Die Ausgangssituation

Global sind nahezu alle Unternehmen und Menschen direkt oder indirekt durch die SARS-Cov 2 Pandemie und die hiermit einhergehenden Folgen im privaten, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich betroffen. Die Industrieversicherung somit natürlich auch. Der Begriff hat bekanntlich keine einheitliche Definition und wird insbesondere je Versicherer mehr oder weniger individuell festgelegt. Das grundsätzliche Verständnis hier ist, dass es sich um den Risikotransfer der betrieblichen Risiken für Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen auf Versicherer handelt.

Anzeige

Auswirkungen auf die Industrieversicherer

Wie die allermeisten Wirtschaftsunternehmen, müssen auch Versicherungsgesellschaften auf die Auswirkungen der Sars Cov-2 Pandemie reagieren. Hinsichtlich der organisatorischen Abläufe konnten die Versicherungsgesellschaften nach überwiegenden Rückmeldungen und Analysen ganz hervorragend auf die Herausforderungen reagieren. Der Geschäftsbetrieb konnte überall ohne wirklich Beeinträchtigungen aufrechterhalten werden. Im Gegenteil: Einige Erkenntnisse im Hinblick auf zum Beispiel Treffen, Dienstreisen und auch veränderte Arbeitsformen sollen auch in der Versicherungswirtschaft weiter berücksichtigt werden.
Die finanziellen Auswirkungen für die Versicherungsunternehmen aufgrund der Pandemie oder auch Pandemie-bedingter Schadenzahlungen sind von deutlich größerer Bedeutung. Ob die Auswirkungen die Ausmaße vergangener Mega-Schäden annehmen, kann aktuell noch immer nicht wirklich verlässlich eingeschätzt werden.

Die Industrieversicherung in Zeiten der COVID-19-PandemieDie Industrieversicherung in Zeiten der COVID-19-PandemieAutor Hartmuth Kremer-Jensen ist Geschäftsführer, Chief Broking Officer und Deputy CEO bei Aon in Deutschland.@Hartmuth Kremer Jensen

Nach Einschätzungen der SwissRe innerhalb der dazu veröffentlichten SIGMA Studie aus Juli 2020 wird sich die Versicherungswirtschaft von den Auswirkungen der Pandemie bereits im Jahr 2021 schneller erholen als andere Wirtschaftsbereiche. Daher wird der globalen Versicherungswirtschaft eine gute Widerstandsfähigkeit im Hinblick auf die Corona-Pandemie bescheinigt. Die Schadenhöhe aus Sicht der Haftpflicht- und Unfallversicherung wird auf maximal 100 Mrd. US-Dollar global taxiert, somit eine vergleichbarer Höhe mit den Schäden aus den Stürmen Harvey, Irma und Maria in 2017. Auch die Auswirkungen der großen Finanzkrise 2008/2009 konnten Versicherer letztlich gut überstehen. 
Damit kann man trotz der noch lange nicht exakt bezifferbaren Schäden für die Assekuranz aus der Pandemie konstatieren, dass es sich ganz sicher um eines der größten Schadenszenarien jemals handeln wird. Aber andererseits auch um kein existenzbedrohendes Szenario für die Assekuranz und die Industrieversicherung.

Die Kundenseite

Die versicherungsnehmenden Unternehmen sind in ihrer originären Tätigkeit in vielen Bereichen deutlicher und auch langfristiger von den Pandemie-Auswirkungen betroffen. Die weltweit schwerste Rezession seit der großen Depression in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts trifft verschiedene Branchen und Länder unterschiedlich hart. Nur wenige Branchen, wie zum Beispiel der Online-Handel und in Teilen die Bauwirtschaft, können auch von den Auswirkungen profitieren. In einigen Branchen wie Luftfahrt und Tourismus hat die Krise hingegen existenzgefährdende Auswirkungen. Die bei nahezu allen Unternehmen hieraus zwingend resultierenden Kostennotwendigkeiten betreffen auch die Kosten für den Versicherungsschutz. Die meisten Unternehmen müssen auch die Kosten für Versicherungen optimieren.

Die Versicherer zeigen Bereitschaft, Kunden auch in bereits vereinbarten Versicherungsverträgen durch zum Beispiel außerordentlich vereinbarte Prämienanpassungen oder auch geänderte Zahlungspläne entgegenzukommen. Der grundsätzlich „harte Markt“ in nahezu allen Sparten wird dadurch aber nicht wirklich geändert.

Anzeige


Seite 1/2/3/