Wohngebäude: Die schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten
Die Wohngebäudeversicherung zeigt 2024 eine leichte Entspannung, bleibt aber eines der größten Problemfelder im Kompositgeschäft. Versicherungsbote zeigt, welche Versicherer die höchsten Combined Ratios aufweisen – und warum selbst ein moderates Schadenjahr keine Stabilisierung bringt.

- Wohngebäude: Die schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten
- Zehntschlechteste CR: R+V Allgemeine (105,80 Prozent)
- Neuntschlechteste CR: Württembergische (108,55 Prozent)
- Achtschlechteste CR: Baloise Sachversicherung (108,83 Prozent)
- Siebtschlechteste CR: Gothaer Allgemeine (109,47 Prozent)
- Sechstschlechteste CR: Barmenia Allgemeine (113,25 Prozent)
- Fünftschlechteste CR: Bayerischer Versicherungsverband (114,18 Prozent)
- Viertschlechteste CR: Mannheimer (115,78 Prozent)
- Drittschlechteste CR: Rhion Versicherung (116,16 Prozent)
- Zweitschlechteste CR: Signal Iduna Allgemeine (117,67 Prozent)
- Schlechteste CR: Adler (123,94 Prozent)
Die Wohngebäudeversicherung zählt auch 2024 zu den problematischsten Sparten im Kompositgeschäft. Zwar zeigen die aktuellen Kennzahlen auf den ersten Blick eine gewisse Entspannung, doch bei genauerer Betrachtung bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt und strukturell fragil. Anders als in vielen anderen Sparten sind die Ergebnisse hier in besonderem Maße von externen Faktoren abhängig – insbesondere von Extremwetterereignissen, stark schwankenden Baupreisen und dauerhaft hohen Schäden durch Leitungswasser. Diese Einflüsse entziehen sich weitgehend der Steuerung durch die Versicherer und sorgen für eine hohe Volatilität der Ergebnisse.
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Ein Blick auf die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) zeigt zunächst eine Verbesserung. Im Jahr 2024 sinkt der Branchendurchschnitt auf 96,47 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch bei 101,0 Prozent lag. Damit liegt die Sparte erstmals seit 2020 wieder unter der kritischen Marke von einhundert Prozent. Auch die Zahl der Anbieter mit auskömmlicher Quote steigt: 28 der 50 größten Versicherer erreichen 2024 Werte unterhalb dieser Schwelle, drei mehr als im Jahr zuvor.
Diese Entwicklung deutet auf eine gewisse Stabilisierung hin – wird jedoch durch einen zentralen Befund relativiert. Trotz der verbesserten Combined Ratio bleibt die Ertragslage schwach. Im Durchschnitt erzielen die fünfzig größten Anbieter ein versicherungstechnisches Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) von minus 13,85 Millionen Euro und bleiben damit klar im defizitären Bereich. Noch deutlicher wird die strukturelle Belastung beim Blick auf die Verteilung: 33 der 50 Versicherer schreiben hier weiterhin Verluste.
Sinkende Quoten, aber keine Trendwende
Der scheinbare Widerspruch zwischen sinkender Schaden-Kosten-Quote und weiterhin negativen Ergebnissen ist zentral für das Verständnis der Sparte. Eine Combined Ratio unter einhundert Prozent signalisiert zwar rechnerisch eine auskömmliche Geschäftstätigkeit, bildet jedoch nicht die gesamte wirtschaftliche Realität ab. Insbesondere in der Wohngebäudeversicherung wirken sich Schwankungen in der Schadenentwicklung und in den Kostenstrukturen oft zeitverzögert aus, sodass kurzfristige Verbesserungen nicht unmittelbar zu stabilen Gewinnen führen.
Hinzu kommt, dass das Jahr 2024 trotz spürbarer Naturgefahrenbelastungen kein ausgeprägtes Extremjahr darstellt. Großflächige Katastrophenereignisse wie in den Jahren 2021 oder 2023 blieben aus, regionale Schäden waren insgesamt beherrschbar, und auch die Dynamik bei Bau- und Reparaturkosten flachte etwas ab. Gerade vor diesem Hintergrund fällt die schwache Ertragslage besonders ins Gewicht: Wenn selbst ein vergleichsweise moderates Schadenjahr nicht ausreicht, um die Mehrheit der Anbieter in die Gewinnzone zu führen, wird die strukturelle Fragilität der Sparte deutlich.
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Strukturelle Risiken bleiben dominant
Die zentrale Herausforderung der Wohngebäudeversicherung liegt damit weiterhin in ihrer hohen Anfälligkeit für externe Schocks. Bereits eine einzelne Unwettersaison oder ein erneuter Anstieg der Baukosten kann die Schaden-Kosten-Quoten vieler Anbieter wieder deutlich nach oben treiben – die aktuelle Krise durch den Irankrieg lässt hier nichts Positives erwarten. Die sichtbare Entlastung des Jahres 2024 erweist sich damit weniger als nachhaltige Trendwende, sondern vielmehr als Momentaufnahme in einem weiterhin instabilen Umfeld.
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Vor diesem Hintergrund zeigt Versicherungsbote, welche Versicherer im Jahr 2024 die höchsten – und damit wirtschaftlich problematischsten – Schaden-Kosten-Quoten aufweisen und wie sich diese im Kontext der insgesamt angespannten Marktlage einordnen lassen.
Zehntschlechteste CR: R+V Allgemeine (105,80 Prozent)
Die R+V Allgemeine gehört 2024 trotz ihrer Größe zu den Anbietern mit klar defizitärer Wohngebäudeversicherung. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 105,80 Prozent weist sie die zehntschlechteste Combined Ratio des Marktes auf. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das sogar eine Verschlechterung: 2023 hatte die Quote noch bei 102,58 Prozent gelegen. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau deutlich belastet. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich im Durchschnitt eine Combined Ratio von 111,03 Prozent, wobei insbesondere das Extremjahr 2021 mit 158,58 Prozent den Schnitt nach oben verzerrt.
Auffällig ist dabei die Dimension der Verluste. Mit einem versicherungstechnischen Ergebnis von minus 144,20 Millionen Euro weist die R+V 2024 das schlechteste Ergebnis der gesamten Branche aus. Diese Größenordnung ist jedoch auch im Kontext der Marktstellung zu sehen: Mit 895 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 6,75 Prozent und Rang drei gehört die R+V zu den größten Wohngebäudeversicherern Deutschlands. Hohe absolute Verluste spiegeln damit auch die Größe des Geschäfts wider.
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Prämienanstieg ohne ausreichende Entlastung
Die Entwicklung der Durchschnittsprämien zeigt eine deutliche Anpassung nach oben. Von 505,30 Euro im Jahr 2019 steigen die Beiträge über 723,01 Euro im Jahr 2023 auf 833,57 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 328,27 Euro beziehungsweise rund 65,0 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Damit liegt die R+V klar über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro und im oberen Mittelfeld des Marktes. Diese Entwicklung unterstreicht, dass erhebliche Preisanpassungen bereits umgesetzt wurden. Dennoch gelingt es bislang nicht, die wirtschaftliche Lage nachhaltig zu stabilisieren.
Schadenentwicklung: deutliche Belastung trotz Preisanpassung
Der zentrale Belastungsfaktor liegt auf der Schadenseite. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 357,42 Euro im Jahr 2019 auf 549,07 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 schließlich 668,08 Euro. Damit liegt die R+V deutlich über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro und weist 2024 den siebthöchsten Schadenaufwand je Vertrag im Markt auf.
Gleichzeitig zeigt der Mehrjahresvergleich, wie stark die Belastung schwankt. Im Extremjahr 2021 lag der Wert mit 741,90 Euro noch einmal deutlich höher. 2024 markiert also nicht den Höchststand des Zeitraums, wohl aber erneut ein sehr hohes Niveau nach bereits erhöhten Vorjahreswerten. Die Schadenbelastung bleibt damit ausgeprägt und trägt wesentlich dazu bei, dass die kräftigen Prämienanpassungen bislang nicht ausreichen, um die Sparte in die Gewinnzone zurückzuführen.
Einordnung: Größe, hohe Preise – aber keine Stabilisierung
Vor diesem Hintergrund zeigt sich ein zentrales Muster der Sparte besonders deutlich. Trotz kräftiger Prämiensteigerungen und überdurchschnittlicher Beitragshöhen gelingt es der R+V nicht, die Schadenentwicklung ausreichend zu kompensieren. Das Geschäftsmodell bewegt sich damit in einem Spannungsfeld aus hoher Marktpräsenz, steigenden Preisen und gleichzeitig überproportionalen Schadenkosten.
Neuntschlechteste CR: Württembergische (108,55 Prozent)
Die Württembergische gehört 2024 trotz zwischenzeitlicher Entlastung weiterhin zu den defizitären Anbietern in der Wohngebäudeversicherung. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 108,55 Prozent weist sie die neuntschlechteste Combined Ratio im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine deutliche Verschlechterung: 2023 hatte die Quote noch bei 100,38 Prozent gelegen und damit nahe an der Auskömmlichkeitsschwelle. Im Mehrjahresdurchschnitt ergibt sich mit 105,66 Prozent weiterhin ein klar defizitäres Niveau, das insbesondere durch das Extremjahr 2021 mit 156,08 Prozent geprägt ist.
Auch das Ergebnis unterstreicht die anhaltende Belastung. Mit einem versicherungstechnischen Verlust von 51,91 Millionen Euro weist die Württembergische 2024 das achtschlechteste Ergebnis im Markt auf. Diese Einordnung ist im Kontext der Unternehmensgröße zu sehen: Mit 370 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,79 Prozent und Rang elf nach Prämien zählt die Gesellschaft zum oberen Mittelfeld der Branche. Die Verlusthöhe ist damit nicht allein Ausdruck einer außergewöhnlichen Schwäche, sondern steht auch in Relation zur Größe des Geschäfts.
Prämienentwicklung: deutliche Anpassungen, aber moderates Niveau
Die Durchschnittsprämien je Vertrag zeigen eine klare Aufwärtsbewegung. Von 442,72 Euro im Jahr 2019 steigen sie über 707,59 Euro im Jahr 2023 auf 736,78 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 294,06 Euro beziehungsweise rund 66,4 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Trotz dieser deutlichen Anpassungen bleibt die Württembergische preislich im unteren bis mittleren Segment positioniert. Mit 736,78 Euro liegt sie nur leicht über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro und rangiert im Marktvergleich auf Platz 20 von 50 Anbietern. Das bedeutet zugleich: 30 Versicherer verlangen niedrigere Prämien, während 19 höhere Beiträge aufweisen. Eine ausgeprägte Hochpreispositionierung ist damit nicht erkennbar.
Schadenentwicklung: Rückgang gegenüber Spitze, aber weiterhin erhöht
Der zentrale Belastungsfaktor bleibt die Schadenentwicklung. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 254,45 Euro im Jahr 2019 auf 489,63 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 einen Wert von 580,99 Euro. Damit liegt die Württembergische deutlich über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro; nur 13 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf.
Im Mehrjahresvergleich zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Der Höchstwert wurde im Jahr 2021 mit 703,51 Euro erreicht. Gegenüber diesem Extremniveau ist 2024 zwar niedriger, bleibt aber deutlich über den Werten der Jahre vor den Großschadenereignissen. Die Schadenbelastung ist damit weiterhin erhöht, auch wenn sie sich gegenüber den Spitzenwerten etwas reduziert hat.
Einordnung: moderate Preise treffen auf erhöhte Schadenbelastung
Vor diesem Hintergrund lässt sich die Entwicklung einordnen. Die Württembergische hat ihre Prämien in den vergangenen Jahren deutlich angehoben, bewegt sich preislich jedoch weiterhin nur im Mittelfeld. Gleichzeitig liegen die Schadenaufwendungen klar über dem Branchenschnitt. Dieses Zusammenspiel erklärt die schwache Ergebnislage: Die Prämiensteigerungen reichen bislang nicht aus, um die erhöhte Schadenbelastung vollständig zu kompensieren. Damit zeigt sich auch hier ein zentrales Muster der Sparte – steigende Beiträge allein garantieren keine Stabilisierung, wenn die Schadenseite überproportional belastet bleibt.
Achtschlechteste CR: Baloise Sachversicherung (108,83 Prozent)
Die Baloise Sachversicherung zählt 2024 weiterhin zu den defizitären Anbietern in der Wohngebäudeversicherung. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 108,83 Prozent weist sie die achtschlechteste Combined Ratio im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich kaum eine Veränderung: 2023 lag die Quote bereits bei 108,04 Prozent. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau hoch. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein Durchschnitt von 113,46 Prozent, wobei insbesondere das Extremjahr 2021 mit 156,67 Prozent das langfristige Bild prägt.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 29,67 Millionen Euro bewegt sich die Baloise im mittleren Bereich der Ergebnisverteilung. Diese Einordnung entspricht auch der Marktstellung: Mit 183 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,38 Prozent und Rang 17 gehört die Gesellschaft zum Mittelfeld der Sparte.
Prämienentwicklung: deutliches Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämien je Vertrag zeigen eine ausgeprägte Aufwärtsbewegung. Von 504,96 Euro im Jahr 2019 steigen sie über 719,05 Euro im Jahr 2023 auf 849,70 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 344,74 Euro beziehungsweise rund 68,3 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Damit liegt die Baloise klar über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 12: Nur elf Anbieter verlangen höhere Prämien, während 38 günstiger sind. Die Gesellschaft ist damit eindeutig im oberen Preissegment positioniert.
Schadenentwicklung: erhöht, aber nicht im Spitzenbereich
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 314,82 Euro im Jahr 2019 auf 488,15 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 einen Wert von 546,37 Euro. Damit liegt die Baloise über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, bewegt sich jedoch nicht in der Spitzengruppe der höchsten Schadenbelastungen. 33 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 16 höhere.
Einordnung: Hohe Preise ohne entsprechende Entlastung
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein klares Bild. Die Baloise gehört zu den höherpreisigen Anbietern im Markt, ohne dass sich daraus eine entsprechend stabile Schaden-Kosten-Quote ableiten lässt. Die überdurchschnittlichen Prämien reichen nicht aus, um die ebenfalls erhöhten Schadenaufwendungen vollständig zu kompensieren.
Damit bestätigt sich ein zentrales Muster der Sparte: Selbst eine klare Positionierung im oberen Preissegment bietet keinen verlässlichen Schutz vor defizitären Ergebnissen. Entscheidend bleibt die Entwicklung auf der Schadenseite – und diese entzieht sich auch hier weitgehend der direkten Steuerung.
Siebtschlechteste CR: Gothaer Allgemeine (109,47 Prozent)
Die Gothaer Allgemeine zählt 2024 zu den deutlich defizitären Anbietern der Wohngebäudeversicherung. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 109,47 Prozent weist sie die siebtschlechteste Combined Ratio im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich zwar eine Verbesserung – 2023 lag die Quote noch bei 112,07 Prozent –, doch auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau klar belastet. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein Durchschnitt von 121,46 Prozent, der insbesondere durch das Extremjahr 2021 mit 167,51 Prozent geprägt ist.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 57,57 Millionen Euro weist die Gothaer den fünftschlechtesten Ergebniswert im Markt auf. Angesichts von 381 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,87 Prozent und Rang zehn nach Prämien zählt das Unternehmen zu den größten Wohngebäudeversicherern in Deutschland. Die Verlusthöhe ist damit auch im Kontext der Geschäftsgröße zu sehen.
Prämienentwicklung: klare Position im oberen Segment
Die Durchschnittsprämien je Vertrag zeigen eine deutliche Aufwärtsbewegung. Von 520,66 Euro im Jahr 2019 steigen sie über 743,26 Euro im Jahr 2023 auf 897,80 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 377,14 Euro beziehungsweise rund 72,4 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Damit liegt die Gothaer klar über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro und im oberen Preissegment. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 10: Neun Anbieter verlangen höhere Prämien, während 40 günstigere Beiträge aufweisen. Die Gesellschaft zählt damit eindeutig zu den teureren Anbietern im Markt.
Schadenentwicklung: zentrale Belastung im oberen Bereich
Der entscheidende Belastungsfaktor liegt auf der Schadenseite. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 347,88 Euro im Jahr 2019 auf 585,15 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 mit 696,16 Euro einen der höchsten Werte im gesamten Markt. Nur drei Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf. Damit liegt die Gothaer deutlich über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro.
Einordnung: strukturelle Parallelen zum Hochpreissegment
Vor diesem Hintergrund zeigt sich ein ähnliches Muster wie bei der Baloise – allerdings in ausgeprägterer Form. Die Gothaer gehört klar zum oberen Preissegment, ohne dass sich daraus eine stabile Schaden-Kosten-Quote ableiten lässt. Im Gegenteil: Die sehr hohen Schadenaufwendungen übersteigen die Wirkung der Prämienanpassungen deutlich.
Damit wird ein zentraler Befund der Sparte besonders sichtbar. Hohe Beiträge bieten keinen verlässlichen Schutz vor wirtschaftlicher Schieflage, wenn die Schadenseite überproportional belastet ist. Die Gothaer steht damit exemplarisch für ein Geschäftsmodell, bei dem steigende Preise die strukturellen Risiken der Wohngebäudeversicherung nicht kompensieren können.
Sechstschlechteste CR: Barmenia Allgemeine (113,25 Prozent)
Die Barmenia Allgemeine rutscht 2024 deutlich in den defizitären Bereich ab. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 113,25 Prozent weist sie die sechstschlechteste Combined Ratio im Markt auf. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr: 2023 lag die Quote mit 98,29 Prozent noch unter der kritischen Schwelle und damit im auskömmlichen Bereich. Die aktuelle Verschlechterung fällt entsprechend deutlich aus. Im Mehrjahresvergleich ergibt sich mit 114,65 Prozent ein klar belastetes Niveau, das vor allem durch das Extremjahr 2021 mit 169,65 Prozent geprägt ist.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus, bleibt jedoch im absoluten Vergleich begrenzt. Mit einem Verlust von 7,73 Millionen Euro bewegt sich die Barmenia im unteren Bereich der Ergebnisbelastung. Dies ist im Kontext der Unternehmensgröße zu sehen: Mit 57 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,43 Prozent und Rang 39 gehört die Gesellschaft zu den kleineren Anbietern der Sparte.
Prämienentwicklung: unterdurchschnittliches Niveau trotz Anpassungen
Die Durchschnittsprämien je Vertrag steigen von 375,59 Euro im Jahr 2019 über 522,68 Euro im Jahr 2023 auf 559,94 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 184,35 Euro beziehungsweise rund 49,1 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Trotz dieser Anpassungen bleibt die Barmenia preislich klar unter dem Branchenschnitt von 717,65 Euro positioniert. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 37: 36 Anbieter verlangen höhere Prämien, lediglich 13 sind günstiger. Eine Hochpreisstrategie ist damit nicht erkennbar.
Schadenentwicklung: spürbare Verschlechterung der Position
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 227,53 Euro im Jahr 2019 auf 322,08 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 schließlich 420,10 Euro. Damit liegt die Barmenia zwar weiterhin unter dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, die Entwicklung zeigt jedoch eine klare Verschlechterung.
Besonders auffällig ist die relative Verschiebung im Markt: 2023 zählte die Gesellschaft noch zu den Anbietern mit vergleichsweise niedrigen Schadenaufwendungen (zwölftniedrigster Wert), 2024 liegt sie nur noch im Mittelfeld. Der Anstieg der Schadenkosten führt damit zu einer spürbaren relativen Verschlechterung der Position.
Einordnung: niedrige Preise bieten keinen Puffer
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein anderes Muster als bei vielen zuvor betrachteten Anbietern. Die Barmenia gehört nicht zum Hochpreissegment und weist auch keine außergewöhnlich hohen Schadenaufwendungen auf. Dennoch rutscht die Combined Ratio deutlich in den defizitären Bereich. Entscheidend ist hier das Zusammenspiel aus niedriger Prämienbasis und steigenden Schadenkosten. Die unterdurchschnittlichen Beiträge bieten nur begrenzten Spielraum, um Kostensteigerungen aufzufangen. Damit zeigt sich ein weiteres strukturelles Risiko der Sparte: Nicht nur hohe Schadenbelastungen, sondern auch eine zu niedrige Prämienbasis können die wirtschaftliche Stabilität erheblich beeinträchtigen.
Fünftschlechteste CR: Bayerischer Versicherungsverband (114,18 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 114,18 Prozent weist der Bayerische Versicherungsverband 2024 den fünftschlechtesten Wert im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr (110,82 Prozent) ergibt sich damit eine weitere Verschlechterung. Auffällig ist dabei der Blick auf den Mehrjahresvergleich: Mit durchschnittlich 101,68 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 liegt der Versicherer deutlich näher an der Auskömmlichkeit als viele andere Anbieter in dieser Gruppe.
Gerade dieser Unterschied ist bemerkenswert. Anders als bei zahlreichen Wettbewerbern wird das langfristige Bild hier nicht primär durch das Extremjahr 2021 verzerrt – mit 101,39 Prozent fiel die Belastung vergleichsweise moderat aus. Die aktuelle Schwäche ist damit weniger ein Nachhall einzelner Großschadenereignisse als vielmehr Ergebnis einer schrittweisen Verschlechterung in den Folgejahren.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt dennoch klar negativ aus. Mit einem Verlust von 29,00 Millionen Euro bewegt sich der Bayerische Versicherungsverband im mittleren Bereich der Ergebnisbelastung. Angesichts von 536 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,04 Prozent und einer Platzierung unter den sieben größten Anbietern der Sparte zeigt sich, dass auch größere Bestände keine Stabilität garantieren.
Prämienentwicklung: deutliche Anpassungen, aber unterdurchschnittliches Niveau
Die Durchschnittsprämien je Vertrag steigen von 375,61 Euro im Jahr 2019 über 552,99 Euro im Jahr 2023 auf 607,61 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 232,00 Euro beziehungsweise rund 61,8 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Trotz dieser deutlichen Anpassungen bleibt der Versicherer preislich klar unter dem Branchenschnitt von 717,65 Euro positioniert. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 32: 31 Anbieter verlangen höhere Prämien, während 18 günstigere Beiträge aufweisen.
Schadenentwicklung: erhöht, aber nicht im Spitzenbereich
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 298,25 Euro im Jahr 2019 auf 433,88 Euro im Jahr 2023 und erreichen 2024 einen Wert von 515,92 Euro. Damit liegt der Versicherer über dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, bewegt sich jedoch nicht in der Spitzengruppe der höchsten Schadenbelastungen. 32 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 17 höhere. Im Mehrjahresvergleich zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg, ohne die extremen Ausschläge anderer Anbieter. Die Schadenseite ist damit erhöht, aber nicht außergewöhnlich ausgeprägt.
Einordnung: fehlende Preisdurchsetzung bei steigenden Kosten
Der Bayerische Versicherungsverband gehört weder zu den Hochpreisanbietern noch zu den Gesellschaften mit besonders extremen Schadenbelastungen. Dennoch liegt die Combined Ratio deutlich im defizitären Bereich. Entscheidend ist hier das Zusammenspiel aus unterdurchschnittlicher Prämienbasis und gestiegenen Schadenkosten. Die Beiträge wurden zwar deutlich angehoben, reichen aber im Marktvergleich weiterhin nicht aus, um die Belastung auf der Schadenseite vollständig zu kompensieren.
Viertschlechteste CR: Mannheimer (115,78 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 115,78 Prozent weist die Mannheimer 2024 den viertschlechtesten Wert im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich zwar eine Verbesserung – 2023 lag die Quote noch bei 123,62 Prozent –, doch auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau klar defizitär. Für den Zeitraum 2019 bis 2024 ergibt sich ein Durchschnitt von 112,12 Prozent. Auffällig ist dabei, dass der höchste Wert nicht im Ahrtaljahr 2021, sondern erst 2022 mit 121,20 Prozent erreicht wurde – ein Hinweis auf ein abweichendes Schadenmuster.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 19,07 Millionen Euro bewegt sich die Mannheimer im mittleren Bereich der Ergebnisbelastung. Angesichts eines Prämienvolumens von 77 Millionen Euro, eines Marktanteils von 0,58 Prozent und Rang 32 nach Prämien handelt es sich um einen kleineren Anbieter.
Prämienentwicklung: extremes Hochpreissegment
Die Besonderheit des Geschäftsmodells zeigt sich vor allem im Preisniveau. Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 1.010,33 Euro im Jahr 2019 über 1.568,30 Euro im Jahr 2023 auf 1.715,16 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 704,83 Euro beziehungsweise rund 69,8 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Damit ist die Mannheimer der mit Abstand teuerste Anbieter im Markt und liegt weit über dem Branchenschnitt von 717,65 Euro. Dieses Niveau deutet auf die Absicherung besonderer Risiken oder spezifischer Zielgruppen hin, die sich klar vom Standardgeschäft unterscheiden.
Schadenentwicklung: extrem hohe Belastung je Vertrag
Parallel dazu zeigt sich auch auf der Schadenseite ein außergewöhnliches Niveau. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 746,95 Euro im Jahr 2019 auf 1.422,74 Euro im Jahr 2023 und liegen 2024 bei 1.409,85 Euro. Damit weist die Mannheimer die mit Abstand höchsten Schadenaufwendungen im Markt auf und liegt fast dreimal so hoch wie der Branchenschnitt von 485,26 Euro.
Im Unterschied zu vielen anderen Anbietern ist der aktuelle Wert nicht durch einen einmaligen Ausreißer geprägt, sondern bewegt sich bereits seit mehreren Jahren auf sehr hohem Niveau. Die Schadenbelastung ist damit strukturell erhöht und eng mit dem Geschäftsmodell verbunden.
Einordnung: hohe Preise kompensieren extreme Risiken nicht vollständig
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein klarer Befund. Die Mannheimer operiert in einem Segment mit sehr hohen Prämien, die jedoch unmittelbar mit entsprechend hohen Risiken und Schadenaufwendungen einhergehen. Trotz der außergewöhnlich hohen Beitragseinnahmen je Vertrag gelingt es nicht, eine auskömmliche Schaden-Kosten-Quote zu erreichen.
Damit zeigt sich besonders deutlich, dass auch extreme Preisniveaus keinen verlässlichen Schutz vor defizitären Ergebnissen bieten. In risikointensiven Segmenten steigen Prämien und Schadenaufwendungen häufig parallel – mit der Folge, dass der Spielraum zur Stabilisierung begrenzt bleibt.
Drittschlechteste CR: Rhion Versicherung (116,16 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 116,16 Prozent weist die Rhion Versicherung 2024 den drittschlechtesten Wert im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich zwar eine leichte Verbesserung – 2023 lag die Quote noch bei 118,74 Prozent –, doch auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau deutlich belastet. Mit durchschnittlich 123,21 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 gehört die Rhion zu den strukturell schwächeren Anbietern, wobei insbesondere das Extremjahr 2021 mit 167,87 Prozent das langfristige Bild prägt.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 7,96 Millionen Euro bleibt die absolute Belastung vergleichsweise gering, was im Kontext der Unternehmensgröße zu sehen ist: Mit 83 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,62 Prozent und Rang 32 nach Prämien zählt die Rhion zu den kleineren Anbietern der Sparte.
Prämienentwicklung: deutlicher Sprung aus dem Niedrigpreissegment
Auffällig ist die Entwicklung der Durchschnittsprämien. Von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau von 82,49 Euro im Jahr 2019 steigen die Beiträge über 151,18 Euro im Jahr 2023 auf 380,98 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einer Vervielfachung innerhalb weniger Jahre. Trotz dieses kräftigen Anstiegs bleibt die Rhion im Marktvergleich weiterhin im unteren Preissegment positioniert. Im Jahr 2024 ergibt sich Rang 47: Nur drei Anbieter sind günstiger, während die große Mehrheit höhere Prämien verlangt. Das Geschäftsmodell ist damit weiterhin klar auf Breite und Zugänglichkeit ausgerichtet.
Schadenentwicklung: dynamischer Anstieg bei weiterhin niedrigen Werten
Auch auf der Schadenseite zeigt sich eine deutliche Dynamik. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 70,51 Euro im Jahr 2019 über 103,59 Euro im Jahr 2023 auf 243,81 Euro im Jahr 2024. Damit bleibt die Rhion zwar weiterhin deutlich unter dem Branchenschnitt von 485,26 Euro und weist die drittniedrigsten Schadenaufwendungen im Markt auf. Gleichzeitig ist der relative Anstieg erheblich. Die Schadenkosten haben sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht, was auf eine zunehmende Belastung im Zuge des Bestandswachstums hindeutet.
Einordnung: Wachstum auf breiter Basis trifft auf steigende Schadenlast
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Rhion verfolgt ein klar auf Wachstum und breite Marktdurchdringung ausgerichtetes Geschäftsmodell, das sich in niedrigen Einstiegspreisen und einer stark steigenden Vertragsbasis widerspiegelt.
Mit zunehmender Bestandsgröße steigen jedoch auch die absoluten und durchschnittlichen Schadenkosten. Die bisherigen Prämienanpassungen reichen bislang nicht aus, um diese Dynamik vollständig zu kompensieren. Damit zeigt sich ein typisches Risiko wachstumsgetriebener Modelle: Der Ausbau in der Breite führt zunächst zu steigenden Schadenbelastungen, während die wirtschaftliche Stabilisierung zeitlich verzögert eintritt.
Zweitschlechteste CR: Signal Iduna Allgemeine (117,67 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 117,67 Prozent weist die Signal Iduna Allgemeine 2024 den zweitschlechtesten Wert im Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich eine deutliche Verschlechterung: 2023 lag die Quote noch bei 110,00 Prozent. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau klar belastet. Mit durchschnittlich 117,37 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 gehört die Gesellschaft strukturell zu den schwächeren Anbietern der Sparte, wobei das Extremjahr 2021 mit 159,18 Prozent das Bild zusätzlich prägt.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend deutlich negativ aus. Mit einem Verlust von 81,92 Millionen Euro weist die Signal Iduna den drittschlechtesten Ergebniswert im Markt auf. Angesichts von 330 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,49 Prozent und Rang 13 nach Prämien bewegt sich das Unternehmen im oberen Mittelfeld der Branche. Die Verlusthöhe ist damit auch im Kontext der Geschäftsgröße zu sehen.
Prämienentwicklung: ausgeprägtes Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämien je Vertrag zeigen eine besonders starke Aufwärtsbewegung. Von 709,84 Euro im Jahr 2019 steigen die Beiträge über 1.076,34 Euro im Jahr 2023 auf 1.214,84 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 505,00 Euro beziehungsweise rund 71,1 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Damit gehört die Signal Iduna zu den teuersten Anbietern im Markt. Im Ranking ergibt sich Rang 3: Nur zwei Versicherer verlangen höhere Prämien, während 47 günstigere Beiträge aufweisen. Die Gesellschaft ist damit klar im Hochpreissegment positioniert.
Schadenentwicklung: extrem hohe Belastung auf Spitzenniveau
Parallel dazu zeigt sich auch auf der Schadenseite ein außergewöhnlich hohes Niveau. Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 535,08 Euro im Jahr 2019 über 854,11 Euro im Jahr 2023 auf 1.053,02 Euro im Jahr 2024. Damit weist die Signal Iduna die zweithöchsten Schadenaufwendungen im gesamten Markt auf und liegt mehr als doppelt so hoch wie der Branchenschnitt von 485,26 Euro.
Im Mehrjahresvergleich zeigt sich, dass die Belastung bereits im Extremjahr 2021 mit 1.076,96 Euro ihren Höhepunkt erreichte. Der aktuelle Wert liegt leicht darunter, bleibt jedoch weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.
Einordnung: hohe Preise stoßen an Grenzen
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein klarer Befund. Die Signal Iduna gehört zu den hochpreisigen Anbietern im Markt und hat ihre Beiträge in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Dennoch gelingt es nicht, die extrem hohe Schadenbelastung ausreichend zu kompensieren.
Gerade dieser Zusammenhang ist besonders aufschlussreich: Selbst im Hochpreissegment stößt die Preisanpassung an Grenzen, wenn die Schadenaufwendungen in ähnlicher Größenordnung steigen. Der Spielraum für weitere Beitragserhöhungen dürfte damit zunehmend begrenzt sein, während die zentrale Herausforderung weiterhin auf der Schadenseite liegt.
Schlechteste CR: Adler (123,94 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 123,94 Prozent weist die Adler 2024 den schlechtesten Wert im gesamten Markt auf. Gegenüber dem Vorjahr (119,15 Prozent) ergibt sich eine weitere Verschlechterung. Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Niveau klar defizitär: Mit durchschnittlich 120,06 Prozent im Zeitraum 2019 bis 2024 gehört die Gesellschaft dauerhaft zu den schwächsten Anbietern, wobei das Extremjahr 2021 mit 160,35 Prozent das Bild zusätzlich prägt.
Das versicherungstechnische Ergebnis fällt entsprechend negativ aus. Mit einem Verlust von 12,61 Millionen Euro bleibt die absolute Belastung überschaubar, was im Kontext der Unternehmensgröße zu sehen ist: Mit 40 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,30 Prozent und Rang 45 nach Prämien gehört die Adler zu den kleinsten Anbietern der Sparte. Gerade diese geringe Bestandsbasis verstärkt die Volatilität einzelner Schadenjahre.
Prämienentwicklung: moderates Niveau im unteren Segment
Die Durchschnittsprämien je Vertrag steigen von 310,43 Euro im Jahr 2019 über 429,38 Euro im Jahr 2023 auf 497,50 Euro im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg um 187,07 Euro beziehungsweise rund 60,3 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Trotz dieser deutlichen Anpassungen bleibt die Adler preislich klar unter dem Branchenschnitt von 717,65 Euro positioniert. Im Marktvergleich ergibt sich Rang 42: 41 Anbieter verlangen höhere Prämien, lediglich acht sind günstiger.
Besonders aufschlussreich wird diese Einordnung im Konzernkontext: Wie die zuvor betrachtete Signal Iduna Allgemeine gehört auch die Adler zum Signal-Iduna-Konzern, verfolgt jedoch ein deutlich anderes Geschäftsmodell. Während die Signal Iduna Allgemeine im Hochpreissegment agiert, ist die Adler klar im unteren Preissegment positioniert. Eine Hochpreisstrategie ist damit – anders als beim Schwesterunternehmen – nicht erkennbar.
Schadenentwicklung: steigende Belastung trotz niedriger Ausgangswerte
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 288,11 Euro im Jahr 2019 über 337,48 Euro im Jahr 2023 auf 443,13 Euro im Jahr 2024. Damit bleibt die Adler zwar unter dem Branchenschnitt von 485,26 Euro, zeigt jedoch eine klare Verschlechterung im Marktvergleich. Besonders auffällig ist die relative Entwicklung: Die Gesellschaft verliert innerhalb eines Jahres rund zehn Rangplätze bei den Schadenaufwendungen. Die Belastung steigt damit spürbar.
Einordnung: anderes Modell als die Konzernschwester, gleiches Ergebnis
Vor diesem Hintergrund ergibt sich ein bemerkenswerter Vergleich innerhalb des Konzerns. Während die Signal Iduna Allgemeine im Hochpreissegment mit sehr hohen Schadenaufwendungen operiert, verfolgt die Adler ein deutlich breiter angelegtes, preisgünstigeres Geschäftsmodell.
Schlagzeilen
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Trotz dieser grundlegend unterschiedlichen Positionierung führt beides zum gleichen Ergebnis: einer klar defizitären Schaden-Kosten-Quote. Damit zeigt sich ein zentraler Befund der Sparte besonders deutlich. Weder hohe Beiträge noch niedrige Preise bieten für sich genommen einen verlässlichen Schutz vor wirtschaftlicher Instabilität. Entscheidend bleibt die Entwicklung auf der Schadenseite – und diese kann unterschiedliche Geschäftsmodelle gleichermaßen unter Druck setzen.
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Hintergrund
Grundlage der Analyse sind Zahlen aus dem Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie untersucht die 50 größten Wohngebäudeversicherer Deutschlands und deckt damit rund 95 Prozent des Marktes ab. Erfasst werden Kennzahlen aus den Geschäftsjahren 2019 bis 2024, darunter Prämienentwicklung, Vertragszahlen, Schaden-Kosten-Quoten und versicherungstechnische Ergebnisse. Neben diesem Report stehen weitere aktuelle Branchenmonitore kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten zum Download bereit.
- Wohngebäude: Die schlechtesten Schaden-Kosten-Quoten
- Zehntschlechteste CR: R+V Allgemeine (105,80 Prozent)
- Neuntschlechteste CR: Württembergische (108,55 Prozent)
- Achtschlechteste CR: Baloise Sachversicherung (108,83 Prozent)
- Siebtschlechteste CR: Gothaer Allgemeine (109,47 Prozent)
- Sechstschlechteste CR: Barmenia Allgemeine (113,25 Prozent)
- Fünftschlechteste CR: Bayerischer Versicherungsverband (114,18 Prozent)
- Viertschlechteste CR: Mannheimer (115,78 Prozent)
- Drittschlechteste CR: Rhion Versicherung (116,16 Prozent)
- Zweitschlechteste CR: Signal Iduna Allgemeine (117,67 Prozent)
- Schlechteste CR: Adler (123,94 Prozent)

