Crash einer Drehspindel

Stephan SchmitzStephan SchmitzProduktmanager Technische Versicherungen, Gothaer Konzern

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Ratlos steht der Mitarbeiter der Firma Spix vor der Metalldrehmaschine: Spindel und Werkstück sind kollidiert – genannt wird dies ein „Crash“.

Ursächlich für diesen Crash ist bedauerlicherweise eine fehlerhafte Befestigung des Werkstückes: ein klassischer Bedienfehler, statistisch gesehen die Hauptursache für Schäden am Maschinenpark der Produzenten.

Im konkreten Fall führt dies zu einer erheblichen Beschädigung der Spindel. Firma Spix muss diese in Gänze austauschen, Sachschaden: 25.000 €. In dem Zusammenhang entstehende Mehrkosten oder schadenbedingten Ertragsausfall hat die Firma Spix nicht in den Versicherungsschutz inkludiert.

Was umfasst die Sparte?

Bei der Maschinenversicherung wird zunächst nach stationären (ortsfesten) und fahrbaren Maschinen unterschieden. Der unterschiedliche Einsatzort verlangt nach unterschiedlichen Deckungsinhalten. Die stationären Maschinen werden über die „Allgemeine Maschinenversicherungs-Bedingungen“ (kurz AMB), fahrbare Maschinen über die „Allgemeine Bedingungen für die Maschinen- und Kaskoversicherung von fahrbaren und transportablen Geräten“ (kurz ABMG) in Deckung genommen. Die ABMG werden Inhalt des nächsten „Sparte in 3 Minuten“-Beitrages sein.

In vielen Fällen stellt sich eingangs noch die Frage, ob eine Maschinen- oder Elektronikversicherung zuständig ist (in der Praxis gern: Kaffeemaschine, eBike, Maschinensteuerung).

In unserem konkreten Fall handelt es sich um eine Maschine im Versicherungssinne, da hier über ein Antriebssystem mechanische Arbeit verrichtet wird. Im Gegensatz dazu liegt der Primärzweck bei einem elektronischen Gerät nach Versichererlogik in der Verarbeitung von Signalen.

Andreas KnittelAndreas KnittelProduktmanager Technische Versicherungen bei HDI Versicherung AG

Abweichend zu den fahrbaren Maschinen befinden sich stationäre Maschinen in aller Regel in Gebäuden. Dort werden sie betrieben, sind vor den Elementen geschützt und Gegenstand der Inhaltsversicherung. Daher werden bestimmte Gefahren im Deckungsumfang der Maschinenversicherung nicht benötigt. Um keine Doppelversicherung entstehen zu lassen, werden diese Gefahren somit generell ausgeschlossen (insbesondere die Gefahr Feuer). Doch jenseits der „benannten Gefahren“ der Inhaltsversicherung bleibt eine Vielzahl von - ohne die Maschinenversicherung unversicherten - Bedrohungen:

Innere Betriebsschäden, Bedienungs- oder Konstruktionsfehler, Versagen von Mess- und Regeltechnik sind hierbei die in der Praxis häufigsten Schadenursachen.

Wichtigste Voraussetzung für den Allgefahrenansatz ist das Kriterium der Unvorhersehbarkeit des jeweiligen Schadens.

Jedoch: Keine Regel ohne Ausnahme. Da die TV-Versicherer notorisch flexibel sind, können die ausgeschlossenen Gefahren wieder eingeschlossen werden. Notwendig könnte dies werden, sollte keine Deckung über die Sachversicherung bestehen oder sich die Maschine außerhalb des Gebäudes befinden.

Der im Versicherungsschein benannte Versicherungsort ist für die Maschinenversicherung nach AMB von großer Bedeutung: der Versicherungsschutz ist auf den konkret zu benennenden und räumlich eng gefassten Versicherungsort (Betriebsgrundstück oder Aufstellort) beschränkt.

Aber auch eine Besonderheit im Schadenfall sollte man kennen:
Im Totalschadenfall ersetzt der Versicherer den Zeitwert der Maschine, im Teilschadenfall die anfallenden Wiederherstellungskosten.

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Aus diesem Grund ist der Versicherungsnehmer regelmäßig sehr daran interessiert, dass es sich bei der Bewertung seines eingetretenen Schadens nicht um einen Totalschaden handelt. Gerade in der derzeitigen Marktphase weiß er, dass er mit einem Zeitwertbetrag auf dem Markt vermutlich keine Ersatzmaschine wird erwerben können. Die Wiederherstellung der Maschine in den Zustand vor dem Schadenereignis ist für ihn betriebswirtschaftlich sehr viel attraktiver.

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