Das unsichere wirtschaftliche Umfeld stellt Erst- und Rückversicherer vor große Herausforderungen. Sehr unterschiedliche Szenarien mit zum Teil gravierenden Auswirkungen auf das Versicherungsgeschäft müssen derzeit im Risikomanagement berücksichtigt werden. Die Verwerfungen an den Finanzmärkten treffen Erst- und Rückversicherungsunternehmen vor allem über ihre Kapitalanlagen. Historisch niedrige Zinsen belasten das Geschäftsmodell vor allem bei Vorsorgeprodukten und lang laufenden Haftpflichtdeckungen. Vor diesem Hintergrund kommt der Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. Januar 2013 eine besondere Bedeutung zu.

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Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re zuständig für das weltweite Rückversicherungsgeschäft: „Mehr denn je steht unsere Branche vor der Herausforderung, stabile Erträge im Kerngeschäft zu erwirtschaften und die Abhängigkeit vom Ergebnis der Kapitalanlagen weiter zu reduzieren. Die entscheidende Frage wird sein, wie schnell und in welchem Ausmaß es den Erst- und Rückversicherern gelingen wird, das niedrige Zinsniveau in ihre Preisberechnungen einzubeziehen.“

Seit einiger Zeit prägen historisch niedrige Zinsen, in einigen Ländern ein negativer Realzins sowie eine hohe Volatilität der Kapitalmärkte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Assekuranz. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Risikoszenarien, auf die Erst- und Rückversicherer sich vorbereiten müssen. Dazu gehören der Austritt einzelner Mitglieder aus der Eurozone, die Zahlungsunfähigkeit von Staaten, eine sprunghaft steigende Inflation oder eine Deflation. „Munich Re sieht die Stabilisierung der Euro-Zone als eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Als umsichtige Risikomanager müssen wir uns gleichzeitig auf sehr unterschiedliche Szenarien vorbereiten“, betonte Jeworrek. Ein Kapitalanlagemanagement, das die Anlagen sehr fein auf die Verbindlichkeiten abstimmt, sowie eine angepasste Versicherungsproduktstrategie, aber auch konkrete operative Maßnahmen dämpfen die Folgen möglicher weiterer Verwerfungen im ökonomischen Umfeld. Munich Re unterstützt ihre Kunden mit Service und Beratung, vor allem aber mit Produkten zur flexiblen Kapitaloptimierung.

Ausblick auf die Erneuerung

Da derzeit noch ausreichend Kapazität auf den Rückversicherungsmärkten zur Verfügung steht, erwartet Munich Re, dass Preise und Bedingungen bei der Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. Januar 2013 weitgehend stabil bleiben.

Dies gilt auch für das Naturkatastrophengeschäft, sofern größere Schadenereignisse im letzten Quartal des Jahres 2012 ausbleiben. Für Sturmdeckungen in Europa könnten sich durch erhöhte Schadenerwartungen in den 2011 veröffentlichten Naturgefahrenmodellen weitere Ratenanpassungen ergeben.

In den Haftpflichtbranchen geht Munich Re davon aus, dass sich die Stabilisierung der Preise mit einem Trend zu leichten Preiserhöhungen fortsetzen wird. Besonders in diesen Sparten mit sehr lang laufenden Deckungen drücken die niedrigen Zinsen bereits heute die zukünftige Rentabilität. Liegt die Inflationsrate gleichzeitig über dem Zinsniveau – also bei negativen Realzinsen –, verstärkt sich dieser Druck. Denn Schadenzahlungen, die infolge der Inflation steigen, können nur zum Teil durch Investmentgewinne kompensiert werden. Dies muss bei der Preisfindung insbesondere für langfristiges Geschäft berücksichtigt werden.

Die generelle Verbesserung der Erstversicherungspreise in den USA, aber auch beim Motorhaftpflichtgeschäft in einigen Ländern Europas, dürfte sich demgegenüber positiv auf das Ratenniveau in der Rückversicherung auswirken. Munich Re konnte bei den bisherigen Erneuerungen 2012 die Profitabilität des eigenen Geschäfts um 2,4 % verbessern.

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Jeworrek: „Zuverlässige Zahlungsfähigkeit heute und in Zukunft, also finanzielle Stabilität, sind die Basis unseres Geschäfts. Auf dieser Basis bieten wir unseren Kunden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Risikotransferlösungen, die sie entlasten und ihr Geschäft fördern. Dazu brauchen wir aber Preise, die den Risiken angemessen sind und das wirtschaftliche Umfeld widerspiegeln.“