In den letzten Jahren war immer wieder Kritik an der Riester-Rente laut geworden. Die Vertragskosten seien zu hoch und Sparer müssten sehr alt werden, damit sich der Abschluss eines Vertrages überhaupt lohne, so der Tenor. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte daraufhin versprochen, man werde die Riester-Rente auf den Prüfstand stellen. Man müsse mehr tun, um die Riester-Rente „zu retten“ und die Angebote „attraktiver zu machen“, so die Sozialdemokratin.

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Doch getan hat sich bisher kaum etwas. Schlimmer noch: Die Bundesregierung ist nicht im Bilde, ob sich die private Altersvorsorge überhaupt für Sparer lohnt, obwohl der Staat jährlich drei Milliarden Euro an Zulagen und Steuervorteilen gewährt. Das ergab eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Bundesregierung: Keine Ahnung, wie gut das Riester-Geld angelegt ist

Laut dem Zeitungsbericht weiß die Bundesregierung nicht genau, wie gut das Geld angelegt ist und wie viel Versicherungen, Banken und Fondsgesellschaften mit den Policen verdienen. „Zu den durchschnittlichen Gesamtkosten aller in Deutschland angebotenen Riester-Produkte liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor“, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Darüber hinaus zeigen die Angaben der Regierung, dass die Riester-Rente aktuell kriselt. Zwar wurden bis Mitte September knapp 16 Millionen Verträge abgeschlossen. Aber seit 2011 kamen ganze 700.000 Neuverträge hinzu. Der Zuwachs beschränkte sich stark auf eine Sparte: Viele Bürger setzten auf Wohnriester, um sich noch staatliche Zulagen fürs Eigenheim zu sichern.

Die Zahl der geförderten Versicherungs- und Banksparverträge ist sogar rückläufig, so die Süddeutsche. Zudem seien aktuell knapp ein Fünftel der Verträge ruhend gestellt. Hier werden also keine Beiträge mehr eingezahlt, womit auch der Anspruch auf staatliche Förderung ausgesetzt wird. Als Instrument gegen Altersarmut ist Riester auch nur bedingt geeignet. Gerade Gering- und Kleinverdiener, die am ehesten armutsgefährdet sind, besitzen kaum Riester-Policen.

Groteskes Nichtwissen der Bundesregierung bei Riester?

Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Grünen, nannte die Antwort der Bundesregierung „grotesk“. Er verweist auf den neuen Rentenversicherungsbericht, wonach die Riester-Rente die Einbußen durch das sinkende Rentenniveau nur ausgleichen könne, wenn die Verträge mindestens 4 Prozent Zinsen im Jahr einbringen, die Verwaltungskosten maximal bei zehn Prozent liegen und der Sparer die volle Förderung in Anspruch nimmt.

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Da die Kosten jedoch weit höher seien und die Renditen im Niedrigzinsumfeld schrumpfen, wirft Kurth der Bundesregierung „komplette Realitätsverweigerung“ vor. Die Riester-Rente habe keine Zukunft, wenn sie sich für viele Sparer als Enttäuschung entpuppe. Kurth forderte als Alternative ein "staatlich verwaltetes Basisprodukt für jeden". Dem entgegen betonte die Bundesregierung, dass die Riester-Rente ihren Zweck erfülle.

Süddeutsche Zeitung