Schwieriger Markt mit viel Potenzial

Man kann nicht oft genug daran erinnern: Die Rechtsschutzversicherung erfüllt eine wichtige soziale Funktion. Denn sie ermöglicht jedem Bürger die Wahrnehmung seiner rechtlichen Interessen ohne Rücksicht auf das hiermit verbundene Kostenrisiko. Und schon kleine Rechtsstreitigkeiten – zum Beispiel eine gekündigte Wohnung – können schnell vier- oder gar fünfstellige Beträge verschlingen. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen wäre somit eine Rechtsschutzversicherung ein „must have“- Produkt (Versicherungsbote berichtete). Und das Marktpotential ist hoch: nur 46,3 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) bereits über eine Rechtsschutzpolice.

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Allerdings macht es der Markt den Anbietern nicht gerade einfach. Seit Beginn der globale Banken- und Finanzkrise in 2007 sind Versicherer immer wieder mit teuren Klagewellen konfrontiert, weil Kunden ihre Ansprüche gegenüber Akteuren wie Lehman Brothers durchsetzen wollten. Auch die fehlerhaften Widerrufsbelehrungen bei Lebensversicherungen brachten einen wahren Klageboom (Versicherungsbote berichtete). Und der VW-Dieselskandal ab 2015 kostete die Rechtsschutzversicherer bisher 667 Millionen Euro – bei einem Streitwert aller verhandelten Fälle von 5,9 Milliarden Euro (Versicherungsbote berichtete). Hinzu kommt, dass industriell arbeitende Kanzleien per Internet immer mehr Kundinnen und Kunden zu Klagen motivieren.

Doch nicht nur derartige Ursachen treiben die Schadenaufwendungen mehr und mehr in die Höhe. Zugleich erlebt das durch Versicherer viel beanstandete Kostenrechtsmodernisierungsgesetz aus dem Jahr 2013 just ab 2021 seine Neuauflage durch das sogenannte Kostenrechtsänderungsgesetz (KostRÄG) – und treibt Anwalts- und Gerichtskosten zum zweiten Mal in die Höhe. Das geschieht ausgerechnet in Hochzeiten von Corona – trotz drohendem Schaden-Tsunami (Versicherungsbote berichtete). Es drohen also steigende Prämien – die just jene Kunden mit kleinem Geldbeutel vom privaten Versicherungsschutz ausschließen, die eine Rechtsschutzversicherung besonders nötig hätten.

Wer den Rechtsschutzmarkt dominiert

Wer aber dominiert den schwierigen Rechtsschutz-Markt? Der Versicherungsbote hat sich Kennzahlen aus dem aktuellen „Branchenmonitor Rechtsschutzversicherung 2014-2019“ der V.E.R.S Leipzig GmbH angesehen und stellt vor, welche Versicherer den größten Teil des Marktes unter sich aufteilen. Zu beachten aber ist wie stets: Branchenmonitore weisen Tochterunternehmen nach Rechtsform getrennt aus. So tritt zum Beispiel die HUK-Coburg Rechtsschutz getrennt vom Direktversicherer HUK24 im Ranking an.

Der Marktführer: Arag SE

Mit 694,58 Millionen Euro verdienten Bruttoprämien in 2019 und einem Marktanteil von 14,58 Prozent ist laut Branchenmonitor die Arag SE Marktführer im Rechtsschutz-Bereich. Die Prämien konnte die Arag um 40.88 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Auch die Vertragszahl kletterte von 4.297.928 in 2018 auf 4.506.150 in 2019.

Freilich: Beim Schaden-Kosten-Ranking rutschte der Marktführer um zwölf Ränge ab. Das aber liegt keineswegs an einer verschlechterten Quote, sondern an einem verbesserten Gesamtfeld der Konkurrenz aufgrund eines guten Geschäftsjahrs 2019. Die Combined Ratio (CR) bzw. die Schaden-Kosten-Quote des Marktführers lag in 2019 bei 95,71 Prozent und wiederholte damit beinahe das Vorjahresergebnis aus 2018 in Höhe von 95,31 Prozent

Branchen-Secundus: Die Allianz

Die Allianz – in vielen Branchenmonitoren der V.E.R.S. Leipzig GmbH Marktführerin – muss sich im Zweig Rechtsschutz mit einem zweiten Rang nach Marktanteilen zufriedengeben. Sichern ihr doch 500,46 Mio. Euro an verdienten Bruttoprämien in 2019 einen Marktanteil von 10,51 Prozent.

Wenngleich auch bei der Allianz alle Zeichen auf Wachstum stehen – die Prämien wuchsen um 17.64 Mio. Euro gegenüber 2018 und die Verträge erhöhten sich um 29.335 in 2019 auf 2.527.063 Stück – können die Münchener mit dem Rechtsschutzgeschäft in 2019 keineswegs zufrieden sein. Denn erstmalig seit 2014 muss Deutschlands Versicherungsriese wieder eine CR über 100 Prozent hinnehmen (Versicherungsbote berichtete).

In 2017 lag die CR der Münchener noch bei guten 89,09 Prozent und in 2018 immerhin noch bei auskömmlichen 97,45 Prozent. In 2019 aber muss die Allianz einen CR-Wert von 102,72 Prozent verbuchen – und stürzt von CR-Rang zehn auf Rang 23 und damit auf den drittletzten Platz der Schaden-Kosten-Tabelle im Monitor. Erstmalig überhaupt für den Analysezeitraum 2014 bis 2019 steht für die Münchener sogar ein Minus zu Buche beim versicherungstechnischen Ergebnis (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung): Liegt der Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019 für diese Kennzahl bei guten 23,26 Mio. Euro plus, muss die Allianz in 2019 hier ein Minus in Höhe von 2,54 Mio. Euro verbuchen.

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Roland Rechtsschutz: Auskömmliches Geschäft bei leichtem Wachstum

Rang drei der Rechtsschutz-Hitparade nach Marktanteilen in 2019 erringt – mit verdienten Bruttoprämien in Höhe von 466,24 Mio. Euro und einem Anteil am Markt von 9,79 Prozent – die Roland Rechtsschutz. Die Zeichen stehen auf leichtem Wachstum: um 18.25 Mio. Euro erhöhten sich die Prämien gegenüber 2018. Und die Zahl der Rechtsschutzverträge wuchs gegenüber 2018 um 12.118 und liegt in 2019 bei 1.785.792 Stück. Das Geschäft der Kölner erwies sich als auskömmlich mit einer CR in 2019 von 97,98 Prozent – Rang 14 der Schaden-Kosten-Tabelle aller Rechtsschutzversicherer.