019 über 135,93 Euro im Jahr 2023 auf 142,99 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Bereich: 17 Anbieter verlangen höhere Prämien, 32 geringere. Die R+V bewegt sich damit oberhalb des Marktdurchschnitts.

Schadenentwicklung: erhöhtes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 45,63 Euro im Jahr 2019 über 61,34 Euro im Jahr 2023 auf 73,00 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein erhöhtes Niveau: Nur sieben Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf. Die Schadenbelastung liegt damit über dem Marktdurchschnitt und korrespondiert mit dem gehobenen Prämienniveau.

Einordnung: Wachstum aus Bankvertrieb und Bestandsbasis

Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen entspricht einer Positionierung im gehobenen Marktsegment. Der Bestandszuwachs lässt sich vor diesem Hintergrund auch vertrieblich einordnen. Die R+V ist eng in die genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken eingebunden und verfügt damit über einen besonders starken Zugang zu einer breiten Kundenbasis, der durch weitere Vertriebswege ergänzt wird. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen weniger über Preisimpulse als über die systematische Nutzung vorhandener Vertriebswege und die Einbindung in spartenübergreifende Kundenverbindungen.

Sechstgrößter Zuwachs: Alte Leipziger (plus 24.480 Verträge)

Die Alte Leipziger steigert ihren Hausratbestand 2024 um 24.480 Verträge beziehungsweise rund 21,7 Prozent auf 137.195 Policen, nach 112.715 im Vorjahr. Trotz dieses kräftigen Wachstums bleibt die Gesellschaft mit Rang 40 ein kleiner Anbieter im Markt. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch ein klarer Ausbau: Gegenüber 2019 mit 99.396 Verträgen entspricht dies einem Plus von 37.799 Policen beziehungsweise rund 38,0 Prozent.

Wirtschaftlich ordnet sich das Unternehmen im unteren Mittelfeld ein. Mit 21,19 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,57 Prozent und Rang 34 nach Prämien liegt die Position sechs Plätze vor der Bestandsgröße.

Prämienprofil: weiterhin gehobenes Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag sinkt von 176,50 Euro im Jahr 2019 über 161,80 Euro im Jahr 2023 auf 154,44 Euro im Jahr 2024. Trotz dieses Rückgangs gehört die Alte Leipziger weiterhin zu den teureren Anbietern im Markt: Nur acht Unternehmen verlangen höhere Prämien. Auffällig ist damit eine Verschiebung innerhalb des Preisniveaus bei weiterhin klar gehobener Positionierung.

Schadenentwicklung: erhöhtes und schwankendes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen eine volatile Entwicklung. Nach 79,07 Euro im Jahr 2019 fällt der Wert 2023 deutlich auf 46,68 Euro, was als Ausreißer nach unten zu werten ist (Sechs-Jahres-Durchschnitt: 73,22 Euro). Im Jahr 2024 steigen die Aufwendungen wieder auf 70,45 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich ein erhöhtes Niveau: Nur neun Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf. Die Schadenbelastung bewegt sich damit – über den Zeitverlauf betrachtet – im oberen Bereich.

Einordnung: Wachstum bei gleichzeitiger Anpassung des Preisniveaus

Die Kombination aus weiterhin überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen entspricht einer Positionierung im gehobenen Marktsegment. Auffällig ist jedoch der Rückgang der Durchschnittsprämien bei gleichzeitig starkem Bestandswachstum. Dies deutet darauf hin, dass die Alte Leipziger ihr Geschäft zuletzt breiter aufgestellt und den Zugang zu neuen Kundengruppen ausgeweitet hat.

Fünftgrößter Zuwachs: HUK-Coburg Allgemeine (plus 49.095 Verträge)

Die HUK-Coburg Allgemeine steigert ihren Hausratbestand 2024 um 49.095 Verträge beziehungsweise gut 4,2 Prozent auf 1.225.094 Policen, nach 1.175.999 im Vorjahr. Damit festigt der Versicherer seine Position auf Rang 4 nach Bestandsgröße. Auch langfristig zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 1.045.161 Verträgen entspricht dies einem Plus von 179.933 Policen beziehungsweise rund 17,2 Prozent.

Wirtschaftlich bleibt die Position deutlich hinter der Bestandsgröße zurück. Mit 108,19 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,33 Prozent und Rang 12 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von acht Plätzen.

Prämienprofil: klar im unteren Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt nur leicht von 86,24 Euro im Jahr 2019 über 87,31 Euro im Jahr 2023 auf 88,31 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Bereich: Nur fünf Anbieter sind günstiger. Die HUK-Coburg Allgemeine gehört damit zu den preisgünstigeren Anbietern im Markt.

Schadenentwicklung: moderates Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 35,53 Euro im Jahr 2019 über 42,09 Euro im Jahr 2023 auf 46,29 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein moderates Niveau: Zehn Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, die große Mehrheit höhere. Die Schadenbelastung liegt damit unterhalb des Marktdurchschnitts.

Einordnung: Wachstum über Skalierung im Niedrigpreissegment

Die Kombination aus niedrigen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im unteren Marktsegment. Der Bestandszuwachs lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. Anders als kleinere Anbieter im Niedrigpreissegment verbindet die HUK-Coburg Allgemeine ihre preisgünstige Positionierung mit einer bereits sehr großen Bestandsbasis. Wachstum entsteht damit nicht nur über den Preis, sondern auch über Skaleneffekte und eine hohe Marktdurchdringung.

Viertgrößter Zuwachs: Ammerländer Versicherung (plus 49.245 Verträge)

Die Ammerländer Versicherung steigert ihren Hausratbestand 2024 um 49.245 Verträge beziehungsweise rund 6,1 Prozent auf 855.673 Policen, nach 806.428 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 11 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein besonders dynamischer Ausbau: Gegenüber 2019 mit 590.224 Verträgen entspricht dies einem Plus von 265.449 Policen beziehungsweise rund 45,0 Prozent.

Wirtschaftlich liegt die Position deutlich unterhalb der Bestandsgröße. Mit 57,04 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,54 Prozent und Rang 19 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von acht Plätzen.

Prämienprofil: niedrigstes Niveau im Markt

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt nur minimal von 64,89 Euro im Jahr 2019 über 65,58 Euro im Jahr 2023 auf 66,66 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit die niedrigste Prämie aller Anbieter. Die Ammerländer positioniert sich damit klar als günstigster Anbieter im Markt.

Schadenentwicklung: sehr niedrige Belastung

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen moderat von 28,41 Euro im Jahr 2019 über 35,49 Euro im Jahr 2023 auf 35,58 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine besonders günstige Position: Nur ein Anbieter weist niedrigere Schadenaufwendungen auf.

Einordnung: konsequente Niedrigpreisstrategie

Die Kombination aus sehr niedrigen Prämien und gleichzeitig sehr geringen Schadenaufwendungen ergibt ein besonders effizientes Verhältnis von Beitrag und Risiko im unteren Marktsegment. Der Bestandszuwachs lässt sich vor diesem Hintergrund klar einordnen. Die Ammerländer verfolgt eine konsequente Niedrigpreisstrategie und verbindet diese mit einer zugleich niedrigen Schadenbelastung. In einem gesättigten Marktumfeld entstehen zusätzliche Verträge unter solchen Bedingungen vor allem über eine breite Ansprache preissensibler Kundengruppen.

Drittgrößter Zuwachs: HUK24 (plus 59.230 Verträge)

Die HUK24 steigert ihren Hausratbestand 2024 um 59.230 Verträge beziehungsweise rund 12,8 Prozent auf 522.563 Policen, nach 463.333 im Vorjahr. Damit verbessert sich der Direktversicherer auf Rang 18 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich eine besonders hohe Dynamik: Gegenüber 2019 mit 318.535 Verträgen entspricht dies einem Plus von 204.028 Policen beziehungsweise rund 64,1 Prozent.

Wirtschaftlich liegt die Position deutlich hinter der Bestandsgröße. Mit 42,52 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,14 Prozent und Rang 24 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von sechs Plätzen.

Prämienprofil: konsequent im Niedrigpreissegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag sinkt leicht von 86,31 Euro im Jahr 2019 über 82,36 Euro im Jahr 2023 auf 81,36 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Bereich: Nur drei Anbieter sind günstiger. Die HUK24 gehört damit zu den preisgünstigsten Anbietern der Sparte.

Schadenentwicklung: niedriges Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen moderat von 37,36 Euro im Jahr 2019 über 45,40 Euro im Jahr 2023 auf 45,60 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein insgesamt günstiges Niveau: Neun Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, die große Mehrheit höhere.

Auffällig ist jedoch, dass die Schadenbelastung zwar unter dem Marktdurchschnitt liegt, aber nicht in gleichem Maße niedrig ausfällt wie die sehr günstige Prämienpositionierung vermuten ließe.

Einordnung: Niedrigpreisstrategie im Direktmodell

Die Kombination aus niedrigen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen entspricht einer klaren Positionierung im unteren Marktsegment. Im Vergleich zur HUK-Coburg Allgemeinen zeigt sich dabei das gleiche Grundprinzip in einer schlankeren Ausprägung. Während die Muttergesellschaft ihre Marktstellung über Größe und breite Vertriebsstrukturen ausbaut, setzt die HUK24 konsequent auf ein digitalisiertes Direktmodell mit reduzierten Kostenstrukturen.

Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen vor allem über Effizienz, Skalierung und die gezielte Ansprache preissensibler Kundengruppen. Das Modell wirkt damit wie eine fokussierte Erweiterung der HUK-Strategie im besonders wettbewerbsintensiven Niedrigpreissegment.

Zweitgrößter Zuwachs: Allianz (plus 78.882 Verträge)

Die Allianz steigert ihren Hausratbestand 2024 um 78.882 Verträge beziehungsweise rund 2,8 Prozent auf 2.926.876 Policen, nach 2.847.994 im Vorjahr. Damit bleibt der Konzern mit großem Abstand der größte Anbieter der Sparte. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 2.588.236 Verträgen entspricht dies einem Plus von 338.640 Policen beziehungsweise rund 13,1 Prozent.

Wirtschaftlich ist die Marktstellung noch ausgeprägter. Mit 476,79 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 12,83 Prozent und Rang 1 nach Prämien dominiert die Allianz die Einnahmenseite der Hausratversicherung deutlich.

Prämienprofil: oberes Marktsegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 146,84 Euro im Jahr 2019 über 156,78 Euro im Jahr 2023 auf 162,90 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im oberen Bereich: Nur drei Anbieter verlangen höhere Prämien. Die Allianz bewegt sich damit im gehobenen Preissegment.

Schadenentwicklung: hohes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 54,43 Euro im Jahr 2019 über 76,56 Euro im Jahr 2023 auf 85,66 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich entspricht dies den zweithöchsten Schadenaufwendungen der Branche. Die Schadenbelastung liegt damit klar über dem Marktdurchschnitt.

Einordnung: Wachstum aus Marktstellung und Bestandsgröße

Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen entspricht einer Positionierung im oberen Marktsegment und steht im klaren Kontrast zu den wachstumsstarken Niedrigpreisanbietern wie HUK24 oder der Ammerländer. Der Bestandszuwachs zeigt jedoch, dass Wachstum nicht ausschließlich über den Preis erfolgt. Als marktführender Anbieter verfügt die Allianz über eine außergewöhnlich große und breit diversifizierte Bestandsbasis sowie eine hohe Markenbekanntheit und Präsenz über verschiedene Vertriebskanäle.

Diese Marktstellung ermöglicht es, auch im gehobenen Segment kontinuierlich neue Verträge zu gewinnen. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen weniger über Preisimpulse als über Reichweite, Vertrauen und die systematische Weiterentwicklung eines sehr großen Bestands.

Größter Zuwachs: Rhion Versicherung (plus 189.416 Verträge)

Die Rhion Versicherung steigert ihren Hausratbestand 2024 um 189.416 Verträge beziehungsweise mehr als 135 Prozent auf 328.723 Policen, nach 139.307 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 24 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich eine außergewöhnliche Dynamik: Gegenüber 2019 mit 98.328 Verträgen hat sich der Bestand mehr als verdreifacht.

Wirtschaftlich bleibt die Position deutlich hinter dem Bestandswachstum zurück. Mit 24,64 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,66 Prozent und Rang 32 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von acht Plätzen.

Prämienprofil: deutlicher Wechsel ins Niedrigpreissegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag sinkt massiv von 120,72 Euro im Jahr 2019 über 124,80 Euro im Jahr 2023 auf 74,95 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich entspricht dies einem der niedrigsten Werte: Nur ein Anbieter ist günstiger. Auffällig ist damit ein klarer Strategiewechsel hin zu einer deutlich preisgünstigeren Positionierung.

Schadenentwicklung: stark rückläufiges Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag sinken deutlich von 64,64 Euro im Jahr 2019 über 73,15 Euro im Jahr 2023 auf 39,52 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit der niedrigste Wert des gesamten Beobachtungszeitraums. Die Schadenbelastung fällt damit ungewöhnlich gering aus.

Einordnung: Wachstum durch Skalierung und Risikoauslagerung

Die Kombination aus stark gesunkenen Prämien und gleichzeitig deutlich reduzierten Schadenaufwendungen weist auf eine grundlegende Veränderung im Geschäftsmodell hin. Auffällig ist insbesondere die Entwicklung in der Rückversicherung: Die Rückversicherungsquote steigt 2024 von 1,89 Prozent auf 100 Prozent. Damit wird das versicherungstechnische Risiko vollständig an Rückversicherer übertragen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Wachstum einordnen. Die Rhion agiert als wachstumsstarker Digital- und Maklerversicherer innerhalb des Rheinland-Konzerns und kombiniert eine aggressive Preispolitik mit einer konsequenten Auslagerung des Risikos. Dies ermöglicht eine schnelle Skalierung des Bestands, da die Kapitalbindung und das eigene Risiko begrenzt bleiben. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen primär über Vertrieb und Marktzugang, während die Ergebnisrisiken weitgehend ausgelagert werden.

Hintergrund

Die Datengrundlage bildet der Branchenmonitor Hausratversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Untersucht werden die 50 größten Hausratversicherer in Deutschland, die zusammen rund 92 Prozent des Marktes abdecken. Die Auswertung umfasst Kennzahlen der Geschäftsjahre 2019 bis 2024.

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Der Branchenmonitor berücksichtigt zentrale Kennzahlen wie Bestandszahlen, gebuchte Bruttoprämien, Durchschnittsprämien je Vertrag sowie Schadenaufwendungen und ermöglicht damit eine differenzierte Analyse von Marktstruktur und Geschäftsmodellen. Der vollständige Report kann kostenpflichtig über die V.E.R.S. Leipzig GmbH bezogen werden.

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