Hintergrund: Solvenzquoten geben Auskunft darüber, wie gut ein Versicherer auf schwerwiegende Krisenszenarien vorbereitet ist. Grundlage ist ein theoretisches Extremereignis, das statistisch nur einmal in 200 Jahren auftritt – etwa außergewöhnliche Kostensteigerungen, Kapitalmarktverwerfungen oder andere Belastungen. Um solche Szenarien rechnerisch abzusichern, schreibt das Aufsichtsrecht eine Mindestquote von 100 Prozent vor. Sie bedeutet: Der Versicherer verfügt genau über die Eigenmittel, die zur Absicherung dieses Risikos erforderlich wären.

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Die private Krankenversicherung unterscheidet sich dabei deutlich von der Lebensversicherung. Während viele Lebensversicherer in den Jahren der Niedrigzinsphase unter Druck gerieten und ihre Solvenzquoten teilweise nur mithilfe regulatorischer Übergangsmaßnahmen stabilisieren konnten, zeigt sich die PKV traditionell robuster. Ein Grund dafür ist die geringere Abhängigkeit von langfristigen Zinsgarantien. Hinzu kommt, dass Krankenversicherer auf steigende Leistungsausgaben grundsätzlich durch Beitragsanpassungen reagieren können. Die Solvenzquoten der PKV entwickeln sich deshalb seit Jahren deutlich stabiler als in der Lebensversicherung.

Laut aktuellem MAP-Report Nr. 944 von Franke und Bornberg erreicht die PKV-Branche 2025 eine durchschnittliche Basis-SCR-Quote von 480,2 Prozent und bewegt sich damit nahezu auf dem Vorjahresniveau von 483,0 Prozent. Auffällig ist zugleich die große Spannweite der Ergebnisse. Während einige Versicherer Quoten von deutlich über 900 Prozent ausweisen, liegt das Schlusslicht des Marktes bei 192,4 Prozent.

Versicherungsbote stellt im Folgenden die zehn privaten Krankenversicherer mit den höchsten Basis-SCR-Quoten vor. Diese Kennzahl gilt als besonders aussagekräftig, weil sie ohne Volatilitätsanpassungen und sonstige Übergangsmaßnahmen berechnet wird. Da solche Hilfsmaßnahmen in der privaten Krankenversicherung ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen, vermitteln die Basisquoten ein besonders realistisches Bild der tatsächlichen Kapitalausstattung.

Allerdings gilt auch: Eine möglichst hohe Solvenzquote ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Zwar signalisiert eine Quote von mehreren hundert Prozent eine komfortable Kapitalausstattung und hohe Sicherheitsreserven. Gleichzeitig hängt die Höhe der Quote stark vom jeweiligen Geschäftsmodell, der Bestandsstruktur und dem individuellen Risikoprofil eines Unternehmens ab. Zudem binden hohe Eigenmittel Kapital, das nicht für andere Zwecke eingesetzt werden kann. Extrem hohe Quoten können daher sowohl Ausdruck besonderer finanzieller Stärke als auch einer sehr konservativen Kapitalsteuerung oder eines vergleichsweise geringen Risikoprofils sein.

Vor diesem Hintergrund beschränkt sich die folgende Auswertung nicht auf die Solvenzquoten allein. Neben den Daten des MAP-Reports 944 werden ergänzend Kennzahlen aus dem Branchenmonitor Kranken herangezogen, um die Geschäftsmodelle der Unternehmen besser einordnen zu können. Dabei wird insbesondere betrachtet, welcher Anteil der Beiträge auf die Krankenvollversicherung, die Pflegepflichtversicherung sowie auf Zusatz- und Ergänzungsversicherungen entfällt. Denn ein stark auf die Vollversicherung ausgerichteter Anbieter ist nur eingeschränkt mit einem Unternehmen vergleichbar, dessen Geschäft überwiegend aus Zusatzversicherungen oder anderen Teilversicherungen besteht.

Da der Branchenmonitor Kranken lediglich die 25 größten privaten Krankenversicherer berücksichtigt, liegen entsprechende Portfolioangaben nicht für alle Unternehmen der Spitzengruppe vor. In diesen Fällen wurden ergänzend Daten des MAP-Reports 940 (Stand: Geschäftsjahr 2024) herangezogen, um die Bedeutung der Vollversicherung anhand des Verhältnisses von Vollversicherungs- und Gesamtgeschäft näherungsweise einzuordnen. Die Solvenzquote liefert damit wichtige Hinweise auf die Stabilität eines Versicherers, ersetzt aber nicht die Betrachtung weiterer Kennzahlen.

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Der zugrunde liegende MAP-Report 944, der die Solvenzquoten der Jahre 2016 bis 2025 für die Bereiche PKV, Leben und Komposit auswertet, kann auf der Webseite von Franke und Bornberg (kostenpflichtig) bestellt werden. Die ergänzend verwendeten Daten des Branchenmonitors Kranken beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2024 und wurden von der V.E.R.S. Leipzig GmbH herausgegeben.