Wer in Deutschland eine Riester-Rente abschließt, dem garantiert der Gesetzgeber mindestens die eingezahlten Prämien plus staatliche Zulagen. Kein Wunder, gelten doch deutsche Sparer als sicherheitsbedacht, wie Umfragen zeigen. Eine jüngst veröffentlichte Studie aus dem Hause J.P. Morgan hat errechnet, dass circa 2,2 Billionen Euro Privatvermögen in kaum verzinsten Spareinlagen stecken (der Versicherungsbote berichtete). „Sicherheit vor Rendite“, so lautet ein Credo deutscher Sparer - die mit Abstand beliebteste Geldanlage ist das Sparbuch.

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Doch genau diese Beitragsgarantien bei Riester-Renten stellt Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), nun zur Debatte. „Risiko und Rendite sind am Kapitalmarkt untrennbar verbunden und Grundlage der Idee privater Altersvorsorge. Daher muss man sich fragen, ob die Garantie eines Mindest-Auszahlungsbetrags im Interesse des Verbrauchers ist“, sagte Müller in einem Interview mit der „Südwest Presse“. Die meisten in Deutschland würden nicht wissen, welch hohen Preis sie für die Garantien zahlen - speziell, wenn man auf die entgangene Rendite schaue. „Wir vom vzbv halten es für richtig, die Garantien in Frage zu stellen“, so Müller.

Beiträge sind in festverzinsliche Anleihen einbetoniert

Hier sei auf ein wichtiges Problem verwiesen: Die Garantien für Renten-Policen sind gerade in Zeiten niedriger Zinsen extrem teuer. Will ein 25jähriger Sparer 42 Jahre lang fürs Alter sparen und eine Garantie für seine gezahlten Beiträge haben, müssen zwei Drittel der Beiträge in sichere Anleihen mit bester Bonität fließen, so hat die Frankfurt School of Finance & Management (FSFM) im Jahr 2016 errechnet. In Anlagen also, die aktuell kaum etwas abwerfen. Hier bleibt den Anbietern keine Wahl, der Gesetzgeber verpflichtet sie dazu (der Versicherungsbote berichtete).

Um Beispiele zu nennen: Wer etwa im Juli 2018 in Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit investiert hat, bekam im Schnitt für die Niederlande eine Rendite von 0,48 Prozent, für Frankreich 0,67 Prozent und für die USA immerhin noch 2,88 Prozent. In solchen Papieren steckt aber ein Großteil der Riester-Gelder, weil eben die Garantien abgesichert werden müssen. Wer das Geld frei an der Börse investieren kann, kann auf weit höhere Renditen hoffen - auch, wenn er es vergleichsweise sicher anlegt.

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Hier scheint auch bei den Verbraucherzentralen ein Umdenken einzusetzen: Weg von den Garantien, hin zu mehr Renditechancen. Wobei Müller damit ausdrücklich nicht die Lebensversicherungen der „neuen Klassik“ meint, die nun fast ausschließlich im deutschen Neugeschäft angeboten werden - und eben ohne Garantiezins auskommen. Diese seien oft „zu unflexibel und teuer“, kritisiert der Diplom-Volkswirt. „Bei der Altersvorsorge geht es um 20, 30 oder 40 Jahre. In dieser Zeit kann zum einen viel passieren, darauf sollte man reagieren können. Zum anderen ist die Zeit bei der Kapitalanlage etwas ausgesprochen Wertvolles, da man Schwankungen aussitzen kann. Beispielsweise gibt es aktienbasierte Modelle, die wesentlich kostengünstiger sind und nicht von vornherein eine Leibrente vorsehen.“