Versicherungsbote: Ich nehme an, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HanseMerkur arbeiten derzeit überwiegend im Homeoffice. War es schwierig, die Arbeit entsprechend umzustellen? Und wie halten Sie untereinander Kontakt? Mussten Sie auch von Kurzarbeit Gebrauch machen?

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Eric Bussert: Die HanseMerkur hat bereits Ende Januar dieses Jahres damit begonnen, sich auf die Corona-Pandemie vorzubereiten. Angesichts der zugespitzten Lage auch in Norddeutschland hat der Vorstand im Februar 2020 einen Krisenstab gebildet und wichtige Änderungen der Arbeitsabläufe, die der Aufrechterhaltung eines störungsfreien Betriebes dienen, eingeleitet.

Seit Anfang März 2020 ist ein großer Teil unserer Innendienst-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Home Office. Zudem wurden und werden interne Meetings und externe Besuche zugunsten elektronischer Kommunikationswege und Videokonferenzen auf ein zwingend notwendiges Maß beschränkt.

Inzwischen arbeiten mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter von zuhause. Ermöglicht haben dies eine höchst engagiert arbeitende IT-Abteilung sowie zahlreiche Investitionen in die IT-Infrastruktur und den Onlinevertrieb in den letzten Jahren. Kurzarbeit gibt es hingegen nicht.

Viele Kundinnen und Kunden dürften aufgrund des Lockdowns in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sein, gerade Selbstständige. Die Aufsichtsbehörde EIOPA mahnt die Versicherer zu Fairplay: Sie sollen auf die Notlage vieler Betroffener Rücksicht nehmen. Haben Sie Maßnahmen ergriffen, um nun den Kunden unter die Arme zu greifen - zum Beispiel, wenn sie den PKV-Beitrag nicht zahlen können? Können Sie Beispiele nennen?

Die HanseMerkur bietet in dieser für viele Menschen angespannten wirtschaftlichen Situation unterschiedliche Maßnahmen, sowohl in der Kranken- als auch in der Lebens- und Sachversicherung. Da Sie ausdrücklich nach der privaten Krankenversicherung fragen: In der Krankenvollversicherung sowie in der Pflegeversicherung gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, den Versicherungsschutz bis zu maximal sechs Monate zu reduzieren und Zusatzbausteine temporär abzuwählen. Bei Verträgen mit Versicherungsbeginn vor dem 8. März 2020 können die Beiträge zunächst für einen Zeitraum von drei Monaten gestundet werden. Dies geht über das Leistungsverweigerungsrecht. Alle Alternativen sollten zwischen Vertrieb und Kunde vor dem Hintergrund der persönlichen Situation des Kunden besprochen werden und setzen jeweils eine gute Beratung voraus.

Können Sie bereits erste Schätzungen vornehmen, wie sich die Corona-Pandemie auf das Geschäft der HanseMerkur auswirken wird? Ich kann mir vorstellen, speziell das Neugeschäft leidet.

Grundsätzlich ist es natürlich en Gros schwieriger, kontaktlos zu verkaufen. Allerdings kommt uns hier unsere in den vergangenen Jahren bereits initiierte Digitalisierung in den Vertrieben sehr zugute. So haben wir beispielweise in der Ausschließlichkeit bereits seit mehreren Jahren mit dem Navigator einen ganzheitlichen digitalen Beratungs- und Abschlussprozess ohne jeden Medienbruch vom Gesprächseinstieg bis zur elektronischen Unterschrift, mit dem somit komplett online beraten und verkauft werden kann. Daher haben wir in unseren Hauptgeschäftsfeldern dort keine Einbußen.

Anders stellt sich für uns die Situation als großer Reiseversicherer dar. Unsere Produkte hängen direkt am nahezu zum Erliegen gekommenen touristischen Markt, so dass wir mit einem erheblichen Rückgang rechnen. Auch im Segment Reiseinsolvenz rechnen wir mit höheren Schadenquoten.

Daher ist unsere Einschätzung sehr differenziert nach Sparten zu betrachten. Wir erwarten weiterhin im Geschäftsfeld Krankenversicherung eine erhöhte Nachfrage seitens der Kunden. Die Corona-Krise zeigt jedem deutlich, welche große Bedeutung eine gute Gesundheitsabsicherung hat und zusätzlich machen wir über unsere digitalen Gesundheitsservices als innovativer Gesundheitsdienstleister auf uns aufmerksam.

In der Sparte Leben sehen wir insbesondere im bAV-Bereich Herausforderungen auf uns zukommen. Wenn Betriebe in Kurzarbeit sind, dann tritt die Vorsorge fürs Alter erstmal in den Hintergrund.

Neben der Coronakrise, die hohe Kosten erzeugen dürfte, werden auch die Zinsen weiter im Keller bleiben. Müssen aus Ihrer Sicht privat Krankenversicherte nun mit steigenden Prämien rechnen?

Das sehe ich für die HanseMerkur noch nicht. Aber natürlich ist die Situation derzeit für die PKV noch anspruchsvoller als vor Corona. Bei der Nettoverzinsung der Kapitalanlagen in der Krankenversicherung hat sich die HanseMerkur in den letzten Jahren immer besser als der Markt behauptet. Das dürfte sich auch in Pandemie-Zeiten durch unsere vorsichtig ausgerichtete Absicherungsstrategie im Asset Management nicht ändern.

Wie stark sind Sie als Versicherer von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten betroffen? Legen Sie nun die Gelder der Kundinnen und Kunden anders an, vielleicht aufgrund aufsichtsrechtlicher Vorgaben? Oder sagen Sie: Wir warten, bis sich die Börsen wieder erholen?

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Wir profitieren als Langfristanleger vom Know-how unserer Asset Management-Tochter HM Trust AG. Die Asset Allocation ist nach strategischen Maßstäben ausgerichtet. Dies schließt taktische Sicherungsmaßnahmen mit ein, die sich auch in dieser Krise als tragfähig erwiesen haben.