Bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin macht sich mit Blick auf die Versicherungswirtschaft Nervosität breit. Man argwöhnt, dass die Assekuranz aufgrund ihres Investments in Bankanleihen und Pfandbriefe mit in den Abwärtsstrudel einer neuen Bankenkrise gerissen werden könnte. Wie die Financial Times Deutschland in ihrer heutigen Montagsausgabe berichtet, sollen deshalb die größten deutschen Versicherer bis zum 07. November all ihre Kapitalanlagen bei Geldhäusern beziffern. Auch sollen sie angeben, ob es sich um gesicherte oder ungesicherte Papiere handelt.

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„Es gibt eine Ansteckungsgefahr“

Eine Umfrage der BaFin im Frühjahr 2011 hatte ergeben, dass die zehn größten deutschen Versicherer circa 55 Prozent ihrer Geldanlagen bei Banken investiert haben. Dies veranlasste Rolf Wenzel, Ministerialdirektor im Bundesfinanzministerium, von einer ernsten Ansteckungsgefahr durch die Euro-Krise zu sprechen: geraten die Geldinstitute in Turbulenzen, ist auch mit Schwierigkeiten für die Versicherungsbranche zu rechnen.

Die aktuellen Zahlen bestätigen das große Engagement der Versicherer bei Bankhäusern. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft fließen rund 190 Milliarden Euro der Assekuranzgelder direkt an Geldinstitute zur Refinanzierung von Darlehen und Schuldscheindarlehen. Zusätzlich hält die Versicherungswirtschaft Pfandbriefe im Wert von 300 Milliarden Euro.

Die Banken fürchten nun, die BaFin könnte die Versicherungsgesellschaften auffordern ihre Ausleihungen und Beteiligungen deutlich zurückzufahren. Dies könnte wiederum die Krise der Geldhäuser verschärfen, denn sie haben bereits zum jetzigen Zeitpunkt Schwierigkeiten Käufer für unbesicherte Anleihen zu finden. Hier erwiesen sich die Versicherer bisher als verlässliche und treue Anleger.

Eine rechtliche Handhabe hat die BaFin allerdings nicht, um die Aktivitäten der Assekuranz bei den Geldinstituten einzudämmen. „Es gibt keinerlei Druck der BaFin auf Versicherer, ihr Engagement bei den Banken zu reduzieren“, sagte eine Sprecherin der Finanzaufsicht gegenüber der Financial Times Deutschland. „Dies entspräche auch gar nicht den juristischen Möglichkeiten der BaFin. Wir können den Versicherern nicht sagen, wo sie investieren sollen.“

Solvency II erschwert bereits Bankenengagement

Auch wenn die BaFin nur begrenzt einschreiten kann, so bewirken bereits die Pläne für die neuen EU-Eigenkapitalregeln (Solvency II), dass dem Engagement der Versicherungsgesellschaften bei Bankhäusern zukünftig Grenzen gesetzt sind. Demnach müssen Versicherer für die Beteiligung an einer Bank im Standard-Risikomodell 100 Prozent als Eigenkapital unterlegen. Paradox: Bei Staatsanleihen von Euro-Ländern beträgt die geforderte Unterlegung Null Prozent.
„Das unterstellt, dass keine Bankbeteiligung werthaltig ist“, klagte ein hochrangiger Versicherungsmanager gegenüber der Financial Times. Er äußerte die Vermutung, dass die BaFin indirekt das Investment der Branche in Staatsanleihen fördern wolle.

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Bei der Umfrage sollen die Versicherungsgesellschaften auch melden, wie sich die deutschen und ausländischen Staatsanleihen entwickelt haben. Neben griechischen Staatspapieren hat die Finanzaufsicht auch die Anleihen von Italien, Spanien und Portugal im Blick. So ist die der Marktführer Allianz allein mit 29 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen engangiert.