Jedes Jahr vor dem Stichtag der „Wechselsaison“ das gleiche Spiel: Da bis zum 30. November die meisten Verträge für die Kfz-Versicherung gekündigt werden können, treten Versicherer in einen harten Wettbewerb und unterbieten sich mit ihren Tarifen. Dass ein solcher Preiskampf aber durchaus auch erwirtschaftet sein und im Laufe des Jahres wieder ausgeglichen werden muss, zeigt nun auch eine aktuelle Studie des Vergleichsportals Check24: Um rund 17 Prozent ist der durchschnittliche Kfz-Haftpflichtbeitrag seit dem Tiefpunkt im November 2018 für Versicherungswechsler gestiegen, lässt der Online-Anbieter in einer Pressemitteilung verlautbaren – von 276 Euro im November 2018 auf 322 Euro im Januar. Für den Zeitraum November bis Januar wäre das der stärkste Anstieg seit Jahren.

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Ein auffallender Anstieg der durchschnittlichen Kfz-Haftpflichtbeiträge ist aber keineswegs ein neuer Effekt, sondern lässt sich laut der Studie seit Jahren beobachten. Während regelmäßig zur Wechselsaison die Preise in den Keller gehen, klettern sie bis zum Sommer auf ein Jahres- Rekordhoch … und gehen dann bis zum November wieder nach unten. Dieses Mal aber wäre der Preisanstieg „außergewöhnlich stark“, wie Tobias Stuber, Geschäftsführer Kfz-Versicherung bei Check24, ausführt. Verkleinert hingegen über die Jahre hätten sich die Preisschwankungen. Denn während der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Monat 2009 bei sage und schreibe 37 Prozent lag, betrug er 2018 nur noch 17 Prozent. Die Tarifunterschiede zwischen der "Wechselsaison" und dem Sommer des darauf folgenden Jahres streben also nicht mehr derart unverhältnismäßig auseinander wie noch vor Jahren, was durchaus auch für eine ausgeglichenere Kalkulation über das gesamte Jahr sprechen kann.

Verlauf des durchschnittlichen Kfz-Haftpflichtbeitrags für VersicherungswechslerVerlauf des durchschnittlichen Kfz-Haftpflichtbeitrags für VersicherungswechslerDie Kurve veranschaulicht Schwankungen des Kfz-Haftpflichtbeitrags seit April 2009. Auffallend: Obwohl die Schwankungen zwischen der günstigen "Wechselsaison" des Herbstes und der teuren Saison im darauffolgenden Sommer stets groß sind, nehmen die Preisspannen zwischen günstigstem und teuren Preis über die Jahre ab. Während der Unterschied im Jahr 2009 bei 37 Prozent lag, betrug er 2018 nur noch 17 Prozent. Gestiegen ist jedoch der durchschnittliche Beitrag zur Wechselsaison seit 2009 und damit der untere Teil der Beitragskurve – um 45 Prozent.@Check24

Check24: Wechsel lohnt ... für das Portal?

Im harten Preiswettbewerb am Markt, der sich deutlich in der Wechselsaison zeigt, spielt Check24 mittlerweile aber auch eine entscheidende Rolle. Der Grund: Check24 verdient in der Wechselsaison fleißig mit. Unbestritten ist hierbei der Nutzen für den Kunden – erst im zurückliegenden Herbst errechnete die Technischen Hochschule Rosenheim beim Marktführer unter den Vergleichsportalen das höchste Einsparpotential (der Versicherungsbote berichtete). Doch jedes Mal, wenn ein Kunde über den Dienst einen neuen Kfz-Tarif sucht, kassieren Vergleichsportale wie Check24 auch eine neue Abschluss-Provision. Umso aggressiver bewirbt das Portal folglich die Wechselsaison.

Für Kritiker führen Vergleichsportale dabei nicht allein zu einem Unterbieter-Wettkampf bei den Tarifen und damit zu günstigeren Angeboten. Im Gegenteil: Vielmehr würden jene hohen Provisionen, die bei jedem Wechsel fließen, die Produkte sogar verteuern. So kritisierte zum Beispiel Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-Coburg, in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: Das Geschäftsmodell der Vergleichsportale ziele „darauf ab, dass die Kunden jedes Jahr ihre Versicherung wechseln, weil dann die Provisionen fließen“. Auch werde, angetrieben durch immer neue Provisionen, „eine Preisspirale befeuert, die den Versicherungsschutz am Ende für alle Kunden teurer macht“. Aus diesem Grund verweigert die HUK-Coburg auch noch immer die Zusammenarbeit mit den Vergleichsportalen. Denn man wolle nicht „den Wechselautomaten mit immer neuen Provisionen füttern“.

Die Allianz, als größter HUK-Konkurrent der Kfz-Branche, pflegte lange die gleiche Sichtweise, um dann konsequent ... mit dem alten Vorsatz zu brechen und zum Vergleichsportal Verivox "in den Wagen" zu steigen (der Versicherungsbote berichtete). Der Strategiewechsel könnte Teil der Wachstumsstrategie von Konzernchef Oliver Bäte sein. Sind doch einfachere und von Bäte häufig beschworene Produkte nach Vorbild der Auslandstochter in Spanien (mit nur zwei wählbaren Kfz-Tarifen) ideal für den Online-Vertrieb und damit auch für den Vertrieb über Vergleichsportale.

Trotz Preisspirale: Die Preise am KFZ-Markt steigen seit Jahren

Zahlen von Check24 könnten den Verdacht sogar bestätigen, Vergleichsportale befeuerten die Preisspirale. Denn trotz der harten Preiskämpfe in der Branche entwickeln sich die Durchschnittspreise keineswegs nach unten, vielmehr steigen sie kontinuierlich an. So lagen die Durchschnittspreise für eine Kfz-Haftpflichtversicherung im Jahre 2009 bei 191 Euro im Jahr. Im November 2018 hingegen mussten im Jahr durchschnittlich 276 Euro pro Jahr für eine Haftpflichtversicherung aufgebracht werden. Das sind satte 45 Prozent mehr, wie in der aktuellen Pressemitteilung des Online-Anbieters zu lesen ist.

Jedoch wäre es kaum redlich, nur den Vergleichsportalen diesen Preisanstieg anzulasten. Ein wesentlicher Grund für höhere Haftpflichtbeiträge: die Digitalisierung. Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen machen das Autofahren zwar sicherer und verhindern Unfälle, wie eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigte. Zugleich aber führt die neue Technik im Schadenfall zu höheren Reparaturkosten. Gerade auf KFZ-Haftpflichtschäden ist die Auswirkung dieses Effekts größer als auf Kaskoschäden, wie die Studie zugleich feststellt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten: Trotz geringer Schadenhäufigkeiten haben KFZ-Versicherer mit immer höheren Schadenaufwendungen zu kämpfen. Das verdeutlicht auch der „Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2015-2017“, eine Analyse von Jahresabschlusskennzahlen der jeweils 50 größten Versicherungsunternehmen durch die V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit der YouGov Deutschland GmbH (der Versicherungsbote berichtetete).

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Der Branchenmonitor verdeutlicht für die Branche aber auch: Der harte Wettbewerb zwingt die Versicherer bei der Kalkulation zu harten Zugeständnissen. So lag in 2017 die Schaden-Kosten-Quote für das direkte Geschäft des Zweigs „Kraftwerk gesamt“ – über alle 50 untersuchten Versicherer und damit 88 Prozent der Branche hinweg – bei 100,45 Prozent und überschritt so die kritische Marke von 100 Prozent. Für den Durchschnitt der fünfzig Versicherer, die im Branchenmonitor erscheinen, reichten die Prämien demnach nicht mehr aus, um Schaden- und Betriebskosten zu decken. Die Branche kämpft nicht nur mit günstigen Tarifen am Markt, sondern sie kämpft auch mit roten Zahlen!