Die seit 2007 gültige Finanzmarktrichtlinie MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) wurde 2011 zur Vermeidung einer wiederholten Finanzkrise überarbeitet. Wertpapiermärkte, Anlagevermittler und Handelsplätze müssen ab den Jahresbeginn 2018 MiFID II anwenden. Die neue Version der Richtlinie soll den Anlegerschutz stärken, die Transparenz der Märkte verbessern und nationale Gestaltungsspielräume begrenzen. Die Richtlinie wird zu mehr Transparenz durch mehr Daten und zu branchenweiten Anpassungen von Geschäftsmodellen führen. So will sie den Wettbewerb stärken und die Integration des europäischen Finanzmarktes durch Harmonisierung des Regelwerks vorantreiben.

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Yasmin Zarabi ist Vizepräsidentin für Recht und Compliance bei Hearsay Social. Sie bringt über 16 Jahre Erfahrung im Bereich Unternehmensrecht mit sich und hat einen J.D. von der Golden Gate Univerisity und einen BA von der University of California. MiFID II legt mit der Einführung strengerer Maßnahmen bezüglich Kundenkommunikation, Offenlegung und Transparenzanforderungen den Fokus auf einen verbesserten Investorenschutz. Das Resultat wird eine stärkere Konzentration auf die Abstimmung von Produkt- und Kundenprofil sein. Es gibt vier Grundsätze der Compliance, die zu der digitalen Kommunikation eines Unternehmens mit Kunden gehören, die man unter den Schlagworten Buchführung, Überwachung, Inhalt und Richtlinien und Schulungen zusammenfassen kann.

Buchführung

Unternehmen sind in Übereinstimmung mit Artikel 16 und 69 verpflichtet, über jegliche Kommunikation, die über ein elektronisches Endgerät läuft, Buch zu führen. Dazu gehören auch persönliche Nachrichten, E-Mails und Textnachrichten. Somit soll sichergestellt werden, dass die Offenlegung möglicher Interessenskonflikte entsprechend erfasst wird. Die Protokolle sollten leicht zugänglich sein und dem Kunden für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren und den Aufsichtsbehörden für einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren zur Verfügung stehen. Es ist zudem wichtig, Kommunikation einheitlich zu erfassen, um zu vermeiden, dass im Rahmen der Überprüfung Kommunikation von verschiedenen Endgeräten einzeln zusammengefügt werden müssen.

Überwachung

Neben der Buchführung ist das Thema Überwachung ein zentraler Aspekt. Nach Artikel 16 bedarf es eines soliden Überwachungssystems, durch welches sichergestellt wird, dass die digitale Kommunikation des Unternehmens mit Kunden immer angemessen und im besten Interesse des Kunden ist. Als erstes sollten Unternehmen die Erfassung ihrer aktuellen Daten bewerten und Ressourcen überwachen, um jeden Vorgang und jede technologische Lücke zu identifizieren. Sie sollten Technologien berücksichtigen, die verschiedene Arten der Überwachung zulassen, da alles abhängig von der Art des Inhalts und des digitalen Kanals ist, weil alles vor der Übermittlung genehmigt werden muss.

Inhalt

Artikel 13 und 24 sind wichtig für den dritten Grundsatz der Compliance zum Thema Inhalt. Sie erfordern, dass die digitalen Marketinginhalte eines Unternehmens fair, eindeutig und nicht irreführend sind. Es wird dringend empfohlen, über eine entsprechende Technologie zu verfügen, um sicherzustellen, dass Unternehmen durch ihre Mitarbeiter ausschließlich überprüfte und genehmigte Inhalte verbreiten. Außerdem sieht Artikel 25 vor, dass Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Kunden genau kennen, um angemessene Produkt- oder Dienstleistungsempfehlungen geben zu können – das kann mit geeigneter Compliance-Technologie bewältigt werden.

Schulungen und die Richtlinie

Schließlich empfehlen die Artikel 16 und 45 Schulungen und eine Richtlinie. Unternehmen müssen angemessene Personalschulungen anbieten, so dass Mitarbeiter die Regeln verstehen können. Darüber hinaus müssen Unternehmen ein Protokoll über die Kontrollen und Entwicklungen führen, die im Rahmen der Richtlinie durchgeführt werden. Das für die Richtlinien und Schulungen zuständige Team sollte Mitglieder aus den Bereichen Recht, Technik und Wirtschaft heranziehen, um die Mitarbeiter über die Unterschiede zwischen MiFID und MiFID II zu unterrichten.

Unternehmen haben zwar bis 2018 Zeit, um sich den Regeln entsprechend anzupassen. Es wird jedoch eine zügige und systematische Annäherung an MiFID II empfohlen. MiFID II stellt eine von mehreren neuen Richtlinien dar, die sich den bestehenden Lücken widmet, die bezüglich der Geschäftstätigkeit innerhalb der Europäischen Kapitalmärkte während der Finanzkrise im Jahr 2008 enthüllt wurden. Unternehmen, die fähig sind, solide MiFID II-konforme Plattformen für digitale Kommunikation mit Kunden zu planen und umzusetzen, werden gut gerüstet sein, um neue wichtige Einblicke in das Front-Office zu liefern, während sie den Interessenvertretern des Unternehmens fortlaufenden Wert bieten.

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