Die angespannte Situation an den Kapitalmärkten bedeutet für die Lebensversicherer eine existentielle Herausforderung – dies ist fast schon eine Binsenweisheit in der Branche. Im letzten Jahr mussten die Versicherer rund 50 Prozent mehr zur Absicherung hochverzinster Altverträge zurücklegen als noch 2014, so dass sich die Zinszusatzreserve auf 30 Milliarden Euro summierte.

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Mit der Reserve soll langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und den real am Markt erzielbaren Zinsen geschlossen werden. Auch an der Produktschraube müssen die Anbieter drehen, lohnt sich doch der gute alte Tarif mit Garantiezins für Versicherer wie Kunden kaum noch. Das ist die Ausgangssituation für das aktuelle „M&M-Rating LV-Unternehmen“ des Naunhofer Analysehauses Morgen & Morgen – und vor diesem Hintergrund sind die Erkenntnisse durchaus erfreulich.

Akzeptable Nettoverzinsung von durchschnittlich 4,3 Prozent

Vor allem die Zinszusatzreserve belaste die Versicherer, berichtet das Analysehaus. „Um die damit in Zusammenhang stehenden Aufwände stemmen zu können, haben die Versicherer Bewertungsreserven realisiert und dadurch eine akzeptable Nettoverzinsung von durchschnittlich 4,3 Prozent erzielt“, lautet das Fazit von Morgen & Morgen.

Auf Grund der Aufwände für die Zinszusatzreserve sinken zudem die Überschussquote und die Quote der Rückstellung für Beitragsrückerstattung. Und das ist auch ärgerlich für die Kunden. Während die Aufwände für die Zinszusatzreserve 2014 noch bei 23 Prozent der Zinserträge lagen, machen sie 2015 rund 28 Prozent aus. Dies ist gleichbedeutend mit einer theoretischen Verminderung der Nettoverzinsung um durchschnittlich 1,2 Prozent durch Aufwände für die Zinszusatzreserve.

M&M-Rating: Acht Versicherer mit Höchstnote, 14 mit „sehr gut“

Im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich im aktuellen "M&M-Rating LV-Unternehmen 2016" wenig Veränderungen. Jede achte Versicherung der untersuchten 67 LV-Gesellschaften konnte sich über die Höchstnote „ausgezeichnet“ (5 Sterne) freuen. Die derart gewürdigten Unternehmen sind: die Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Europa, Hannoversche Leben, R+V, Stuttgarter Leben und die WGV Lebensversicherung. Weitere 14 Versicherer erhielten die Benotung „sehr gut“ und damit vier Sterne verliehen (siehe Tabelle 1).

M&M-Rating Lebensversicherung: Getestete Unternehmen mit fünf bis drei Sternen. 5 Sterne: ausgezeichnet. 4 Sterne: sehr gut, 3 Sterne: durchschnittlich. Quelle: Morgen & Morgen

Doch es gab auch Ausreißer nach unten. Mit nur einem Stern und damit „sehr schwach“ wurden die sechs Gesellschaften Generali, Gothaer, Münchener Verein, Öffentliche Lebensversicherung Berlin, Provinzial Rheinland und Rheinland Lebensversicherung bewertet (siehe Tabelle 2).

M&M-Rating 2016. Gesellschaften mit zwei Sternen: schwach oder einem Stern: sehr schwach. Quelle: Morgen & Morgen

Hintergrundinformationen: Für die Bewertung der Kennzahlen haben die Tester neun Kennzahlen aus den letzten fünf Jahren berücksichtigt, also von 2011 bis 2015. Diese Kennzahlen sind: die Nettoverzinsung, die Abschlusskosten in Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts, die Verwaltungskosten in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge, Die RfB-Quote (Rückstellungen für die erfolgs­abhängige Beitragsrückerstattung) und die Überschussquote. Weitere Kennzahlen sind das Storno bei kapitalbildenden Tarifen, die modifizierte Eigenmittelquote, die Bewertungsreserven sowie die Wachstumsquote des Unternehmens.