Die Unfallforschung der Versicherer hat auf dem Verkehrsgerichtstag 2020 in Goslar die Kommunen aufgefordert, breitere Radwege anzulegen. Eine Breite von mindestens zwei Metern sei nach den bisherigen Erfahrungen notwendig, um sichere Überholmanöver zu gewährleisten.

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E-Scooter überwiegend von Touristen genutzt

Weiterhin schlagen die Versicherer vor, die verpflichtende Ausstattung der E-Scooter mit Blinkern sowie einen Mindestdurchmesser von zehn Zoll (25,4 cm) für die Räder zu prüfen. Das könne die Verkehrssicherheit und die Stabilität der E-Scooter verbessern: speziell die kleinen Räder wurden wiederholt als Unfallursache ausgemacht.

Zudem melden die Versicherer Zweifel an, ob E-Scooter tatsächlich den Autoverkehr in der Stadt beruhigen und damit zu einer Verkehrswende beitragen können. Eine sinnvolle Funktion im Mobilitätsmix könnten die Roller nur dann erfüllen, „wenn sie überwiegend für die „letzte Meile“ zwischen Bus- oder Bahnhaltestelle und dem eigentlichen Ziel genutzt werden“, heißt es im Pressetext des UDV.

Aktuell sei aber anhand der öffentlich verfügbaren Daten zu beobachten, dass die E-Scooter der Verleihfirmen überwiegend von Touristen genutzt würden, die sonst zu Fuß gehen oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Hier müsse abgewartet werden, ob mehr private Haushalte sich einen Roller zulegen.

Zu enge Radwege, kaum Raum

Das Problem in vielen Städten: fehlender Platz, zumal die Infrastruktur primär auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet ist. So bemängelt der Radverband ADFC wiederholt enge und schlecht gewartete Radwege, die teils von Autofahrern mitgenutzt und zugeparkt werden.

"Radfahrer haben vor allem in Städten häufig zu wenig geschützten Raum und werden deshalb dort besonders oft durch Kollisionen mit Pkw und Lkw getötet", erklärt auch Julia Fohmann, Sprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) im Vorjahr der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa). E-Scooter verschärfen das Problem noch, da sie verpflichtet sind, bei Anwesenheit eines Radweges diesen ebenfalls zu nutzen. Ob die E-Scooter tatsächlich zu mehr Radunfällen beitragen, dazu liegen aktuell noch keine Zahlen vor.

Zahl der getöteten Radfahrer steigt

Seit Jahren steigt die Zahl der getöteten und verletzten Radfahrer im deutschen Straßenverkehr, während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zurückgeht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2018 genau 445 Fahrradfahrer bei Unfällen, 2017 waren noch 382 Radfahrer umgekommen. Insgesamt verunglückten 2018 knapp 89.000 Menschen in Deutschland auf Rädern.

Ein wichtiger Grund ist der zunehmende Verkehr in den Städten: und fehlende Infrastruktur. So bemängelte auch die Unfallforschung der Versicherer anhand eigener Studien bereits, dass unübersichtliche Kreuzungen sowie fehlende, zugeparkte und zu enge Radwege die Unfallsituation verschärfen.

Für 2019 ist ein erneuter Anstieg bei den Unfallzahlen der Radler zu erwarten, auch wenn noch keine abschließenden Zahlen vorliegen. Danach kamen im ersten Halbjahr insgesamt 158 Radler ums Leben: Das waren 16 mehr als im Vorjahreszeitraum. Für E-Scooter-Fahrer liegen aktuell noch keine gesonderten Unfallzahlen vor.

Entgegen vieler Vorurteile sind Radfahrer oft nicht Hauptverursacher der Unfälle. Kommt ein Radler zu Schaden, so hat er laut Statistischem Bundesamt in etwa vier von zehn Fällen diesen Unfall auch selbst hauptsächlich verursacht, Alleinunfälle eingerechnet.

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"Zwei Drittel aller Fahrradunfälle sind Kollisionen mit Autos", sagt Stephanie Krone vom ADFC gegenüber Zeit Online. Die Hauptschuld liege in 75 Prozent der Zusammenstöße beim Autofahrer, wobei Fehler beim Einbiegen, Kreuzen oder Abbiegen besonders verbreitet seien. Das belegen auch Daten des Statistischen Bundesamtes: Demnach war bei Unfällen mit einem Auto der Radfahrer 2018 zu 24,5 Prozent der Hauptverursacher.