Höhere Kosten, mehr Klagen: Ein Geschäftszweig in der Krise

In den zurückliegenden Jahren war das Geschäft für die Rechtsschutzversicherer nicht leicht. So trat zum 01.08.2013 das zweite Kostenrechtsmodernisierungsgesetz (KostRMoG) in Kraft und verteuerte Rechtsanwalts- und Gerichtskosten spürbar – Versicherer warnten vor einer Kostenexplosion (Versicherungsbote berichtete).

Anzeige

Und der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte löste ab Herbst 2015 eine Klagewelle aus. Der Dieselgate-Skandal kostete Rechtsschutzversicherer bisher 667 Millionen Euro – bei einem Streitwert aller verhandelten Fälle von 5,9 Milliarden Euro (Versicherungsbote berichtete). Derart missliche Bedingungen wirken sich natürlich auch ungünstig auf die Bilanzen der Rechtsschutzversicherer aus.

So schrieb die Branche von 2014 bis 2016 rote Zahlen – die branchenweite Schaden-Kosten-Quote bzw. Combined Ratio (CR) je Versicherer lag im Schnitt über hundert Prozent. In 2014 musste die Branche eine CR in Höhe von durchschnittlich 103,21 Prozent hinnehmen. In 2015 lag die CR bei 101,30 Prozent, in 2016 bei 101,34 Prozent.

Korrekturen versprachen – kurz – Licht am Ende des Tunnels

Viele Versicherer reagierten mit Beitragsanpassungen. In der Folge sank auch die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote des Marktes wieder – sie verbesserte sich in 2017 auf 95,75 Prozent. Erstmals konnte die Branche also wieder aufatmen.

Der Effekt aber hielt nur kurz: In 2018 näherte sich dieser Wert – damals 99,17 Prozent – wieder der kritischen 100-Prozent-Marke. Das lag auch an kontinuierlich weiter steigenden Schadenaufwendungen: Sie stiegen von durchschnittlich 98,85 Mio. Euro je Versicherer in 2014 auf durchschnittlich 117,37 Mio. Euro in 2018.

Hinzu kamen auffallend steigende Betriebsaufwendungen – sie kletterten von durchschnittlich 54,44 Mio. Euro je Versicherer in 2017 auf durchschnittlich 58,02 Mio. Euro in 2018. So mussten zehn der 25 im Branchenmonitor gerankten Versicherer auch rote Zahlen schreiben (Versicherungsbote berichtete hier und hier). Das Geschäft mit der Rechtsschutzversicherung machte es den Gesellschaften nicht leicht.

2019 meinte es gut mit der Branche

Und in 2019? Laut aktuellem Branchenmonitor der V.E.R.S Leipzig GmbH entspannte sich die Lage in der Rechtsschutzversicherung wieder etwas. So verbesserte sich die durchschnittliche Combined Ratio des Marktes um rund zwei Prozentpunkte – sie liegt aktuell bei 96,92 Prozent.

Zwar stiegen die Schadenaufwendungen erneut – allerdings weniger stark als in den Jahren zuvor. Sie lagen in 2019 bei durchschnittlich 119,28 Mio. Euro je Versicherer. Das Plus bei den Vertragszahlen und den Prämieneinnahmen jedoch glich diese negative Tendenz teilweise wieder aus.

Ergebnisquote veranschaulicht den Erfolg

Denn während im Geschäftsjahr 2019 die Schadenaufwendungen um 1,62 Prozent stiegen, stiegen die Einnahmen aus gebuchten Bruttoprämien um 3,13 Prozent – von durchschnittlich 179,88 Mio. Euro je Versicherer auf 185,52 Mio. Euro je Versicherer. Da stört es auch nicht, dass ebenfalls die Betriebsaufwendungen in 2019 noch einmal zunahmen: auf durchschnittlich 59,78 Mio. Euro je Versicherer.

Verbesserte sich in 2019 doch auffallend das versicherungstechnische Ergebnis vor Schwankungsrückstellung – von durchschnittlich 3,59 Mio. Euro in 2018 auf 6,30 Mio. Euro in 2019. Der Erfolg dieses Zuwachses veranschaulicht sich deutlich in der versicherungstechnischen Ergebnisquote vor Schwankungsrückstellung – diese wuchs von 0,84 Prozent in 2018 auf 3,12 Prozent in 2019.

Fünf Versicherer retten sich aus der Verlustzone

In der Folge konnten sich fünf der zehn Versicherer, die in 2018 noch rote Zahlen schrieben, aus der Verlustzone retten:

  • Die R+V Allgemeine verbesserte ihre CR von 103,33 Prozent auf 97,34 Prozent.
  • Die Itzehoer Brandgilde verbesserte ihre CR von 101,21 Prozent auf 98,10 Prozent.
  • Die LVM verbesserte ihre Quote von 104,28 Prozent auf 99,05 Prozent.
  • Die DEVK Rechtsschutz verbesserte ihre Quote von 101,67 Prozent auf 99,87 Prozent.

Den größten CR-Erfolg aber feierte die WGV-Versicherung, die sich vom vorletzten Platz der CR-Tabelle 2018 zum CR-Gesamtsieg in 2019 hocharbeitete: Sie verbesserte ihre CR von schlechten 105,30 Prozent auf sehr gute 79,81 Prozent – und fährt damit in 2019 das beste Schaden-Kosten-Ergebnis aller Versicherer ein. Zu beachten ist hierbei aber: Mittlerweile scheint es für das Unternehmen aus Stuttgart schon die Regel, zwischen sehr schlechten und sehr guten Schaden-Kosten-Quoten jährlich zu wechseln (Versicherungsbote berichtete).