Haftpflicht: Die größten Bestandsverluste
Die Haftpflichtversicherung bleibt 2024 wirtschaftlich stabil und wächst bei den Prämien. Beim Vertragsbestand ist der Markt dagegen weitgehend gesättigt. Versicherungsbote zeigt, welche Versicherer die größten Bestandsverluste hinnehmen müssen.

- Haftpflicht: Die größten Bestandsverluste
- Zehntgrößter Verlust: DEVK VVaG (minus 10.403 Verträge)
- Neuntgrößter Verlust: Dialog Versicherung (minus 10.991 Verträge)
- Achtgrößter Verlust: DEVK Allgemeine (minus 12.929 Verträge)
- Siebtgrößter Verlust: Bayerischer Versicherungsverband (minus 16.600 Verträge)
- Sechstgrößter Verlust: Bayerische Allgemeine (minus 17.393 Verträge)
- Fünftgrößter Verlust: Provinzial Versicherung (minus 18.435 Verträge)
- Viertgrößter Verlust: Generali Deutschland (minus 19.941 Verträge)
- Drittgrößter Verlust: HDI Versicherung (minus 21.177 Verträge)
- Zweitgrößter Verlust: Gothaer Allgemeine (minus 22.566 Verträge)
- Größter Verlust: Signal Iduna Allgemeine (minus 279.215 Verträge)
Die Haftpflichtversicherung präsentiert sich im Jahr 2024 wirtschaftlich stabil – doch diese Stabilität geht nicht mit weiterem Wachstum einher. Während die Prämieneinnahmen weiter zulegen, getragen von steigenden Durchschnittsbeiträgen, verharren die Vertragszahlen auf nahezu unverändertem Niveau. Der Markt ist weitgehend gesättigt, Bewegung entsteht weniger durch zusätzliche Kunden als durch Verschiebungen innerhalb des Bestands.
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Stabile Prämien, stagnierende Bestände
Diese Entwicklung zeigt sich deutlich im Aggregat der 50 größten Anbieter. Im Durchschnitt bleibt der Bestand je Versicherer mit 887.568 Policen praktisch konstant und liegt nur minimal unter dem Vorjahreswert – rechnerisch entspricht das einem Rückgang um vier Verträge pro Unternehmen. Die Dynamik früherer Wachstumsphasen ist damit weitgehend verschwunden. Auf der Beitragsseite ergibt sich hingegen ein anderes Bild: Die durchschnittlichen Prämieneinnahmen steigen von 170,50 Millionen Euro auf 174,22 Millionen Euro, ein Plus von 3,72 Millionen Euro beziehungsweise 2,2 Prozent. Dieses Wachstum speist sich jedoch nicht aus einer steigenden Vertragszahl, sondern aus höheren Durchschnittsprämien, die sich von 166,08 Euro auf 169,35 Euro erhöhen. Der Markt wächst somit über den Preis je Vertrag, nicht über die Menge.
Wettbewerb verschärft sich im gesättigten Markt
In einem solchen Umfeld verschärft sich der Wettbewerb spürbar. Mehr als die Hälfte der Anbieter – 26 von 50 – verzeichnet stagnierende oder rückläufige Bestände, während nur 24 Versicherer zulegen können. Wachstum konzentriert sich damit auf wenige Gesellschaften mit klarer Positionierung, während ein großer Teil des Marktes um bestehende Volumina konkurriert. Bestandsverluste gewinnen vor diesem Hintergrund an Aussagekraft: Sie sind weniger ein Indikator für strukturelle Schwäche der Sparte als vielmehr Ausdruck intensiver Marktanteilsverschiebungen. Unterschiede in Preisstrategie, Vertriebskraft und digitaler Erreichbarkeit entscheiden zunehmend darüber, welche Anbieter wachsen – und welche Bestände abgeben.
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Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auf jene Haftpflichtversicherer, die im Jahr 2024 die größten absoluten Bestandsverluste verzeichnen. Versicherungsbote stellt die betroffenen Unternehmen anhand zentraler Kennzahlen vor – und ordnet ihre Entwicklung im Kontext von Marktstellung, Prämienniveau und Geschäftsmodell ein.
Zehntgrößter Verlust: DEVK VVaG (minus 10.403 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der DEVK VVaG sinkt 2024 um 10.403 Verträge beziehungsweise 2,0 Prozent auf 509.067 Policen, nach 519.470 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 25 nach Bestandsgröße im Mittelfeld. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 555.688 Verträgen entspricht dies einem Minus von 46.621 Policen beziehungsweise rund 8,4 Prozent.
Wirtschaftlich ordnet sich die DEVK VVaG unterhalb ihrer Bestandsposition ein. Mit 30,94 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,35 Prozent und Rang 35 nach Prämien liegt sie zehn Plätze hinter ihrer Position nach Vertragsbestand. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit vergleichsweise niedrig aus und korrespondiert mit dem insgesamt niedrigen Prämienniveau.
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Prämienprofil: klar im Niedrigpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag liegt 2024 bei 60,78 Euro und damit nahezu unverändert auf dem Niveau der Vorjahre (2023: 60,60 Euro; 2019: 60,51 Euro). Im Marktvergleich ergibt sich ein hinterer Rang: 42 Anbieter verlangen höhere Prämien, nur sieben sind günstiger. Die DEVK VVaG gehört damit eindeutig zum Niedrigpreissegment der Haftpflichtversicherung.
Schadenentwicklung: vergleichsweise günstige Risikostruktur
Auf der Schadenseite zeigt sich ein günstiges Bild. Die Schadenaufwendungen je Vertrag liegen 2024 bei 25,24 Euro, nach 26,46 Euro im Vorjahr und 21,72 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich entspricht dies den siebtniedrigsten Schadenaufwendungen – nur sechs Anbieter weisen geringere Werte auf.
Einordnung: stabile Kostenbasis, aber begrenzte Ertragsdynamik
Die Kombination aus niedrigen Prämien und niedrigen Schadenaufwendungen sorgt für eine stabile Kostenstruktur. Gleichzeitig begrenzt die geringe Prämienbasis die wirtschaftliche Dynamik: Wachstum und Wertschöpfung lassen sich in diesem Segment nur eingeschränkt steigern. Der Bestandsrückgang erklärt sich u.a. durch die Positionierung in einem stark preisgetriebenen Marktumfeld.
Neuntgrößter Verlust: Dialog Versicherung (minus 10.991 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Dialog Versicherung sinkt 2024 um 10.991 Verträge beziehungsweise 4,6 Prozent auf 228.185 Policen, nach 239.176 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 37 nach Vertragszahl. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 306.512 Verträgen entspricht dies einem Minus von 78.327 Policen beziehungsweise rund 25,6 Prozent.
Wirtschaftlich stellt sich die Position deutlich anders dar. Mit 87,58 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,98 Prozent und Rang 22 nach Prämien liegt die Gesellschaft 15 Plätze über ihrer Position nach Vertragsbestand. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich hoch aus.
Prämienprofil: ausgeprägtes Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt weiter deutlich an und liegt 2024 bei 383,80 Euro, nach 373,72 Euro im Vorjahr und 323,05 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Spitzenposition: Nur zwei Anbieter verlangen höhere Prämien, 47 liegen darunter. Die Dialog gehört damit zu den teuersten Anbietern im Markt. Das Geschäftsmodell ist entsprechend weniger auf Breite, sondern stärker auf spezifische Risiken und Zielgruppen ausgerichtet.
Schadenentwicklung: hohe Belastung im oberen Bereich
Parallel dazu zeigt sich auch auf der Schadenseite ein erhöhtes Niveau. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 130,27 Euro im Jahr 2019 über 141,70 Euro im Jahr 2023 auf 168,79 Euro im Jahr 2024. Damit gehört die Dialog zu den Anbietern mit hohen Schadenaufwendungen: Nur sechs Unternehmen weisen höhere Werte auf.
Einordnung: Hochpreisstrategie mit korrespondierendem Risiko
Die Kombination aus sehr hohen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen zeigt ein konsistentes Bild. Das Geschäftsmodell ist auf höherwertige beziehungsweise risikoreichere Segmente ausgerichtet, in denen sowohl Beiträge als auch Schäden überdurchschnittlich ausfallen. Hinzu kommt ein anspruchsvolleres Marktumfeld: Steigende Kosten infolge von Inflation sowie eine erhöhte Schadenanfälligkeit in einzelnen Segmenten – etwa durch komplexere Risiken oder juristische Auseinandersetzungen – wirken sich gerade in solchen Portfolios stärker aus. Höhere Prämien sind damit nicht nur Ausdruck der Positionierung, sondern auch eine Reaktion auf gestiegene Schadenkosten. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund als Ausdruck einer fokussierten Marktposition interpretieren, bei der Wachstum weniger über Breite als über Wert je Vertrag erfolgt.
Achtgrößter Verlust: DEVK Allgemeine (minus 12.929 Verträge)
Die DEVK Allgemeine verliert 2024 12.929 Verträge beziehungsweise 0,9 Prozent und kommt auf 1.361.751 Policen, nach 1.374.680 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 15 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich hingegen ein Wachstum: Gegenüber 2019 mit 1.316.046 Verträgen ergibt sich ein Plus von 45.705 Policen beziehungsweise rund 3,5 Prozent.
Wirtschaftlich ordnet sich die Gesellschaft leicht unterhalb ihrer Bestandsposition ein. Mit 106,64 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,35 Prozent und Rang 19 nach Prämien liegt sie vier Plätze hinter ihrem Rang nach Vertragszahlen. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit vergleichsweise moderat aus.
Prämienprofil: moderates Niveau im unteren Mittelfeld
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 71,74 Euro im Jahr 2019 über 77,27 Euro im Jahr 2023 auf 78,31 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein Platz im hinteren Mittelfeld: 38 Anbieter verlangen höhere Prämien, 11 sind günstiger. Im Vergleich zur DEVK VVaG zeigt sich damit zwar ein etwas höheres Preisniveau, die Positionierung bleibt jedoch klar im unteren bis mittleren Segment der Haftpflichtversicherung.
Schadenentwicklung: spürbarer Anstieg zuletzt
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 29,88 Euro im Jahr 2019 über 31,82 Euro im Jahr 2023 auf 46,15 Euro im Jahr 2024. Damit verschlechtert sich die Position im Marktvergleich deutlich: 17 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, nachdem es im Vorjahr nur 10 waren. Der Anstieg fällt damit nicht nur absolut, sondern auch relativ im Markt spürbar aus.
Einordnung: steigende Schäden bei moderatem Preisniveau
Die Kombination aus moderaten Prämien und zuletzt deutlich gestiegenen Schadenaufwendungen verändert die Ausgangslage. Während das Geschäftsmodell bislang durch eine ausgewogene Relation geprägt war, erhöht sich mit steigenden Schadenkosten der Druck auf die Profitabilität. Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein: In einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld mit begrenztem Preisspielraum gewinnen Veränderungen auf der Schadenseite an Bedeutung für die weitere Entwicklung.
Siebtgrößter Verlust: Bayerischer Versicherungsverband (minus 16.600 Verträge)
Der Haftpflichtbestand des Bayerischen Versicherungsverbands sinkt 2024 um 16.600 Verträge beziehungsweise 1,5 Prozent auf 1.123.240 Policen, nach 1.139.840 im Vorjahr. Damit liegt der Versicherer auf Rang 16 nach Vertragszahl. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.158.417 Verträgen entspricht dies einem Minus von 35.177 Policen beziehungsweise rund 3,0 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Gesellschaft etwas stärker positioniert als nach Bestand. Mit 273,15 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,06 Prozent und Rang 12 nach Prämien liegt sie vier Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich aus.
Prämienprofil: obere Mitte im Markt
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 203,94 Euro im Jahr 2019 über 241,18 Euro im Jahr 2023 auf 243,18 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Platzierung im oberen Mittelfeld: 11 Anbieter verlangen höhere Prämien, 38 sind günstiger. Der Bayerische Versicherungsverband positioniert sich damit klar oberhalb des Durchschnitts, ohne in das Hochpreissegment vorzudringen.
Schadenentwicklung: deutlich erhöhtes Niveau
Auf der Schadenseite zeigt sich ein überdurchschnittliches Niveau. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 126,91 Euro im Jahr 2019 über 130,29 Euro im Jahr 2023 auf 144,25 Euro im Jahr 2024. Nur zehn Unternehmen weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Dieses Niveau korrespondiert mit der Preispositionierung im oberen Mittelfeld. Höhere Prämien gehen hier mit entsprechend höheren Schadenaufwendungen einher, sodass sich ein in sich stimmiges, aber insgesamt belastetes Verhältnis von Beitrag und Risiko ergibt.
Einordnung: überdurchschnittliches Niveau auf beiden Seiten
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen führt zu einem insgesamt ausgewogenen, aber anspruchsvollen Verhältnis von Beitrag und Risiko. Beide Seiten bewegen sich oberhalb des Marktniveaus, ohne dass sich daraus ein klarer Wettbewerbsvorteil ergibt.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein: In einem weitgehend gesättigten Markt reicht ein solches Gleichgewicht nicht aus, um zusätzliche Wachstumsimpulse zu setzen – insbesondere in wirtschaftlich anspruchsvolleren Phasen, in denen Preis- und Kostenunterschiede stärker ins Gewicht fallen.
Sechstgrößter Verlust: Bayerische Allgemeine (minus 17.393 Verträge)
Die Bayerische Allgemeine verzeichnet 2024 einen deutlichen Bestandsrückgang von 17.393 Verträgen beziehungsweise 9,0 Prozent auf 176.836 Policen, nach 194.229 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 39 nach Vertragszahl. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 209.911 Verträgen entspricht dies einem Minus von 33.075 Policen beziehungsweise rund 15,8 Prozent.
Wirtschaftlich ist der Anbieter der kleinste im Branchenmonitor. Mit 12,38 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,14 Prozent und Rang 50 nach Prämien liegt die Gesellschaft elf Plätze unter ihrer Position nach Vertragsbestand. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit entsprechend niedrig aus.
Prämienprofil: unteres Preissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 61,24 Euro im Jahr 2019 über 67,08 Euro im Jahr 2023 auf 70,01 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im unteren Segment: 40 Anbieter verlangen höhere Prämien, neun sind günstiger. Die Bayerische Allgemeine ist damit – ähnlich wie die DEVK VVaG – preislich auf Breite ausgerichtet, jedoch aus einer deutlich kleineren Marktposition heraus.
Schadenentwicklung: hohe Volatilität statt klarer Linie
Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen ein uneinheitliches Bild. Nach einem deutlichen Anstieg auf 51,60 Euro im Jahr 2023 sinken sie 2024 wieder auf 34,46 Euro und liegen damit nahe am Niveau von 2019 (34,16 Euro). Im Marktvergleich ergibt sich Rang 12: Nur elf Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf. Auffällig ist dabei weniger das absolute Niveau als die Schwankungsbreite. Während 2023 noch ein Jahr mit vergleichsweise hohen Schadenaufwendungen war, verbessert sich die Position 2024 deutlich.
Einordnung: kleine Bestände, hohe Schwankungen
Die Kombination aus niedrigen Prämien und aktuell vergleichsweise günstigen Schadenaufwendungen ergibt auf den ersten Blick ein stabiles Verhältnis. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass dieses Gleichgewicht nicht dauerhaft gesichert ist, sondern spürbaren Schwankungen unterliegt.
Der deutliche Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. Gerade bei kleineren Beständen wirken sich einzelne Schadenjahre stärker aus, während gleichzeitig die Spielräume zur Stabilisierung über den Preis begrenzt bleiben.
Fünftgrößter Verlust: Provinzial Versicherung (minus 18.435 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Provinzial sinkt 2024 um 18.435 Verträge beziehungsweise 1,1 Prozent auf 1.670.022 Policen, nach 1.688.457 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 8 nach Bestandsgröße und gehört weiterhin zu den größten Anbietern im Markt.
Wirtschaftlich bleibt die Position stabil. Die gebuchten Bruttoprämien steigen von 306,69 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 313,65 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 6,96 Millionen Euro beziehungsweise 2,3 Prozent entspricht. Mit einem Marktanteil von 3,51 Prozent und Rang 9 nach Prämien liegt die Provinzial nahezu deckungsgleich zur Bestandsposition.
Prämienprofil: moderates Niveau mit steigender Tendenz
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 150,64 Euro im Jahr 2019 über 181,64 Euro im Jahr 2023 auf 187,81 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 19 Anbieter verlangen höhere Prämien, 30 sind günstiger. Das Preisniveau liegt damit unterhalb der oberen Marktsegmente, zeigt jedoch eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung.
Schadenentwicklung: deutlicher Anstieg auf unterdurchschnittlichem Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 56,44 Euro im Jahr 2019 über 85,01 Euro im Jahr 2023 auf 118,46 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 37: 36 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, 13 höhere.
Einordnung: steigender Vertragswert bei rückläufigem Bestand
Die gegenläufige Entwicklung von Bestand und Prämien zeigt ein klares Muster. Trotz sinkender Vertragszahlen wächst das Beitragsvolumen weiter, getragen von steigenden Durchschnittsprämien und einer veränderten Bestandsstruktur. Der Bestandsrückgang ist vor diesem Hintergrund weniger Ausdruck wirtschaftlicher Schwäche als vielmehr Teil einer Verschiebung hin zu einem höheren Prämienniveau je Vertrag. In einem gesättigten Markt gewinnt damit die Qualität des Bestands zunehmend an Bedeutung gegenüber der reinen Stückzahl.
Viertgrößter Verlust: Generali Deutschland (minus 19.941 Verträge)
Die Generali Deutschland verliert 2024 19.941 Verträge beziehungsweise 0,9 Prozent und kommt auf 2.161.758 Policen, nach 2.181.699 im Vorjahr. Damit bleibt der Versicherer dennoch drittgrößter Anbieter nach Vertragszahl. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 2.294.727 Verträgen entspricht dies einem Minus von 132.969 Policen beziehungsweise rund 5,8 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Position leicht schwächer als nach Bestand. Die gebuchten Bruttoprämien steigen zwar von 415,30 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 422,69 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 7,39 Millionen Euro beziehungsweise 1,8 Prozent entspricht. Mit Rang 7 nach Prämien liegt die Generali jedoch vier Plätze hinter ihrer Position nach Vertragszahl.
Prämienprofil: mittleres bis gehobenes Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 150,77 Euro im Jahr 2019 über 190,35 Euro im Jahr 2023 auf 195,53 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 17 Anbieter verlangen höhere Prämien, 32 sind günstiger. Das Preisniveau liegt damit oberhalb der breiten Marktsegmente, ohne zu den Hochpreisanbietern zu zählen.
Schadenentwicklung: erhöhtes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 61,75 Euro im Jahr 2019 über 85,15 Euro im Jahr 2023 auf 102,80 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 35: 34 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, 15 höhere. Die Generali weist damit ein eher erhöhtes Schadenniveau auf, auch wenn sich die Belastung im Vergleich zu klassischen Hochrisikosegmenten weiterhin in moderaten Grenzen bewegt.
Einordnung: stabile Struktur bei leicht rückläufigem Bestand
Die Kombination aus moderaten bis leicht erhöhten Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen ergibt ein insgesamt ausgewogenes, aber nicht spannungsfreies Verhältnis von Beitrag und Risiko. Beide Seiten bewegen sich oberhalb weiter Teile des Marktes, ohne dass sich daraus eine klare Differenzierung ergibt.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. Mit Blick auf die Bestandsgröße relativiert sich diese Entwicklung jedoch: Als drittgrößter Anbieter bleibt die Generali weiterhin einer der prägenden Akteure im Markt. In einem weitgehend gesättigten Umfeld reicht eine solche Positionierung ohne klare Vorteile bei Preis oder Risiko dennoch oft nicht aus, um zusätzliche Wachstumsimpulse zu setzen. Entscheidend ist damit weniger die absolute Größe als die Weiterentwicklung des Bestands in Richtung höherer Wertigkeit oder klarer Profilierung.
Drittgrößter Verlust: HDI Versicherung (minus 21.177 Verträge)
Der Haftpflichtbestand des HDI sinkt 2024 um 21.177 Verträge beziehungsweise 1,9 Prozent auf 1.102.391 Policen, nach 1.123.568 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 17 nach Vertragszahl. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.221.755 Verträgen entspricht dies einem Minus von 119.364 Policen beziehungsweise rund 9,8 Prozent.
Wirtschaftlich stellt sich die Position deutlich stärker dar. Die gebuchten Bruttoprämien steigen von 349,38 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 357,25 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 7,87 Millionen Euro beziehungsweise 2,3 Prozent entspricht. Mit Rang 8 nach Prämien liegt der HDI neun Plätze vor seiner Position nach Vertragsbestand.
Prämienprofil: klar im Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 259,97 Euro im Jahr 2019 über 310,96 Euro im Jahr 2023 auf 324,07 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Spitzenposition: Nur drei Anbieter verlangen höhere Prämien, während die große Mehrheit darunter liegt. Der HDI gehört damit zu den teuersten Anbietern im Markt und positioniert sich deutlich oberhalb des Durchschnitts.
Schadenentwicklung: hohes Niveau im oberen Bereich
Die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich auf einem erhöhten Niveau. Nach 144,88 Euro im Jahr 2019 und 142,91 Euro im Jahr 2023 steigen sie 2024 auf 165,65 Euro. Im Marktvergleich entspricht dies den achthöchsten Schadenaufwendungen – nur sieben Anbieter weisen höhere Werte auf. Preisniveau und Schadenbelastung bewegen sich damit in ähnlichen Größenordnungen.
Einordnung: Hochpreisstrategie mit entsprechendem Risikoprofil
Die Kombination aus sehr hohen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen zeigt ein konsistentes Muster. Das Geschäftsmodell ist auf höherwertige beziehungsweise risikoreichere Segmente ausgerichtet, in denen sowohl Beiträge als auch Schäden überdurchschnittlich ausfallen.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. Mit Blick auf die wirtschaftliche Position relativiert sich die Entwicklung jedoch: Trotz geringerer Vertragszahlen zählt der HDI weiterhin zu den prämienstarken Anbietern. Wachstum entsteht hier weniger über die Breite des Bestands als über den Wert je Vertrag.
Zweitgrößter Verlust: Gothaer Allgemeine (minus 22.566 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Gothaer Allgemeinen sinkt 2024 um 22.566 Verträge beziehungsweise 1,4 Prozent auf 1.553.413 Policen, nach 1.575.979 im Vorjahr. Damit liegt die Gesellschaft auf Rang 12 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.662.416 Verträgen entspricht dies einem Minus von 109.003 Policen beziehungsweise rund 6,6 Prozent.
Wirtschaftlich zählt die Gothaer weiterhin zu den großen Anbietern. Die gebuchten Bruttoprämien steigen von 425,81 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 441,70 Millionen Euro im Jahr 2024, was einem Zuwachs von 15,89 Millionen Euro beziehungsweise 3,7 Prozent entspricht. Mit Rang 6 nach Prämien liegt die Gesellschaft sechs Plätze vor ihrer Position nach Vertragsbestand.
Prämienprofil: gehobenes bis hohes Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 212,64 Euro im Jahr 2019 über 270,19 Euro im Jahr 2023 auf 284,34 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Position im oberen Segment: Nur sechs Anbieter verlangen höhere Prämien, während 43 günstiger sind. Die Gothaer gehört damit zu den teureren Anbietern im Markt.
Schadenentwicklung: erhöhtes Niveau mit schwankendem Verlauf
Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen zuletzt wieder einen Anstieg. Nach 111,36 Euro im Jahr 2019 und einem vergleichsweise niedrigen Wert von 99,07 Euro im Jahr 2023 steigen sie 2024 auf 128,51 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 39: 38 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, 11 höhere. Die Gothaer bewegt sich damit klar im Bereich erhöhter Schadenaufwendungen, wobei das Vorjahr eine temporäre Entlastung darstellte.
Einordnung: Prämienstärke bei begrenztem Nachfragewachstum
Die Kombination aus gehobenem Preisniveau und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen ergibt ein weitgehend konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko. Höhere Prämien spiegeln hier die entsprechend höhere Schadenstruktur wider und sind damit Ausdruck der jeweiligen Segmentpositionierung.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. In einem Markt mit begrenztem Wachstum entstehen zusätzliche Impulse vor allem dort, wo sich Preis- und Risikoprofile verändern. Bleiben beide Größen im Gleichlauf, entwickelt sich der Bestand entsprechend stabil, ohne dass sich daraus zusätzliche Wachstumsdynamik ergibt. Mit Blick auf die Marktstellung relativiert sich die Entwicklung zwar – die Gothaer bleibt einer der prämienstärkeren Anbieter –, zugleich zeigt sich jedoch, dass auch große Versicherer ihre Bestände unter diesen Bedingungen nicht ohne Weiteres ausweiten können.
Größter Verlust: Signal Iduna Allgemeine (minus 279.215 Verträge)
Der Haftpflichtbestand der Signal Iduna Allgemeinen bricht 2024 massiv ein und sinkt um 279.215 Verträge beziehungsweise 33,4 Prozent auf 555.802 Policen, nach 835.017 im Vorjahr. Damit verzeichnet der Versicherer mit Abstand den größten Bestandsverlust im Markt und fällt auf Rang 23 nach Vertragszahl zurück. Auch im längerfristigen Vergleich liegt der Bestand unter dem Niveau von 2019 (741.503 Verträge), was einem Minus von 185.701 Policen beziehungsweise rund 25,0 Prozent entspricht.
Wirtschaftlich zeigt sich jedoch ein gegenläufiges Bild. Die gebuchten Bruttoprämien steigen von 138,92 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 143,86 Millionen Euro im Jahr 2024, ein Zuwachs von 4,94 Millionen Euro beziehungsweise 3,6 Prozent. Mit einem Marktanteil von 1,61 Prozent und Rang 14 nach Prämien liegt die Gesellschaft damit neun Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl.
Prämienprofil: deutlicher Sprung im Marktvergleich
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt deutlich von 166,36 Euro im Jahr 2023 auf 258,83 Euro im Jahr 2024. Bereits im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Anstieg gegenüber 2019 (154,33 Euro), doch der Sprung im Jahr 2024 fällt besonders stark aus. Im Marktvergleich bedeutet dies eine klare Verschiebung: Während die Signal Iduna 2023 noch im Mittelfeld lag (Rang 22), gehört sie 2024 mit Rang 11 zu den teureren Anbietern. Nur zehn Unternehmen verlangen höhere Prämien, während 39 darunter liegen.
Schadenentwicklung: ebenfalls deutlich gestiegen
Parallel dazu steigen auch die Schadenaufwendungen je Vertrag erheblich. Von 77,54 Euro im Jahr 2023 erhöhen sie sich auf 148,00 Euro im Jahr 2024, nach 59,51 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 41: 40 Anbieter weisen geringere Schadenaufwendungen auf, nur neun höhere. Die Gesellschaft rutscht damit innerhalb eines Jahres deutlich in den Bereich erhöhter Schadenbelastung.
Einordnung: strukturelle Verschiebung im Bestand
Die gleichzeitige Entwicklung von stark steigenden Prämien und deutlich höheren Schadenaufwendungen deutet auf eine grundlegende Veränderung der Bestandsstruktur hin. Der massive Rückgang der Vertragszahlen ist damit nicht isoliert zu betrachten, sondern steht im Zusammenhang mit einer Verschiebung hin zu einem höherwertigen, aber auch schadenintensiveren Portfolio.
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Vor diesem Hintergrund ist der Bestandsrückgang weniger Ausdruck einer klassischen Marktentwicklung als vielmehr Folge von Sondereffekten innerhalb des Bestands. Die Signal Iduna positioniert sich sichtbar neu im Markt, was kurzfristig zu erheblichen Verschiebungen in Stückzahl, Prämienniveau und Schadenstruktur führt.
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Hintergrund: Der Branchenmonitor Haftpflichtversicherung 2025
Die zugrunde liegende Datenbasis für diese Analyse bildet der aktuelle Branchenmonitor Haftpflichtversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die fünfzig größten Anbieter am deutschen Markt vergleicht und rund 98 Prozent des gesamten Prämienvolumens abdeckt. Der vollständige Bericht ist kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Analysten erhältlich.
- Haftpflicht: Die größten Bestandsverluste
- Zehntgrößter Verlust: DEVK VVaG (minus 10.403 Verträge)
- Neuntgrößter Verlust: Dialog Versicherung (minus 10.991 Verträge)
- Achtgrößter Verlust: DEVK Allgemeine (minus 12.929 Verträge)
- Siebtgrößter Verlust: Bayerischer Versicherungsverband (minus 16.600 Verträge)
- Sechstgrößter Verlust: Bayerische Allgemeine (minus 17.393 Verträge)
- Fünftgrößter Verlust: Provinzial Versicherung (minus 18.435 Verträge)
- Viertgrößter Verlust: Generali Deutschland (minus 19.941 Verträge)
- Drittgrößter Verlust: HDI Versicherung (minus 21.177 Verträge)
- Zweitgrößter Verlust: Gothaer Allgemeine (minus 22.566 Verträge)
- Größter Verlust: Signal Iduna Allgemeine (minus 279.215 Verträge)
