Haftpflicht: Die größten Bestandsgewinne
Die Haftpflichtversicherung bleibt 2024 wirtschaftlich stabil und wächst bei den Prämien. Beim Vertragsbestand ist der Markt jedoch weitgehend gesättigt. Versicherungsbote analysiert, welche Versicherer in diesem Umfeld dennoch die größten Bestandsgewinne erzielen konnten.

- Haftpflicht: Die größten Bestandsgewinne
- Zehntgrößter Zuwachs: Helvetia Direktion für Deutschland (plus 17.301 Verträge)
- Neuntgrößter Zuwachs: Barmenia Allgemeine (plus 26.079 Verträge)
- Achtgrößter Zuwachs: Württembergische (plus 28.480 Verträge)
- Siebtgrößter Zuwachs: LVM (plus 30.953 Verträge)
- Sechstgrößter Zuwachs: R+V Allgemeine (plus 37.802 Verträge)
- Fünftgrößter Zuwachs: Alte Leipziger (plus 43.011 Verträge)
- Viertgrößter Zuwachs: Allianz (plus 47.782 Verträge)
- Drittgrößter Zuwachs: HUK-Coburg Allgemeine (plus 49.926 Verträge)
- Zweitgrößter Zuwachs: HUK24 (plus 72.976 Verträge)
- Größter Zuwachs: Rhion Versicherung (plus 83.610 Verträge)
Die Haftpflichtversicherung präsentierte sich im Jahr 2024 weiterhin als stabiler Ergebnisträger – doch diese Stabilität geht nicht mit breitem Wachstum einher. Während die Prämieneinnahmen zulegten, getragen von steigenden Durchschnittsbeiträgen, verharrten die Vertragszahlen auf nahezu unverändertem Niveau. Der Markt ist weitgehend gesättigt, zusätzliche Verträge entstehen nur noch in begrenztem Umfang und meist zulasten anderer Anbieter.
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Stabile Prämien, selektives Wachstum
Diese Struktur zeigt sich deutlich im Aggregat der 50 größten Anbieter. Im Durchschnitt bleibt der Bestand je Versicherer mit 887.568 Policen praktisch konstant und liegt nur minimal unter dem Vorjahreswert – rechnerisch entspricht das einem Rückgang um vier Verträge je Unternehmen. Die Dynamik früherer Wachstumsphasen ist damit weitgehend verschwunden.
Gleichzeitig entwickeln sich die Prämien weiter positiv. Die durchschnittlichen Beitragseinnahmen steigen von 170,50 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 174,22 Millionen Euro im Jahr 2024, ein Zuwachs von 3,72 Millionen Euro beziehungsweise 2,2 Prozent. Dieses Wachstum resultiert jedoch nicht aus zusätzlichen Verträgen, sondern aus steigenden Durchschnittsprämien, die sich von 166,08 Euro auf 169,35 Euro erhöhen. Wachstum entsteht damit im Haftpflichtmarkt weiterhin über den Preis je Vertrag – nicht über die Menge.
Wachstum konzentriert sich auf wenige Anbieter
Vor diesem Hintergrund gewinnen Bestandszuwächse besondere Aussagekraft. Während ein Großteil der Anbieter stagnierende oder rückläufige Bestände verzeichnet, konzentriert sich das Wachstum auf eine begrenzte Zahl von Versicherern mit klarer Positionierung.
Bestandsgewinne sind damit weniger Ausdruck eines expandierenden Marktes als vielmehr Ergebnis von Marktanteilsverschiebungen. Unterschiede in Preisgestaltung, Vertriebsstärke und Zielgruppenansprache entscheiden zunehmend darüber, welche Anbieter wachsen – und welche Bestände verlieren.
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Vor diesem Hintergrund richtet Versicherungsbote den Blick auf jene Haftpflichtversicherer, die 2024 die größten absoluten Bestandszuwächse erzielen konnten – und ordnet ihre Entwicklung im Kontext von Marktstellung, Prämienniveau und Geschäftsmodell ein.
Zehntgrößter Zuwachs: Helvetia Direktion für Deutschland (plus 17.301 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Helvetia Direktion für Deutschland steigt 2024 um 17.301 Verträge beziehungsweise 5,3 Prozent auf 341.776 Policen, nach 324.475 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 32 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich liegt der Bestand jedoch weiterhin unter dem Niveau von 2019 mit 356.717 Verträgen, was einem Minus von 14.941 Policen beziehungsweise rund 4,2 Prozent entspricht.
Wirtschaftlich ordnet sich Helvetia oberhalb ihrer Bestandsposition ein. Mit 58,08 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,65 Prozent und Rang 25 nach Prämien liegt sie sieben Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich aus.
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Prämienprofil: mittleres Marktsegment mit leichter Rückbewegung
Die Durchschnittsprämie je Vertrag entwickelt sich nicht linear. Nach einem Anstieg von 160,42 Euro im Jahr 2019 auf 178,25 Euro im Jahr 2023 sinkt sie 2024 auf 169,95 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich damit eine Position im mittleren Segment: 20 Anbieter verlangen höhere Prämien, ein Anbieter liegt auf gleichem Niveau, 28 sind günstiger. Das Preisniveau bleibt damit insgesamt moderat, zeigt zuletzt jedoch eine leichte Absenkung.
Schadenentwicklung: deutliche Entlastung nach hohem Vorjahresniveau
Auf der Schadenseite zeigt sich eine markante Veränderung. Nach 115,74 Euro im Jahr 2023 sinken die Schadenaufwendungen je Vertrag 2024 deutlich auf 48,92 Euro und liegen damit sogar unter dem Niveau von 2019 (81,81 Euro). Im Marktvergleich verbessert sich die Position erheblich: von Rang 42 im Vorjahr auf Rang 20. 19 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 30 höhere. Die Entwicklung fällt damit nicht nur absolut, sondern auch relativ im Markt deutlich aus.
Einordnung: Wachstum nach Schadennormalisierung
Die Kombination aus stabilem bis leicht rückläufigem Preisniveau und gleichzeitig deutlich gesunkenen Schadenaufwendungen verändert die Ausgangslage im Rückblick erkennbar. Während 2023 noch von einer vergleichsweise hohen Schadenbelastung geprägt war, zeigt sich 2024 eine deutliche Entlastung.
Der Bestandszuwachs lässt sich jedoch nicht unmittelbar aus dieser kurzfristigen Entwicklung ableiten. Vielmehr deutet die Volatilität der Schadenaufwendungen darauf hin, dass sich das Geschäft insgesamt in einem Umfeld schwankender Schadenbelastungen bewegt. In einem stagnierenden Markt entstehen Zuwächse unter solchen Bedingungen weniger aus kurzfristigen Effekten als aus einer stabilen Positionierung über mehrere Jahre hinweg.
Neuntgrößter Zuwachs: Barmenia Allgemeine (plus 26.079 Verträge)
Die Barmenia Allgemeine erhöht ihren Haftpflichtbestand 2024 um 26.079 Verträge beziehungsweise 6,8 Prozent auf 411.707 Policen, nach 385.628 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 27 nach Vertragsbestand. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Aufbau: Gegenüber 2019 mit 320.703 Verträgen entspricht dies einem Plus von 91.004 Policen beziehungsweise rund 28,4 Prozent.
Wirtschaftlich bleibt die Position hinter der Bestandsgröße zurück. Mit 30,61 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,34 Prozent und Rang 36 nach Prämien liegt die Gesellschaft neun Plätze unter ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt entsprechend niedrig aus.
Prämienprofil: klar im unteren Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag bleibt nahezu konstant und liegt 2024 bei 74,36 Euro, nach 74,99 Euro im Jahr 2023 und 75,77 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Bereich: 39 Anbieter verlangen höhere Prämien, nur zehn sind günstiger. Die Barmenia gehört damit eindeutig zu den preisgünstigeren Anbietern der Haftpflichtversicherung.
Schadenentwicklung: moderates Niveau bei stabiler Entwicklung
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich insgesamt moderat. Nach einem Anstieg von 30,53 Euro im Jahr 2019 auf 41,14 Euro im Jahr 2023 sinken sie 2024 leicht auf 39,48 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich damit eine günstige Position: 35 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 14 niedrigere. Die Schadenbelastung bleibt damit vergleichsweise moderat und zeigt keine starken Ausschläge.
Einordnung: Wachstum über Breite im Niedrigpreissegment
Die Kombination aus niedrigen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im unteren Marktsegment. Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. In einem weitgehend gesättigten Markt entstehen zusätzliche Verträge insbesondere dort, wo preisgünstige Angebote eine breite Zielgruppe ansprechen. Wachstum erfolgt hier weniger über den Wert je Vertrag als über die Ausweitung des Bestands.
Achtgrößter Zuwachs: Württembergische (plus 28.480 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Württembergischen wächst 2024 um 28.480 Verträge beziehungsweise 2,0 Prozent auf 1.443.537 Policen, nach 1.415.057 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 14 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein klarer Ausbau: Gegenüber 2019 mit 1.242.093 Verträgen entspricht dies einem Plus von 201.444 Policen beziehungsweise rund 16,2 Prozent.
Wirtschaftlich gehört die Württembergische zur erweiterten Spitzengruppe. Mit 293,61 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,29 Prozent und Rang 10 nach Prämien liegt sie vier Plätze vor ihrer Position nach Vertragsbestand. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich aus.
Prämienprofil: oberes Mittelfeld
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt kontinuierlich von 177,97 Euro im Jahr 2019 über 200,21 Euro im Jahr 2023 auf 203,40 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 15 Anbieter verlangen höhere Prämien, 34 sind günstiger. Die Württembergische bewegt sich damit klar oberhalb der breiten Marktsegmente, ohne in das Hochpreissegment vorzustoßen.
Schadenentwicklung: stabiles Niveau ohne größere Ausschläge
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich vergleichsweise stabil. Nach 60,86 Euro im Jahr 2019 und 60,33 Euro im Jahr 2023 steigen sie 2024 leicht auf 64,97 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich eine ausgeglichene Position: 26 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 23 höhere. Die Schadenbelastung liegt damit im mittleren Bereich des Marktes.
Einordnung: ausgewogene Positionierung mit kontinuierlichem Ausbau
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig stabilen Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im oberen Mittelfeld. Das Geschäftsmodell ist weder auf extreme Preisführerschaft noch auf spezialisierte Hochrisikosegmente ausgerichtet. In einem weitgehend gesättigten Markt gelingt Wachstum hier nicht über Extrempositionen, sondern über eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Bestands bei stabiler Preis- und Risikostruktur.
Siebtgrößter Zuwachs: LVM (plus 30.953 Verträge)
Die LVM steigert ihren Haftpflichtbestand 2024 um 30.953 Verträge beziehungsweise 1,9 Prozent auf 1.685.160 Policen, nach 1.654.207 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 7 nach Bestandsgröße und gehört weiterhin zu den größten Anbietern im Markt. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 1.492.357 Verträgen entspricht dies einem Plus von 192.803 Policen beziehungsweise rund 12,9 Prozent.
Wirtschaftlich liegt die Position leicht unterhalb der Bestandsgröße. Mit 286,39 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,21 Prozent und Rang 11 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von vier Plätzen. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit etwas unterdurchschnittlich aus.
Prämienprofil: mittleres Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt moderat von 161,04 Euro im Jahr 2019 über 166,82 Euro im Jahr 2023 auf 169,95 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 20 Anbieter verlangen höhere Prämien, 28 sind günstiger. Das Preisniveau bewegt sich damit nahe am Marktdurchschnitt und zeigt eine stabile Entwicklung.
Schadenentwicklung: leicht erhöhtes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 56,73 Euro im Jahr 2019 über 72,14 Euro im Jahr 2023 auf 74,66 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 30: 29 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, 19 höhere. Die Schadenbelastung liegt damit leicht oberhalb des Marktdurchschnitts, ohne zu den besonders belasteten Segmenten zu gehören.
Einordnung: Wachstum aus stabiler Bestandsbasis und Vertriebskraft
Die Kombination aus mittlerem Preisniveau und leicht erhöhten Schadenaufwendungen ergibt ein insgesamt ausgeglichenes Verhältnis von Beitrag und Risiko. Weder auf der Preis- noch auf der Schadenseite zeigen sich extreme Ausschläge.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Die LVM profitiert dabei von ihrer stark ausgeprägten Ausschließlichkeitsorganisation mit enger regionaler Verankerung und langfristigen Kundenbeziehungen. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen weniger aus kurzfristigen Impulsen als aus kontinuierlicher Bestandspflege und einer hohen Marktdurchdringung im eigenen Kundenstamm.
Sechstgrößter Zuwachs: R+V Allgemeine (plus 37.802 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der R+V Allgemeinen wächst 2024 um 37.802 Verträge beziehungsweise 1,9 Prozent auf 2.003.143 Policen, nach 1.965.341 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 6 nach Vertragsbestand und zählt zu den größten Anbietern im Markt. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 1.931.474 Verträgen entspricht dies einem Plus von 71.669 Policen beziehungsweise rund 3,7 Prozent.
Wirtschaftlich gehört die R+V zur Spitzengruppe der Branche. Mit 781,66 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 8,75 Prozent und Rang 2 nach Prämien liegt sie vier Plätze vor ihrer Position nach Vertragsbestand. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit deutlich überdurchschnittlich aus.
Prämienprofil: klar im Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 338,41 Euro im Jahr 2019 über 385,34 Euro im Jahr 2023 auf 390,22 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Spitzenposition: Nur ein Anbieter verlangt höhere Prämien, während die große Mehrheit darunter liegt. Die R+V gehört damit zu den teuersten Anbietern im Haftpflichtmarkt.
Schadenentwicklung: entsprechend hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich ebenfalls auf einem hohen Niveau. Nach 272,55 Euro im Jahr 2019 und 260,80 Euro im Jahr 2023 liegen sie 2024 bei 252,28 Euro. Im Marktvergleich entspricht dies den dritthöchsten Schadenaufwendungen – nur zwei Anbieter weisen höhere Werte auf. Preisniveau und Schadenbelastung stehen damit in einem klar korrespondierenden Verhältnis.
Einordnung: Wachstum im Hochpreissegment über starken Vertriebszugang
Die Kombination aus sehr hohen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im oberen Marktsegment. Die Positionierung ist klar auf höherwertige und komplexere Risiken ausgerichtet.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Die R+V profitiert dabei in besonderem Maße von ihrer engen Einbindung in die genossenschaftliche FinanzGruppe und dem Zugang über die Volks- und Raiffeisenbanken. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen nicht allein aus Preis- oder Risikopositionierung, sondern auch aus der systematischen Ansprache im Verbundgeschäft. Die Haftpflichtversicherung wird häufig im Kontext anderer Finanz- und Versicherungsprodukte vermittelt, was die Marktdurchdringung erhöht und kontinuierliche Bestandszuwächse auch im Hochpreissegment ermöglicht.
Fünftgrößter Zuwachs: Alte Leipziger (plus 43.011 Verträge)
Die Alte Leipziger erhöht ihren Haftpflichtbestand 2024 um 43.011 Verträge beziehungsweise 19,8 Prozent auf 259.810 Policen, nach 216.799 im Vorjahr. Trotz dieses dynamischen Wachstums bleibt die Gesellschaft mit Rang 36 ein kleinerer Anbieter nach Vertragszahl. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch ein deutlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 178.329 Verträgen entspricht dies einem Plus von 81.481 Policen beziehungsweise rund 45,7 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Position deutlich stärker als es die Bestandsgröße vermuten lässt. Mit 72,87 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,82 Prozent und Rang 24 nach Prämien liegt das Unternehmen zwölf Plätze vor seiner Position nach Vertragszahl.
Prämienprofil: hohes Niveau mit deutlicher Absenkung
Die Durchschnittsprämie je Vertrag zeigt eine auffällige Entwicklung. Nach 357,66 Euro im Jahr 2019 und 316,29 Euro im Jahr 2023 sinkt sie 2024 deutlich auf 280,49 Euro. Trotz dieses Rückgangs bleibt die Alte Leipziger im oberen Marktsegment positioniert: Nur sieben Anbieter verlangen höhere Prämien, während 42 darunter liegen. Das Preisniveau bleibt damit hoch, auch wenn es zuletzt spürbar abgesenkt wurde.
Schadenentwicklung: erhöhtes Niveau mit Schwankungen
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich rückläufig gegenüber 2019, steigen jedoch zuletzt wieder leicht an. Nach 172,15 Euro im Jahr 2019 und 108,34 Euro im Jahr 2023 liegen sie 2024 bei 118,75 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 38: 37 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, 12 höhere. Die Gesellschaft bewegt sich damit weiterhin im Bereich erhöhter Schadenaufwendungen.
Einordnung: Wachstum bei gleichzeitiger Preisanpassung
Die Kombination aus weiterhin hohem Preisniveau und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen entspricht grundsätzlich einer Positionierung im oberen Marktsegment. Auffällig ist jedoch die deutliche Absenkung der Durchschnittsprämien im Jahr 2024.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Wachstum hier nicht allein aus der bestehenden Positionierung heraus entsteht, sondern auch durch Anpassungen im Preisniveau unterstützt wird. In einem gesättigten Markt können solche Verschiebungen die Zugänglichkeit für breitere Kundengruppen erhöhen und damit zusätzliche Bestandszuwächse ermöglichen.
Viertgrößter Zuwachs: Allianz (plus 47.782 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Allianz wächst 2024 um 47.782 Verträge beziehungsweise 1,0 Prozent auf 4.777.742 Policen, nach 4.729.960 im Vorjahr. Damit bleibt die Allianz mit deutlichem Abstand der größte Anbieter im Markt. Auch im längerfristigen Vergleich setzt sich der Ausbau fort: Gegenüber 2019 mit 4.416.474 Verträgen entspricht dies einem Plus von 361.268 Policen beziehungsweise rund 8,2 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Marktführerschaft noch ausgeprägter. Die gebuchten Bruttoprämien steigen von 1,35 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 1,39 Milliarden Euro im Jahr 2024, ein Zuwachs von 41,16 Millionen Euro beziehungsweise 3,1 Prozent. Mit einem Marktanteil von 15,54 Prozent und Rang 1 nach Prämien dominiert die Allianz die Einnahmenseite der Haftpflichtversicherung klar.
Prämienprofil: oberes Marktsegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 279,18 Euro im Jahr 2019 über 284,74 Euro im Jahr 2023 auf 290,51 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im oberen Segment: Nur fünf Anbieter verlangen höhere Prämien, während die große Mehrheit darunter liegt. Die Allianz verbindet damit hohe Marktanteile mit einem überdurchschnittlichen Preisniveau.
Schadenentwicklung: deutlich erhöhtes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 127,72 Euro im Jahr 2019 über 148,35 Euro im Jahr 2023 deutlich auf 189,17 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 46: 45 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, nur vier höhere. Die Allianz bewegt sich damit im oberen Bereich der Schadenbelastung.
Einordnung: Marktdominanz über Breite und Markenstärke
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen deutet auf eine insgesamt höher liegende Bestandsstruktur hin. Als Marktführer deckt die Allianz ein breites Spektrum an Risiken und Kundengruppen ab, wobei ein signifikanter Teil des Geschäfts in Segmenten mit überdurchschnittlichen Beiträgen und entsprechenden Schadenaufwendungen liegt.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Die Allianz profitiert von ihrer starken Marktstellung, hoher Markenbekanntheit und einem breit aufgestellten Vertrieb über verschiedene Kanäle. Wachstum entsteht unter diesen Bedingungen aus der kontinuierlichen Weiterentwicklung eines bereits sehr großen Bestands, dessen Struktur insgesamt auf einem höheren Beitrags- und Schadenniveau liegt.
Drittgrößter Zuwachs: HUK-Coburg Allgemeine (plus 49.926 Verträge)
Die HUK-Coburg Allgemeine baut ihren Haftpflichtbestand 2024 um 49.926 Verträge beziehungsweise 2,5 Prozent auf 2.066.608 Policen aus, nach 2.016.682 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 4 nach Bestandsgröße und gehört zu den größten Anbietern im Markt. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Ausbau: Gegenüber 2019 mit 1.782.795 Verträgen entspricht dies einem Plus von 283.813 Policen beziehungsweise rund 15,9 Prozent.
Wirtschaftlich bleibt die Position deutlich hinter der Bestandsgröße zurück. Mit 106,33 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,19 Prozent und Rang 20 nach Prämien liegt die Gesellschaft 16 Plätze unter ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt entsprechend niedrig aus.
Prämienprofil: konsequent im Niedrigpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag sinkt weiter leicht von 54,58 Euro im Jahr 2019 über 52,27 Euro im Jahr 2023 auf 51,45 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position am unteren Rand: Nur vier Anbieter verlangen niedrigere Prämien, während 45 darüber liegen. Die HUK-Coburg Allgemeine gehört damit zu den günstigsten Anbietern im Markt.
Schadenentwicklung: sehr niedriges Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau. Nach 22,00 Euro im Jahr 2019 und 20,86 Euro im Jahr 2023 liegen sie 2024 bei 24,37 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich eine Spitzenposition: Nur vier Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, während die große Mehrheit deutlich darüber liegt. Preisniveau und Schadenbelastung liegen damit konsistent im unteren Segment.
Einordnung: Wachstum über Preisführerschaft und Skalierung
Die Kombination aus sehr niedrigen Prämien und gleichzeitig sehr geringen Schadenaufwendungen ergibt ein klares, konsistentes Geschäftsmodell im unteren Marktsegment. Anders als bei hochpreisigen Anbietern basiert die Positionierung hier auf Effizienz, Standardisierung und einer breiten Risikostreuung.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Im Kontrast zu Anbietern wie Allianz oder R+V, die im oberen Marktsegment wachsen, erzielt die HUK-Coburg Allgemeine Wachstum über konsequente Preisführerschaft und hohe Skalierung. Zusätzliche Verträge entstehen hier vor allem über die breite Ansprache preissensibler Kundengruppen und eine entsprechend hohe Marktdurchdringung.
Zweitgrößter Zuwachs: HUK24 (plus 72.976 Verträge)
Die HUK24 steigert ihren Haftpflichtbestand 2024 um 72.976 Verträge beziehungsweise 9,2 Prozent auf 865.997 Policen, nach 793.021 im Vorjahr. Damit erreicht die Direkttochter Rang 19 nach Vertragszahl. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein dynamischer Ausbau: Gegenüber 2019 mit 527.812 Verträgen entspricht dies einem Plus von 338.185 Policen beziehungsweise rund 64,1 Prozent.
Wirtschaftlich bleibt die Position deutlich hinter der Bestandsgröße zurück. Mit 36,49 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,41 Prozent und Rang 34 nach Prämien liegt die Gesellschaft 15 Plätze unter ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag ist entsprechend sehr niedrig.
Prämienprofil: günstigster Anbieter im Markt
Die Durchschnittsprämie je Vertrag sinkt weiter von 48,06 Euro im Jahr 2019 über 43,02 Euro im Jahr 2023 auf 42,13 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich die niedrigste Position: Kein Anbieter ist günstiger. Die HUK24 stellt damit die konsequenteste Ausprägung des Niedrigpreissegments dar.
Schadenentwicklung: niedrigstes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau. Nach 27,77 Euro im Jahr 2019 und 25,30 Euro im Jahr 2023 sinken sie 2024 auf 20,98 Euro. Im Marktvergleich entspricht dies Rang 2: Nur ein Anbieter weist geringere Schadenaufwendungen auf – die dritte HUK-Tochter HUK-Coburg VVaG. Preisniveau und Schadenbelastung sind damit im Marktvergleich durchgängig am unteren Rand positioniert.
Einordnung: Direktmodell als skalierte Preisstrategie
Die Kombination aus extrem niedrigen Prämien und gleichzeitig sehr geringen Schadenaufwendungen zeigt ein hochgradig standardisiertes Geschäftsmodell. Was sich bei der HUK-Coburg Allgemeinen bereits als preisgetriebene Wachstumsstrategie zeigt, wird bei der HUK24 im Direktvertrieb noch konsequenter umgesetzt.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Wachstum entsteht hier aus einer besonders schlanken Kostenstruktur, digitalisierten Prozessen und der gezielten Ansprache preissensibler Kundengruppen. Im Unterschied zu klassischen Vertriebsmodellen erfolgt die Skalierung primär über Effizienz und standardisierte, digitale Vertriebswege.
Größter Zuwachs: Rhion Versicherung (plus 83.610 Verträge)
Den größten absoluten Bestandszuwachs verzeichnet 2024 die Rhion Versicherung: Der Haftpflichtbestand wächst um 83.610 Verträge beziehungsweise 12,3 Prozent auf 765.885 Policen, nach 682.275 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 21 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich eine außergewöhnliche Dynamik: Gegenüber 2019 mit 228.542 Verträgen hat sich der Bestand um 537.343 Policen beziehungsweise rund 235 Prozent erhöht.
Wirtschaftlich liegt die Gesellschaft deutlich hinter ihrer Bestandsposition. Mit 46,51 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,52 Prozent und Rang 30 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von neun Plätzen. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt entsprechend niedrig aus.
Prämienprofil: klar im unteren Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag sinkt deutlich und liegt 2024 bei 60,73 Euro, nach 63,07 Euro im Jahr 2023. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein struktureller Bruch: Während 2019 noch 129,51 Euro erreicht wurden, halbiert sich das Niveau ab 2020 nahezu. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Bereich: Nur sechs Anbieter verlangen niedrigere Prämien. Rhion ist damit eindeutig auf Wachstum über ein preisgünstiges Angebot ausgerichtet.
Schadenentwicklung: niedriges Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag sinken deutlich von 85,78 Euro im Jahr 2019 über 38,16 Euro im Jahr 2023 auf 34,07 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine günstige Position: Zehn Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 39 höhere. Die Schadenbelastung liegt damit ebenfalls klar im unteren Bereich des Marktes.
Einordnung: Wachstum über digitale Skalierung und Maklervertrieb
Die Kombination aus niedrigen Prämien und gleichzeitig geringen Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Modell im unteren Marktsegment. Auffällig ist dabei vor allem die Dynamik der Bestandsentwicklung.
Der Bestandszuwachs fügt sich in dieses Bild ein. Als Digital- und Maklerversicherer innerhalb der Rheinland Versicherungsgruppe setzt Rhion gezielt auf wachstumsorientierte Strukturen. Im Unterschied zu klassischen Ausschließlichkeits- oder Bankvertriebsmodellen erfolgt die Skalierung über digitale Prozesse und den Maklervertrieb, der hier eine schnelle Marktdurchdringung ermöglicht. Wachstum entsteht damit weniger aus historisch gewachsenen Beständen, sondern aus einer konsequent auf Expansion ausgerichteten Geschäftsstrategie.
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Hintergrund: Der Branchenmonitor Haftpflichtversicherung 2025
Die zugrunde liegende Datenbasis für diese Analyse bildet der aktuelle Branchenmonitor Haftpflichtversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Anbieter am deutschen Markt vergleicht und rund 98 Prozent des gesamten Prämienvolumens abdeckt. Der vollständige Bericht ist kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Analysten erhältlich.
- Haftpflicht: Die größten Bestandsgewinne
- Zehntgrößter Zuwachs: Helvetia Direktion für Deutschland (plus 17.301 Verträge)
- Neuntgrößter Zuwachs: Barmenia Allgemeine (plus 26.079 Verträge)
- Achtgrößter Zuwachs: Württembergische (plus 28.480 Verträge)
- Siebtgrößter Zuwachs: LVM (plus 30.953 Verträge)
- Sechstgrößter Zuwachs: R+V Allgemeine (plus 37.802 Verträge)
- Fünftgrößter Zuwachs: Alte Leipziger (plus 43.011 Verträge)
- Viertgrößter Zuwachs: Allianz (plus 47.782 Verträge)
- Drittgrößter Zuwachs: HUK-Coburg Allgemeine (plus 49.926 Verträge)
- Zweitgrößter Zuwachs: HUK24 (plus 72.976 Verträge)
- Größter Zuwachs: Rhion Versicherung (plus 83.610 Verträge)
