Viele Privat- und Gewerbekunden sehen dunkle Wolken eines sich weiter negativ entwickelnden Arbeitsmarktes mit Auslauf des gesetzlichen Insolvenzschutzes zum 1. Januar 2021 bzw., wenn das BMJV per Verordnung diese bis 31 3.2021 verlängert, auf sich zu kommen und suchen professionelle Unterstützung und rechtlichen Beistand für bereits eingetretene oder drohenden Rechtsfälle in Bezug auf ihre Arbeitsplätze. Übrigens insbesondere auch bei ihren Rechtsschutzversicherern und zum Leid dieser, auch bei den smarten LegalTechs im Internet, die mit neuen Geschäftsmodellen und spezialisierten Digital-Großkanzleien immer mehr die Kundenschnittstelle den Versicherern streitig machen.

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Waren es zunächst die Reise-Vertrags-Streitigkeiten mit Reiseveranstaltern oder Airlines, die die telefonische und online-Rechtsberatungen haben teilweise um bis zu 50% in Monaten März bis Juni hochschnellen lassen, sind es nunmehr die Anfragen besorgter Kunden*Innen, die aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Arbeitgeber ihren Arbeitsplatz gefährdet sehen, denen eine mögliche Insolvenz von Seiten ihrer Chefs bereits avisiert, oder ein Aufhebungsvertrag vorgelegt wurde, mit dem Hinweis, dass bei Nichtakzeptanz eine betriebsbedingte Kündigung unweigerlich folgen würde.

Auf Arbeitgeberseite sind aktuell sehr schwierige Entscheidungen zu treffen, von der gesetzlichen Verpflichtung zur Insolvenzantragsstellung im Januar 2021, der Schließung von Unternehmensteilen und auch Standorten zur Abwendung eben dieser Insolvenzen. Dies belastet die überwiegende Mehrheit der Firmenchefs zutiefst, insbesondere die Familienunternehmen, mit langjährigen Beziehungen zu ihren Belegschaften. Hier auch emphatische und rechtlich saubere sowie faire Lösungen anzubieten, ist eine Aufgabe, die sich die Rechtsschutzversicherer nunmehr zuzuwenden haben. Gerade die (Wirtschafts-)Mediation könnte hier eine kleine Renaissance erleben, um auch notwendige harte Unternehmensentscheidungen in geeigneten Fälle einvernehmlich und ohne den Weg zu den Arbeitsgerichten gemeinsam zu lösen. Also professionelle Krisenlosten sind gefordert sowie fair und interessengerecht handelnde Fachanwälte für Arbeitsrecht, deren Empfehlung sich die Kunden*Innen wünschen. Aufgaben, die sich ein modernes Schadenmanagement jetzt zu stellen hat.

Rechtsschutz: 600 Mio. Euro Schadenaufwand

Als möglichen Schadenaufwand für diese negative Entwicklung in der Rechtsschutzsparte werden von den Aktuar-Beratungshäusern bis zu 600 Mio. Euro für die Rechtsschutzversicherer ins Schaufenster gestellt, was für diese um so dramatischer wird, da auch eine über alle Rechtsgebiete lineare Gerichts- und Rechtsanwaltskostenerhöhung zum 1. Januar 2021 in aller Stille von der Bundesregierung und den Bundesländern von gut 10% verabschiedet wurde, die die Schadenkosten nochmals um bis zu 400 Mio. Euro werden ansteigen lassen.

Ein Rechtsschutzschaden-Tsunami steht somit für 2021 vor der Tür, der die Versicherer aber nicht davon entbindet, den bestmöglichen Rechtsservice für die Kunden*Innen zu bieten und diese höchst emotionalen Rechtsschutzfälle im Arbeitsrecht auch emphatisch zu behandeln. Das alleinige Routing auf eine externe Anwalts-Hotline ist da nur die zweitbeste Lösung und provoziert gerade den Kunden diesen Weg, dann über das Internet, beim nächsten Mal direkt zu gehen. Eine Kompetenzwahrnehmung oder zumindest Anmutung entfällt durch ein solches outgesourctes Fallmanagement nahezu ganz.