Alle zwei Minuten ereignet sich in Deutschland ein Wildunfall. Speziell im Herbst sind Autofahrer besonders bedroht, in einen solchen verwickelt zu werden. Dann nämlich setzt nicht nur die Dämmerung zeitiger ein. Die Tiere begeben sich auch vermehrt auf Wanderschaft, weil sie ihre Futtergründe aufsuchen oder das Winterquartier, so berichtet der Deutsche Jagdverband (DJV). Die gefährlichste Zeit ist die Morgen- und Abenddämmerung. Nicht nur sind dann mehr Tiere unterwegs - sie werden auch von den Fahrern später erkannt.

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Dass die Schäden durch Wildunfälle einen immensen Schaden verursachen, zeigen Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 264.000mal mussten demnach die Versicherer im Jahr 2016 für einen Sach- oder Personenschaden durch Wildunfälle aufkommen (neuere Daten nicht vorliegend). Das bedeutete einen Gesamtschaden von 682 Millionen Euro. Pro Unfall sind das im Schnitt 2.582 Euro Schadenssumme.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Wild-Schäden deutlich angestiegen. Noch im Jahr 2014 wurden mit rund 238.000 Meldungen weniger Fälle registriert, 2015 waren es bereits 263.000 Wildunfälle. Als Ursache kann gelten, dass der Individualverkehr zunimmt und der Mensch den Tieren immer mehr Lebensraum streitig macht. Mehr als die Hälfte aller Wege (55 Prozent) legen die Bundesbürger per motorisiertem Individualverkehr (MIV) mit dem Pkw oder einem motorisierten Zweirad zurück, so berichtet das Statistische Bundesamt.

Welche Versicherung zahlt, wenn es kracht?

Welche Versicherung leistet, wenn ein Tier vor das Auto läuft? Schäden mit sogenanntem Haarwild wie Rehe oder Hirsche begleicht die Kfz-Teilkaskoversicherung. Allerdings müssen hierfür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Zum einen muss sich das Auto in Bewegung befunden haben. Zum anderen muss vom Tier eine „typische Gefahr“ ausgehen. Das heißt, wenn das Tier beim Zusammenstoß bereits tot war, weil ein vorheriges Auto es schon verletzt hatte, kann die Versicherung unter Umständen die Zahlung verweigern (OLG München, Az: 10 U 4630/85). Zum Haarwild nach dem Jagdgesetz zählen auch Wild­schweine, Füchse, Hasen oder Marder.

Wird der Unfall hingegen durch einen großen Vogel oder gar eine entlaufene Ziege verursacht, ist in der Regel eine Vollkasko-Police erforderlich. Jedoch kann man bei vielen Kfz-Teilkasko-Tarifen mittlerweile eine Vertragserweiterung vereinbart werden, durch die auch Schäden durch andere Tiere wie Kühe, Pferde oder Schafe abgedeckt sind. Hierfür müssen aber explizit Zusammenstöße mit Haus- und Nutztieren laut Vertrag vereinbart sein.

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Die Teilkasko zahlt auch, wenn man aufgrund eines Tieres auf der Straße ausweichen musste und dabei der Unfall entstand. Allerdings muss der Fahrer dann nachweisen, dass tatsächlich ein Tier auf der Straße stand. Gerade bei kleineren Tieren empfiehlt es sich deshalb, nicht auszuweichen: so bitter das für den Tierfreund auch sein mag.