Studie mit umfangreicher Datenbasis

Was sind die teuersten und günstigsten Versicherer für Kfz-Versicherungen? Welche Einsparungen sind durch einen Versicherungswechsel möglich? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, über ein Vergleichsportal den günstigsten Tarif zu finden? Diese Fragen untersuchte eine Studie der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim. Die Datenbasis ist beeindruckend:

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Zu 1.000 repräsentativen Personenprofilen (500 Testprofile für Neuabschließer einer Versicherung und 500 Testprofile für einen Versicherungswechsel) wurden 367.419 Versicherungstarife erhoben und verglichen durch Zuhilfenahme eines Webcrawlers – eines Computerprogramms, das automatisch im Internet bestimmte Informationen sucht. Die Personenprofile wurden zudem in drei repräsentative Gruppen eingeteilt: Fahrer unter 25 Jahren, Familie mit Kindern sowie Rentner. Die Tariferhebungen fanden für 77 Versicherer und für die Vergleichsportale CHECK24 und Verivox statt.

Was wurde berechnet?

Zum einen berechneten die Forschenden für jeden Vertriebsweg den durchschnittlichen jährlichen Versicherungsbeitrag des günstigsten Tarifs. Zum anderen berechneten sie den Marktpreis, den Beitragsdurchschnitt über alle erhobenen Tarife. Den durchschnittlichen Wert für den günstigsten Tarif und den durchschnittlichen Marktpreis setzte man dann ins Verhältnis, um das Sparpotenzial eines jeden Vertriebswegs zu berechnen.

Zudem wurde die Wahrscheinlichkeit in Prozent berechnet, über einen Vertriebsweg den günstigsten Tarif zu finden. Hierzu setzte man die Anzahl, wie oft der günstigste Tarif über einen Vertriebsweg gefunden wurde, ins Verhältnis zur Anzahl aller günstigsten Tarife.

Größtes Sparpotential laut Studie bei Check24, Verivox und HUK24

Die günstigsten Tarife und damit das größte Sparpotential ermöglichen laut Studie die Vergleichsportale Check24 und Verivox. So würden Verbraucher bei Neuabschluss einer Kfz-Versicherung im Mittel bis zu 243 € Jahresbeitrag sparen gegenüber dem Marktpreis, wenn sie Vergleichsportale nutzen (ermöglicht durch Check24). Und nutzen Verbraucher Vergleichsportale für den Wechsel einer Versicherung, sparen sie im Mittel immerhin noch bis zu 155 Euro (auch dieser Top-Wert wird wieder ermöglicht durch Check24).

Überhaupt geht Check24 als großer Sieger der Studie hervor: In rund 80 Prozent der Fälle hätte der Vermittler die günstigste Kfz-Versicherung bieten können; bei Verivox waren es nur 53 Prozent. Weit abgeschlagen in dieser Rangliste auf Rang drei: Die HUK24, die in 11 Prozent der Fälle einen günstigsten Tarif ermöglichte (und damit den ersten Rang der Versicherer einnimmt).

Grafik Sparpotenzial Vergleichsportale IGrafik Sparpotenzial Vergleichsportale IWahrscheinlichkeit, über einen Versicherungsanbieter den günstigsten Kfz-Tarif zu findenStudie Kfz-Tarifvergleich der Hochschule Rosenheim

Beim durchschnittlichen jährlichen Versicherungsbeitrag der günstigsten Tarife wiederholt sich die Rangliste: Auf Rang eins liegt Check24 (mit einem durchschnittlichen Beitrag von 405,33 Euro), auf Rang zwei liegt Verivox (mit einem durchschnittlichen Beitrag von 414,51 Euro). Rang drei (und damit erneut Rang eins der Versicherer) stellt die HUK24 (mit einem durchschnittlichen Beitrag von 443,78).

Grafik Sparpotenzial Vergleichsportale IIGrafik Sparpotenzial Vergleichsportale IIDurchschnittlicher jährlicher Versicherungsbeitrag der günstigsten TarifeStudie Kfz-Tarifvergleich der Hochschule Rosenheim

Kritik an aggressiven Geschäftspraktiken der Vergleichsportale

Die Geschäftspraktiken der Vergleichsportale stehen jedoch auch in der Kritik. So berichtete die FAZ „aus Branchenkreisen“, die Online-Anbieter würden 100 Euro und mehr für den Vertragsabschluss einer Kfz-Versicherung bekommen. In jeder Wechselsaison würden die Portale folglich auch aggressiv dafür werben, den Anbieter zu wechseln. Das Problem: jedes Mal, wenn sich der Kunde einen neuen Kfz-Tarif sucht, kassieren die Vergleichsportale auch eine neue Provision. Aus diesem Grund verteuern sich die Prämien grundsätzlich (der Versicherungsbote berichtete). Häufige Wechsel wären also eher im Interesse der Vergleichsportale als nachhaltige Angebote und dauerhafte Kundenbindung.


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Der Marktführer HUK Coburg verzichtet deshalb darauf, seine Kfz-Tarife bei Vergleichsportalen zu listen. „Das Geschäftsmodell der Vergleichsportale zielt darauf ab, dass die Kunden jedes Jahr ihre Versicherung wechseln, weil dann die Provisionen fließen. So wird, angetrieben durch immer neue Provisionen, eine Preisspirale befeuert, die den Versicherungsschutz am Ende für alle Kunden teurer macht“, sagte Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-Coburg, bereits Anfang des Jahres in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er wolle nicht „den Wechselautomaten mit immer neuen Provisionen füttern“.