Als im Mai diesen Jahres bekannt geworden war, dass ein Betrugsspezialist der Allianz sein Expertentum ein wenig missverstanden zu haben schien, sorgte das in den sozialen Medien für teils spöttische und amüsierte Kommentare. Denn statt Betrug zu bekämpfen, wie es eigentlich seine Aufgabe gewesen war, zeigte der Betrugsspezialist selbst eine große betrügerische Qualität:

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In mehreren hundert Fällen soll er die Allianz immer wieder mit fingierten Rechnungen geprellt haben, so der Vorwurf der Kölner Staatsanwaltschaft. Expertise bewiesen, der Ruf aber tot. Und auch die Allianz stand ziemlich blamiert da (der Versicherungsbote berichtete).

435 Fälle - und ein Geständnis

Vor dem Kölner Landgericht Köln kam es nun zur Hauptverhandlung gegen den Ex-Allianzer, wie Versicherungswirtschaft Heute berichtet. Dieser Termin zeigte das ganze Ausmaß des mutmaßlichen Betruges. In 435 Fällen soll der Angeklagte Eric B. Gelder des Versicherers auf sein Privatkonto umgeleitet haben. Dabei konnte er fünf Jahre unentdeckt agieren: die erste Überweisung datiert auf den 7. März 2013, die letzte auf den 27. Februar 2018. So soll die Allianz um insgesamt 2,076 Millionen Euro betrogen worden sein.

Der 54jährige Angeklagte jedenfalls gestand den Betrug, so berichtet das Webportal. Und zeigte Reue. Einige zehntausend Euro habe er bereits an den Versicherer zurückgezahlt, so habe der Angeklagte bei seiner Anhörung berichtet. Nun wolle er auch den Rest begleichen.

Er wolle künftig wieder „auf eigenen Beinen stehen“, auch wenn er für den Job bei einem Versicherer „wohl nicht mehr geeignet sei“, zitiert ihn VW Heute. Nun wolle er sich neu orientieren, Lehrer werden oder einen sozialen Beruf ergreifen. Hierzu sei angemerkt, dass die Tätigkeiten ein polizeiliches Führungszeugnis erfordern - auch wenn Filme wie „Fack ju Göhte“ suggerieren, dass es auch andere Wege in den Lehrerberuf gibt.

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Ein weiteres Problem: Vom unterschlagenen Geld soll nun nichts mehr übrig sein. Während der Verhandlung sei demnach auch der Lebenslauf des Angeklagten zur Sprache gekommen. Kurz zusammengefasst: Luxus, Immobilien, eine Ex-Geliebte, Golf und Pferdesport. Hinzu gesellen sich Drogen- und Alkoholprobleme. Ein Einfamilienhaus, dass der Angeklagte mit seiner „Noch-Ehefrau“ besitzt, ist zwar immerhin als Wert vorhanden - aber mit Krediten finanziert.