Lebensversicherung: Die niedrigsten Solvenzquoten 2025
Die Solvenzquoten deutscher Lebensversicherer haben sich 2025 deutlich verbessert. Dennoch bleibt die Spannweite zwischen den einzelnen Unternehmen erheblich. Welche Anbieter die niedrigsten Basisquoten ausweisen — und warum niedrige Werte häufig mehr über Geschäftsmodelle als über wirtschaftliche Schwäche aussagen — zeigt Versicherungsbote in einer neuen Bildstrecke.

Hintergrund: Damit Versicherer ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden dauerhaft erfüllen können, schreibt Solvency II vor, auch für extreme wirtschaftliche Belastungsszenarien ausreichend Eigenmittel vorzuhalten. Gemeint ist dabei kein normaler Konjunkturabschwung, sondern ein theoretisches Ausnahmeereignis, das statistisch nur alle 200 Jahre eintritt. Erreicht ein Versicherer eine SCR-Quote von mindestens 100 Prozent, verfügt er regulatorisch über ausreichend Eigenmittel, um ein solches Stressszenario zu überstehen.
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Dokumentiert werden diese Kennzahlen in den SFCR-Berichten („Solvency and Financial Condition Report“), die von den Versicherern jährlich veröffentlicht werden müssen. Und wie jedes Jahr haben die Experten von Franke und Bornberg die umfangreichen Daten der Branche im traditionsreichen MAP-Report ausgewertet. Grundlage der folgenden Analyse ist der MAP-Report Nr. 944, der die SFCR-Berichte der Lebensversicherer (sowie privater Krankenversicherer) für das Geschäftsjahr 2025 untersucht und die Solvenzquoten der Branche umfassend analysiert. Dazu zählen sowohl die aufsichtsrechtlich relevanten SCR-Quoten inklusive Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassungen als auch die Basis-SCR-Quoten ohne diese Hilfen. Gerade die Basisquote gilt inzwischen als der deutlich aussagekräftigere Blick auf die tatsächliche Kapitalausstattung der Unternehmen.
Die Zahlen zeigen 2025 eine spürbare Entlastung der Lebensversicherer. Die Basis-SCR-Quote des Marktes steigt von 308,6 auf 379,5 Prozent. Die aufsichtsrechtlich relevante SCR-Quote der Branche (mit Übergangshilfen) erhöht sich zugleich von 340,3 auf 409,3 Prozent. Erstmals seit Einführung von Solvency II weist zudem kein Lebensversicherer mehr eine Basisquote unterhalb der Marke von 100 Prozent aus.
Geschäftsmodelle prägen die Solvenzquoten
Niedrige Solvenzquoten bedeuten allerdings nicht automatisch, dass ein Versicherer wirtschaftlich schwach oder instabil wäre. Genau wie sehr hohe Quoten häufig Ausdruck bestimmter Geschäftsmodelle und Risikostrukturen sind, gilt umgekehrt auch: Niedrige Basisquoten entstehen oft dort, wo Unternehmen besonders kapitalintensive Bestände verwalten.
Denn die Kapitalanforderungen entstehen nicht abstrakt, sondern im jeweiligen Geschäftsmodell. Besonders kapitalintensiv sind klassische Lebens- und Rentenversicherungen mit langfristigen Garantiezinsen. Solche Altbestände binden Eigenmittel oft über Jahrzehnte hinweg und verursachen hohe Rückstellungen. Gerade große traditionelle Lebensversicherer mit umfangreichen Altbeständen können deshalb deutlich niedrigere Solvenzquoten ausweisen als moderne fonds- oder biometrisch geprägte Anbieter — obwohl sie wirtschaftlich stabil aufgestellt sind.
Anders stellt sich die Situation bei fondsgebundenen Produkten dar. Zwar entlasten sie die Bilanz typischerweise, weil ein größerer Teil des Kapitalmarktrisikos von den Kunden getragen wird. Doch auch fondsgebundene Produkte können kapitalintensiv werden, etwa wenn sie Garantieelemente, Rentenfaktorzusagen oder hybride Sicherungsmechanismen enthalten. Ebenso gilt das Kollektivgeschäft, beispielsweise in der betrieblichen Altersversorgung, wegen seiner langen Laufzeiten und oft knappen Kalkulationen traditionell als eigenmittelintensiv.
Noch einmal anders wirken biometrische Geschäftsmodelle wie die Risikolebensversicherung. Diese Produkte verzichten typischerweise auf langfristige Spar- und Garantieprozesse und verursachen deshalb deutlich geringere Kapitalanforderungen. Anbieter mit hohen Risiko-LV-Anteilen erreichen daher häufig wesentlich höhere Solvenzquoten als klassische Garantieversicherer.
Hinzu kommt die jeweilige Rolle eines Unternehmens innerhalb eines Konzerns. Gesellschaften im internen Run-off verwalten oft alte, besonders kapitalintensive Bestände ohne entlastendes Neugeschäft. Andere Anbieter werden dagegen innerhalb eines Konzerns bewusst schlank kapitalisiert und erfüllen die regulatorischen Anforderungen effizient, aber ohne große zusätzliche Puffer. Auch Rückversicherungslösungen oder spezialisierte Geschäftsmodelle beeinflussen die Höhe der Solvenzquote teilweise erheblich.
Die Aussagekraft der Solvenzquote bleibt deshalb stets im Kontext des jeweiligen Geschäftsmodells zu betrachten — und eignet sich nicht für pauschale Qualitätsrankings. Gerade niedrige Basisquoten können Ausdruck hoher Garantieverpflichtungen, langlaufender Vorsorgebestände oder einer spezifischen Konzernfunktion sein — und nicht zwangsläufig ein Hinweis auf akute wirtschaftliche Probleme.
Versicherungsbote stellt in seiner Bildstrecke die niedrigsten Quoten der Unternehmen mit Neugeschäft vor
Versicherungsbote stellt in der folgenden Bildstrecke die zehn niedrigsten Basis-SCR-Quoten deutscher Lebensversicherer mit aktivem Neugeschäft vor und ordnet die Ergebnisse anhand weiterer Kennzahlen aus dem MAP-Report Nr. 944 („Solvabilität im Vergleich“) ein. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Beitragsentwicklung, Produktstruktur sowie die Verteilung zwischen klassischem Geschäft mit Überschussbeteiligung, fondsgebundenen Produkten und sonstigen Lebensversicherungen.
Zur besseren Einordnung der Geschäftsmodelle werden ergänzend auch Daten aus dem Branchenmonitor Leben 2025 (hier aber mit Stand 2024) herangezogen. Diese zeigen unter anderem, welchen Anteil Risikolebensversicherungen, Renten- und BU-Versicherungen, Kapitalversicherungen oder Kollektivgeschäft am Vertragsbestand der jeweiligen Anbieter haben. Gerade bei niedrigen Solvenzquoten ist dies relevant, weil hohe Garantieanteile, langlaufende Vorsorgeprodukte oder kollektiv geprägte Bestände typischerweise deutlich höhere Kapitalanforderungen verursachen als biometrische oder fondsorientierte Geschäftsmodelle.
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Der vollständige MAP-Report Nr. 944 „Solvabilität im Vergleich“, der sowohl Kennzahlen der Lebensversicherer als auch der privaten Krankenversicherer analysiert, kann über die Internetseite von Franke und Bornberg bezogen werden.