Renditen in der Lebensversicherung? Die erwirtschaften sich in Zeiten des Niedrigzins nicht leicht. So wird der Höchstrechnungszins ab 2022 den historischen Tiefstand von 0,25 Prozent erreichen – unter den marktüblichen Bedingungen ist dann nicht einmal mehr ein Erhalt der eingezahlten Beiträge für den Kunden garantiert (Versicherungsbote berichtete). Das wüste Niedrigzinsumfeld zwingt die Versicherer zum Entwicklen neuer Produkte ohne Zinsgarantien (Versicherungsbote berichtete).

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Und dennoch liegen 83,2 Prozent der branchenweiten Gelder in festverzinslichen Anlagen, wie eine Assekurata-Studie zeigte – auch, weil der Gesetzgeber noch immer Sicherheit auf Kosten der Rendite fordert. Nur 1,9 Prozent der Branchengelder sind in Aktien investiert. Auch werden Prämieneinnahmen und Kapitalanlagen der Versicherer belastet durch die Zinszusatzreserve zum Bedienen teurer Altgarantien – bis 2027 muss eine Reserve von knapp 130 Mrd. Euro aufgebaut werden, um alle bisherigen Garantien zu bedienen (Versicherungsbote berichtete). Kann man unter diesen schwierigen Bedingungen noch guten Gewissens bestimmte Anbieter empfehlen?

Wann Anbieter noch Gewinne versprechen

Diese Frage muss sich auch die Wirtschaftswoche stellen, die bereits seit 1997 jährliche Prognosen für die erfolgsversprechendsten Lebensversicherer abgibt. Und in Zusammenarbeit mit den Rating-Experten von Ascore versucht man auch in 2021, die Frage-Nuss mit einer einfachen Grundidee zu knacken: Die besten Chancen auf gute Rendite haben Versicherer, die über das meiste freie Risikokapital verfügen.

Steigt doch die Chance auf eine aussichtsreiche Verzinsung mit dem frei verfügbaren Kapital, das nicht durch feste Kundenansprüche gebunden ist – es kann riskanter und damit renditestärker angelegt werden. Die Idee entstammt dem RORAC-Verfahren des Finanzwissenschaftlers Jörg Finsinger. Das Verfahren wird auch für das WiWo-Rating verwendet.

Gewinnchancen für riskantere Anlagen sind höher

Für die Prognosen geht Ascore von folgenden Werten aus: sichere Anlagen bringen es langfristig auf durchschnittlich 1,8 Prozent Zins auf Kapitalanlagen, riskantere Anlagen wie Aktien hingegen bringen es auf durchschnittlich 5,3 Prozent. Aufgrund dieser Annahme wird – in einem ersten Schritt – für jeden Lebensversicherer ein realistischer Zins auf Kapitalanlagen errechnet: die prognostizierte Rendite.

Freilich: Die Rendite auf Kapitalanlagen nützt Kunden nichts, solange nicht auch Abschluss- und Verwaltungskosten niedrig sind. Zudem muss ein möglichst hoher Anteil an die Kunden ausgeschüttet werden. Deswegen werden zur Berechnung der Rendite-Chancen weitere Kennzahlen aus den Geschäftsberichten der Versicherer hinzugezogen: Abschlusskostenquote, Verwaltungskostenquote sowie Ausschüttungsquote.

Für all diese Quoten wird zunächst eine Benchmark ermittelt: Der Durchschnitt der 25 wachstumsstärksten unter den 50 größten Versicherern. Als Benchmark gelten folgende Werte: Ein realistischer Zins auf Kapitalanlagen in Höhe von 2,0 Prozent, die Abschlusskostenquote in Höhe von 4,4 Prozent, die Verwaltungskostenquote in Höhe von 2,4 Prozent, sowie einen Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an Kunden ausschüttet, in Höhe von 85,3 Prozent.

Prognosen von "stark überdurchschnittlich" bis "stark unterdurchschnittlich"

Gemäß Abweichung von dieser Benchmark werden nun Punkte verteilt: Wer besser abschließt, erhält Pluspunkte, wohingegen ein schlechteres Abschneiden zu negativen Punkten führt. Die Punkte führen letztendlich zu einer Rangliste: Je mehr Punkte, desto höher die Wahrscheinlichkeit, zukünftig gute Rendite für die Kunden zu erwirtschaften.

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Auch werden Punkte in eine fünfstufige Sternbewertung übersetzt:

  • Fünf Sterne bedeuten hierbei ein „stark überdurchschnittliches“ Abschneiden, das die Experten prognostizieren.
  • Vier Sterne bedeuten ein "überdurchschnittliches" Abschneiden.
  • Drei Sterne sind die Benchmark für durchschnittliche Gewinnaussichten.
  • Zwei Sterne lassen eine "unterdurchschnittliche" Rendite erwarten.
  • Einen Stern hingegen bekommen Versicherer, von denen ein „stark unterdurchschnittliches“ Abschneiden in Zukunft erwartet wird.
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