Genaue Zahlen zu den Maklerfirmen und Kundenbeständen, die jährlich den Besitzer wechseln, gibt es nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass allein beim Verkauf von nur einem Prozent der Anzahl der Maklerunternehmen bereits vier- bis fünfhundert Übergaben pro Jahr erfolgen. Wir selbst begleiten pro Jahr etwa 30 bis 40 Verkäufe von Firmen oder Beständen beziehungsweise erstellen entsprechende Bewertungen.

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Streitigkeiten sind oft vorprogrammiert

Wie kommt es dann aber zu Streitigkeiten nach dem Verkauf, wenn sich die Makler als Verkäufer und Käufer einig waren und sogar den erfolgreichen Verkauf zusammen gefeiert haben? Die Gründe sind vielfältig. Wir gehen hier einmal nicht auf Ursachen ein, die mit Nichtzahlung oder teilweise ausbleibenden Überweisungen des Kaufpreises zusammenhängen. Dafür sehen die meisten juristisch begleiteten Kaufverträge klare Regelungen vor. Meist ist dann der Kauf null und nichtig, es kommt zur Rückabwicklung des Kaufs.

Der @AssekuranzDoc

Dr. Peter Schmidt ist Experte Personenversicherungen und Unternehmensberater im Bereich Versicherungen, Vertriebe und Makler mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft und Vorstand bei deutschen Versicherern und twittert als @AssekuranzDoc.

Eine wesentliche Ursache für die anders gearteten Streitigkeiten nach einem Verkauf sind unvollständige Angaben zum Kaufobjekt, also zur Firma, deren Gesellschaftsanteile übertragen wurden, oder zu den wert- und damit preisrelevanten Details des Kundenbestandes. Als Beispiel seien die Angaben zur Kunden- und Vertragsanzahl, den daraus resultierenden Courtagen – aufgeteilt nach Bestands- und Abschlussprovisionen oder den bestehenden Stornohaftungssummen aufzuführen.

Schließen wir hier einmal den offensichtlichen Betrug mit falschen Zahlen aus. Häufig sind die Fälle, bei denen der Verkäufer durch mangelhafte Genauigkeit in der Kundenverwaltung gar keine exakten Daten vorliegen hat. Ursache für solche „Schätzungen“ sind:

  • Komplett fehlendes Maklerverwaltungsprogramme (MVP) für alle (!) Kunden
  • Verwendung von verschiedenen MVP sowie hilfsweisen verschiedenen Excel-Listen
  • Kundenverwaltung über verschiedene Plattformen von Pools und Versicherern
  • Manuelle Vertragseingaben ins MVP ohne Abgleich mit den Daten bei Versicherern

Jede dieser Ursachen führt zu Ungenauigkeiten bei den Grundlagen für die Kaufverhandlungen und dann auch zu Unstimmigkeiten in Kaufverträgen. Die Folge sind dann eben – typbedingt – juristische Auseinandersetzungen. Erstaunlich dabei ist, dass die beim Vertragsabschluss vorhandene Freundlichkeit und Euphorie zwischen Verkäufer und Käufer schnell in mangelnde konstruktive Konfliktfähigkeit oder sogar Hass umschlagen kann.

Der Gesetzgeber schützt Käufer durch die Forderung der wahrheitsgetreuen und angemessenen Offenlegung aller wesentlichen Fakten zum Kaufobjekt. Diese Offenlegungspflichten werden auch disclosure issues genannt. In Kaufverträgen, die von Rechtsanwälten begleitet werden, wird deshalb immer wieder der Satz, dass alle Informationen vom Verkäufer vollständig, richtig und nicht irreführend übermittelt wurden, auftauchen.

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Vielfach werden dem Kaufvertrag aus diesem Grund umfangreiche Anlagen beigefügt. Dazu gehören beispielsweise Übersichten zu allen bestehenden Dienstleistungsverträgen, zum Stand der Bankkonten, Arbeitsverträge mit Mitarbeitern und besonders die Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre. Letztere sowie die entsprechenden Steuererklärungen geben einen guten Status Quo zu möglichen Darlehens- oder Pensionsverpflichtungen oder eben auch Fehlbeträgen in den Bilanzen wieder.