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Unfallforschung

Versicherer fordern strengeren Brandschutz für Reisebusse

Das völlig ausgebrannte Wrack des Reisebusses auf der A9. Bei dem Unfall verloren 18 Menschen ihr Leben.Screenshot mdr.de

Am Montag brannte ein Reisebus in Oberfranken auf dem Weg zum Gardasee völlig aus. 18 Menschen verloren ihr Leben, 30 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisiert nun schwere Sicherheitsmängel. Das Traurige: Mit der richtigen Technik wäre der Unfall wohl weit weniger dramatisch ausgegangen – oder komplett zu vermeiden gewesen.

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Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV. Quelle: Pressefoto udv.deEs war einer der schlimmsten Verkehrsunfälle in der Geschichte Bayerns: In Oberfranken fährt ein Reisebus im Stau auf einen LKW auf und fängt Feuer. In kurzer Zeit steht das komplette Fahrzeug in Flammen und brennt völlig aus. Für viele wird das Flammeninferno zur tödlichen Falle, sie können sich nicht mehr aus dem brennenden Bus retten. 18 Menschen verlieren ihr Leben, 30 Personen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

„Innenraum von Bussen darf nicht mehr zur Feuerfalle werden“

Der Busunfall wirft Fragen auf: Wie konnte sich das Feuer so dermaßen schnell ausbreiten? Das Feuer fraß sich so schnell durch den Innenraum des Busses, dass es nicht einmal Ersthelfern möglich war einzugreifen, ohne dass sie selbst ihr Leben riskiert hätten. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sieht aber Sicherheitsmängel beim Brandschutz als eine mögliche Ursache an. Das Fazit der Experten: Unter Umständen hätte der Unfall verhindert werden können.

Bereits die Kollision mit dem LKW wäre womöglich zu vermeiden gewesen. Denn neuere Reisebusse sind in der Regel mit einem Notbremssystem ausgerüstet. Doch viele Bus- und LKW-Fahrer schalten das Bremssystem manuell ab, weil sie sonst bei Überholvorgängen nicht so dicht auf den Vordermann auffahren können, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforscher der Versicherer (UDV).

Das Notbremssystem „hätte den Aufprall verhindert oder zumindest wesentlich abgeschwächt“, erklärt Brockmann im Interview mit dem GDV. „Die Assistenten erkennen Hindernisse auf der Fahrbahn und bremsen das Fahrzeug ab, sofern der Fahrer nicht reagiert. Immer vorausgesetzt, dass das System auch eingeschaltet ist“. Dies sei bei dem Bus offenbar nicht der Fall gewesen.

Problem Numero 2: In Bussen werden immer noch leicht brennbare Materialien verbaut, erklärt Unfallexperte Brockmann. Dies sei ein möglicher Grund, weshalb sich das Feuer so schnell ausbreitete – und die Menschen keine Chance hatten der Feuerhölle zu entkommen. Hier könnten sich die Hersteller und Reiseveranstalter ein Vorbild an der Deutschen Bahn (DB) nehmen: diese habe „klare Vorgaben für die Auswahl der Innenmaterialien ihrer Waggons“. Brockmanns Forderung: „Der Innenraum von Bussen darf nicht mehr zu einer Feuerfalle werden.“ Reisebusse seien aber vergleichsweise sicher und solche verheerenden Unfälle relativ selten, ergänzt der Unfallexperte.

Versicherungsbranche warnte bereits vor Großbrand in London

Der Vorstoß des GDV ist bereits der zweite innerhalb von zwei Wochen, in denen die Versicherungsbranche darauf aufmerksam macht, dass der Tod vieler Menschen durch bessere Sicherheitsvorkehrungen womöglich hätte verhindert werden können. Nachdem am 14. Juni der Londoner Grenfell Tower komplett ausbrannte und mindestens 79 Menschen das Leben kostete, hatte sich bereits der britische Versicherungs-Dachverband „Association of British Insurers“ (ABI) per Pressemeldung zu Wort gemeldet. Nur einen Monat vor der verheerenden Katastrophe hätten die britischen Versicherer einen Appell an die Politik gerichtet, den Brandschutzregeln in England zu verschärfen (der Versicherungsbote berichtete).

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Dass das Feuer am Grenfell Tower so schnell um sich greifen konnte, erklären Brandschutzexperten mit der Verarbeitung von leicht entbrennbarem Dämmmaterial an der Außenfassade des Hauses. Das 1974 errichtete Hochhaus war 2015/16 komplett saniert wurden. Dabei verbaute die beauftragte Baufirma Aluminium-Verbundplatten an der Betonwand des Hauses, die einen leicht brennbaren Polyethylen-Kern enthielten. Sie gelten nach der Brandschutzklasse B2 als „normal entflammbar“. Bitter: Es hätte nur 5.000 Euro mehr gekostet, das Haus mit besser geschützten Platten auszustatten, die die höhere Brandschutzklasse B1 ("schwer entflammbar") erfüllen.

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