Unfallversicherung: Die größten Bestandsverluste
Die private Unfallversicherung zeigt sich 2024 wirtschaftlich stabil und gehört zu den profitabelsten Sparten im Kompositgeschäft. Gleichzeitig bleibt das Wachstum begrenzt – und verteilt sich ungleich. Versicherungsbote analysiert, welche Anbieter in diesem Umfeld die größten Bestandsverluste verzeichnen.

- Unfallversicherung: Die größten Bestandsverluste
- Zehntgrößter Bestandsverlust: Dialog Versicherung (−8.868 Verträge)
- Neuntgrößter Bestandsverlust: Baloise Sachversicherung (−10.202 Verträge)
- Achtgrößter Bestandsverlust: Nürnberger Allgemeine (−12.875 Verträge)
- Siebtgrößter Bestandsverlust: HDI Versicherung (−13.311 Verträge)
- Sechstgrößter Bestandsverlust: Ergo Direkt (−14.474 Verträge)
- Fünftgrößter Bestandsverlust: R+V Allgemeine (−15.354 Verträge)
- Viertgrößter Bestandsverlust: DEVK Allgemeine (−19.382 Verträge)
- Drittgrößter Bestandsverlust: Axa (−25.802 Verträge)
- Zweitgrößter Bestandsverlust: Ergo (−57.277 Verträge)
- Größter Bestandsverlust: Allianz (−64.506 Verträge)
Ein Blick auf die Kennzahlen der Unfallversicherer zeigt zunächst ein nahezu ideales Bild: Mit einer durchschnittlichen Schaden-Kosten-Quote von 76,65 Prozent erreicht die Unfallversicherung 2024 nicht nur den besten Wert seit Jahren, sondern auch den aktuell besten Wert aller großen Kompositsparten. Die Sparte arbeitet damit auf einem außergewöhnlich hohen Profitabilitätsniveau, während Schadenaufwendungen und Kosten insgesamt gut kontrollierbar bleiben. Auch die Prämien entwickeln sich weiter positiv.
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Hohe Profitabilität, begrenztes Wachstum
Trotz dieser starken Ausgangslage bleibt die Marktdynamik schwach. Die gebuchten Bruttoprämien steigen im Durchschnitt von 126,38 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 128,24 Millionen Euro im Jahr 2024, ein Zuwachs von 1,86 Millionen Euro beziehungsweise 1,5 Prozent. Gleichzeitig wächst der Vertragsbestand nur leicht von 587.704 auf 591.002 Policen je Anbieter, was einem Plus von 0,6 Prozent entspricht. Das Wachstum bleibt damit deutlich hinter der Profitabilitätsentwicklung zurück.
Markt weitgehend gesättigt
Entscheidend ist dabei die Verteilung: Nur 17 der 50 größten Unfallversicherer bauen ihre Bestände aus, während die Mehrheit stagnierende oder rückläufige Vertragszahlen verzeichnet. Der durchschnittliche Bestandszuwachs von 3.298 Policen je Anbieter verteilt sich damit äußerst ungleich über den Markt. In einem solchen Umfeld entstehen Gewinne an Reichweite vor allem zulasten anderer Anbieter. Bestandsverluste sind vor diesem Hintergrund weniger Ausdruck operativer Schwäche als vielmehr Folge struktureller Marktbedingungen.
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In einem weitgehend gesättigten Markt entscheiden Positionierung, Vertrieb und Zielgruppenansprache darüber, welche Anbieter wachsen – und welche Bestände verlieren. Vor diesem Hintergrund richtet Versicherungsbote den Blick auf jene Unfallversicherer, die 2024 die größten absoluten Bestandsverluste verzeichnen – und ordnet ihre Entwicklung im Kontext von Marktstruktur und Geschäftsmodell über weitere Kennzahlen ein.
Zehntgrößter Bestandsverlust: Dialog Versicherung (−8.868 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Dialog Versicherung sinkt 2024 um 8.868 Verträge beziehungsweise 7,1 Prozent auf 116.086 Policen, nach 124.954 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 42 von 50 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 162.213 Verträgen entspricht dies einem Minus von 46.127 Policen beziehungsweise rund 28,4 Prozent.
Wirtschaftlich liegt die Generali-Tochter über ihrer Bestandsposition. Mit 39,03 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,57 Prozent und Rang 34 nach Prämien ergibt sich eine Differenz von acht Plätzen. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich aus.
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Prämienprofil: klar im Hochpreissegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 303,39 Euro im Jahr 2019 über 314,47 Euro im Jahr 2023 auf 336,22 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Spitzenposition: Nur vier Anbieter verlangen höhere Prämien. Die Dialog gehört damit eindeutig zum Hochpreissegment, was typisch für einen Maklerversicherer mit stärker risikodifferenziertem Geschäft ist.
Schadenentwicklung: entsprechend hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag sinken leicht von 182,88 Euro im Jahr 2019 über 171,98 Euro im Jahr 2023 auf 164,20 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich dennoch ein hoher Wert: Sechs Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, die große Mehrheit niedrigere. Preisniveau und Schadenbelastung bewegen sich damit konsistent im oberen Segment.
Einordnung: Hochpreisstrategie bei rückläufigem Bestand
Die Kombination aus sehr hohen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen zeigt ein klares, auf höherwertige Risiken ausgerichtetes Geschäftsmodell. Anders als im Niedrigpreissegment entstehen zusätzliche Verträge hier nicht über Breite, sondern über selektive Risikodeckung.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. In einem gesättigten Marktumfeld ist Wachstum in solchen Segmenten begrenzt und stärker von der Nachfrage nach spezifischen Risiken abhängig. Gleichzeitig können externe Faktoren wie steigende Schadendurchschnitte oder inflationsbedingte Kostensteigerungen die Entwicklung zusätzlich beeinflussen, da sie sowohl Prämien als auch Schadenaufwendungen auf einem erhöhten Niveau halten.
Neuntgrößter Bestandsverlust: Baloise Sachversicherung (−10.202 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Baloise Sachversicherung sinkt 2024 um 10.202 Verträge beziehungsweise 2,3 Prozent auf 440.180 Policen, nach 450.382 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 19 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch weiterhin ein Aufbau: Gegenüber 2019 mit 426.585 Verträgen entspricht dies einem Plus von 13.595 Policen beziehungsweise rund 3,2 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Baloise stärker positioniert als es der Bestand vermuten lässt. Mit 119,31 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,76 Prozent und Rang 14 nach Prämien liegt sie fünf Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl. Das Beitragsvolumen je Vertrag fällt damit überdurchschnittlich aus.
Prämienprofil: oberes Mittelfeld
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt kontinuierlich von 253,97 Euro im Jahr 2019 über 266,71 Euro im Jahr 2023 auf 271,05 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 16 Anbieter verlangen höhere Prämien, 33 sind günstiger. Die Baloise bewegt sich damit oberhalb des breiten Marktdurchschnitts, ohne in das Hochpreissegment vorzustoßen.
Schadenentwicklung: nach Ausreißer wieder auf strukturellem Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen eine auffällige Bewegung. Nach 99,91 Euro im Jahr 2019 steigen sie 2023 deutlich auf 152,79 Euro, bevor sie 2024 wieder auf 122,29 Euro zurückgehen. Der Sechs-Jahres-Durchschnitt von 119,43 Euro bestätigt, dass das hohe Niveau von 2023 als Ausreißer zu werten ist. Im Marktvergleich ergibt sich 2024 eine mittlere Position: 32 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 17 höhere. Das Niveau entspricht damit weitgehend der Prämienpositionierung.
Einordnung: ausgewogene Struktur ohne starke Wachstumsimpulse
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und entsprechend mittleren bis leicht erhöhten Schadenaufwendungen ergibt ein stimmiges Verhältnis von Beitrag und Risiko. Auffällige strukturelle Verschiebungen sind nicht erkennbar.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. In einem gesättigten Marktumfeld entstehen zusätzliche Wachstumsimpulse vor allem aus klaren Positionierungen – etwa im Niedrigpreissegment oder in spezialisierten Hochrisikobereichen. Ein ausgewogenes Geschäftsmodell wie bei der Baloise bietet Stabilität, generiert jedoch weniger dynamische Wachstumsimpulse.
Achtgrößter Bestandsverlust: Nürnberger Allgemeine (−12.875 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Nürnberger Allgemeinen sinkt 2024 um 12.875 Verträge beziehungsweise 3,7 Prozent auf 337.364 Policen, nach 350.239 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 25 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 427.701 Verträgen entspricht dies einem Minus von 90.337 Policen beziehungsweise rund 21,1 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Position etwas stärker als es die Bestandsgröße nahelegt. Mit 81,01 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,19 Prozent und Rang 19 nach Prämien liegt die Nürnberger sechs Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl.
Prämienprofil: mittleres Marktsegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 221,18 Euro im Jahr 2019 über 238,81 Euro im Jahr 2023 auf 240,12 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im Mittelfeld: 29 Anbieter verlangen höhere Prämien, 20 sind günstiger. Das Preisniveau liegt damit nahe am Marktdurchschnitt.
Schadenentwicklung: moderates Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 49,41 Euro im Jahr 2019 über 64,76 Euro im Jahr 2023 leicht auf 61,90 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine günstige Position: 35 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 14 niedrigere. Die Schadenbelastung bleibt damit unterdurchschnittlich.
Einordnung: solide Struktur ohne Wachstumsimpulse
Die Kombination aus durchschnittlichen Prämien und gleichzeitig unterdurchschnittlichen Schadenaufwendungen ergibt ein stabiles Verhältnis von Beitrag und Risiko. Auffällige strukturelle Spannungen sind nicht erkennbar, allerdings auch keine klaren Wachstumsimpulse.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. In einem gesättigten Markt verlagert sich das Wachstum zunehmend in klar definierte Segmente – insbesondere in das Niedrigpreissegment sowie in digital und vertrieblich skalierbare Modelle. Anbieter im breiten Mittelfeld geraten dadurch relativ unter Druck und verlieren Marktanteile an die Konkurrenz.
Siebtgrößter Bestandsverlust: HDI Versicherung (−13.311 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der HDI Versicherung sinkt 2024 um 13.311 Verträge beziehungsweise 3,7 Prozent auf 348.545 Policen, nach 361.856 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 22 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich setzt sich der Rückgang fort: Gegenüber 2019 mit 423.940 Verträgen entspricht dies einem Minus von 75.395 Policen beziehungsweise rund 17,8 Prozent.
Wirtschaftlich liegt die Position nahezu deckungsgleich mit der Bestandsgröße. Mit 61,90 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,91 Prozent und Rang 23 nach Prämien ergibt sich kaum eine Abweichung zwischen Volumen- und Bestandsrang.
Prämienprofil: unteres bis mittleres Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt moderat von 159,97 Euro im Jahr 2019 über 175,27 Euro im Jahr 2023 auf 177,58 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine eher niedrigere Positionierung: 37 Anbieter verlangen höhere Prämien, 13 sind günstiger. Der HDI bewegt sich damit unterhalb des Marktdurchschnitts, ohne klar im Niedrigpreissegment zu liegen.
Schadenentwicklung: moderates Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich leicht rückläufig. Nach 78,66 Euro im Jahr 2019 und 80,69 Euro im Jahr 2023 liegen sie 2024 bei 76,24 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im unteren Mittelfeld: 19 Anbieter weisen niedrigere Schadenaufwendungen auf, 30 höhere. Die Schadenbelastung bleibt damit insgesamt moderat.
Einordnung: ausgeglichene Positionierung
Die Kombination aus eher unterdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein insgesamt ausgeglichenes Verhältnis von Beitrag und Risiko. Auffällige Ausschläge zeigen sich weder auf der Preis- noch auf der Schadenseite.
Der Bestandsrückgang fügt sich in dieses Bild ein. In einem Marktumfeld mit insgesamt begrenzter Dynamik entstehen Bestandszuwächse vor allem in klar positionierten Segmenten. Anbieter mit ausgewogenen, aber weniger ausgeprägten Profilen weisen dagegen häufiger stagnierende oder rückläufige Bestände auf.
Sechstgrößter Bestandsverlust: Ergo Direkt (−14.474 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Ergo Direkt sinkt 2024 um 14.474 Verträge beziehungsweise 8,1 Prozent auf 164.570 Policen, nach 179.044 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 39 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 226.857 Verträgen entspricht dies einem Minus von 62.287 Policen beziehungsweise rund 27,5 Prozent.
Wirtschaftlich ordnet sich Ergo Direkt im hinteren Bereich der Sparte ein. Mit 30,18 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,44 Prozent und Rang 40 nach Prämien entspricht die Position weitgehend der Bestandsgröße. Auffällig ist zugleich dennoch die Bedeutung der Unfallversicherung innerhalb des Geschäftsmodells: Mit einem Anteil von 17,35 Prozent am direkten Kompositgeschäft liegt sie über dem Branchendurchschnitt von 14,86 Prozent.
Prämienprofil: unteres Marktsegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 160,73 Euro im Jahr 2019 über 180,43 Euro im Jahr 2023 auf 183,39 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich dennoch eine Position im unteren Bereich: 35 Anbieter verlangen höhere Prämien, 14 sind günstiger. Das Preisniveau liegt damit unterhalb des Marktdurchschnitts, ohne zu den günstigsten Anbietern zu zählen.
Schadenentwicklung: moderates Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich uneinheitlich. Nach 59,58 Euro im Jahr 2019 sinken sie zunächst auf 50,79 Euro im Jahr 2023, bevor sie 2024 wieder auf 61,51 Euro ansteigen. Im Marktvergleich ergibt sich eine günstige Position: 36 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 13 niedrigere. Die Schadenbelastung bleibt damit insgesamt moderat.
Einordnung: Preiswettbewerb mit begrenzter Differenzierung
Die Kombination aus unterdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig moderaten Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im unteren Marktsegment. Zwar bewegt sich die Ergo Direkt im Preiswettbewerb, liegt jedoch innerhalb der Direktversicherer über besonders preisgünstigen Anbietern wie der HUK24 und auch über Wettbewerbern wie Cosmos. In einem Markt, in dem Wachstum insbesondere über sehr niedrige Preise oder besonders effiziente Vertriebsmodelle erfolgt, könnte diese Positionierung ein Faktor dafür sein, dass zusätzliche Bestandszuwächse schwerer zu realisieren sind.
Fünftgrößter Bestandsverlust: R+V Allgemeine (−15.354 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der R+V Allgemeinen sinkt 2024 um 15.354 Verträge beziehungsweise 1,1 Prozent auf 1.326.798 Policen, nach 1.342.152 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 7 nach Bestandsgröße und gehört weiterhin zu den größten Anbietern im Markt. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.395.185 Verträgen entspricht dies einem Minus von 68.387 Policen beziehungsweise rund 4,9 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Position deutlich stärker. Mit 455,27 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 6,70 Prozent und Rang 3 nach Prämien zählt die R+V zu den größten Unfallversicherern Deutschlands und liegt vier Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl.
Prämienprofil: klar im oberen Segment mit Schwankungen
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt insgesamt deutlich, zeigt jedoch eine auffällige Volatilität. Nach 297,20 Euro im Jahr 2019 entwickelt sich der Wert über Zwischenbewegungen (325,60 Euro im Jahr 2021, 298,40 Euro im Jahr 2022) auf 309,48 Euro im Jahr 2023 und schließlich auf 343,14 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich gehört die R+V damit zu den teuersten Anbietern – nur drei Unternehmen verlangen höhere Prämien.
Schadenentwicklung: entsprechend hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag bewegen sich ebenfalls auf einem hohen Niveau. Nach 233,78 Euro im Jahr 2019 und 223,99 Euro im Jahr 2023 steigen sie 2024 auf 232,63 Euro. Im Marktvergleich entspricht dies den vierthöchsten Schadenaufwendungen. Preisniveau und Schadenbelastung stehen damit in einem klar korrespondierenden Verhältnis im oberen Marktsegment.
Einordnung: Wachstum im Hochpreissegment strukturell begrenzt
Die Kombination aus hohen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen entspricht einer klaren Positionierung im oberen Marktsegment. Auffällig ist dabei die Schwankungsbreite bei den Durchschnittsprämien, die auf Anpassungen in der Tarif- und Bestandsstruktur hindeutet.
In einem weitgehend gesättigten Markt könnte Wachstum unter solchen Bedingungen strukturell begrenzt sein. Zusätzliche Verträge entstehen im Hochpreissegment typischerweise nicht über Breite, sondern über selektive Nachfrage nach höherwertigem Versicherungsschutz. Gleichzeitig verlagern sich Wachstumsimpulse verstärkt in preisgünstigere oder besonders effizient skalierbare Segmente.
Viertgrößter Bestandsverlust: DEVK Allgemeine (−19.382 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der DEVK Allgemeinen sinkt 2024 um 19.382 Verträge beziehungsweise 2,1 Prozent auf 899.800 Policen, nach 919.182 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 11 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 961.844 Verträgen entspricht dies einem Minus von 62.044 Policen beziehungsweise rund 6,4 Prozent.
Wirtschaftlich ordnet sich die Gesellschaft im oberen Mittelfeld ein. Mit 141,55 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,08 Prozent und Rang 12 nach Prämien entspricht die Position weitgehend der Bestandsgröße.
Prämienprofil: unteres Marktsegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 126,67 Euro im Jahr 2019 über 151,82 Euro im Jahr 2023 auf 157,31 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich dennoch eine klare Position im unteren Bereich: 38 Anbieter verlangen höhere Prämien, 11 sind günstiger. Die DEVK Allgemeine gehört damit zu den preisgünstigeren Anbietern der Sparte, ohne zu den niedrigsten Prämienniveaus vorzustoßen.
Schadenentwicklung: sehr niedriges Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 35,24 Euro im Jahr 2019 über 50,12 Euro im Jahr 2023 leicht auf 49,58 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine sehr günstige Position: 40 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, nur neun niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit deutlich unter dem Marktdurchschnitt.
Einordnung: günstiges Segment mit begrenzter Wachstumsdynamik
Die Kombination aus niedrigen Prämien und gleichzeitig sehr geringen Schadenaufwendungen ergibt ein konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im unteren Marktsegment. Trotz dieser günstigen Ausgangslage zeigt sich jedoch kein Bestandsaufbau. Im unteren Preissegment ist der Wettbewerb besonders ausgeprägt, da mehrere Anbieter mit sehr niedrigen Prämien und skalierbaren Modellen um Marktanteile konkurrieren. Vor diesem Hintergrund könnte die Positionierung der DEVK zwar preislich attraktiv sein, im direkten Vergleich jedoch nicht ausreichen, um zusätzliche Wachstumsimpulse zu setzen.
Drittgrößter Bestandsverlust: Axa (−25.802 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Axa sinkt 2024 um 25.802 Verträge beziehungsweise 3,8 Prozent auf 654.149 Policen, nach 679.951 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 14 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 784.371 Verträgen entspricht dies einem Minus von 130.222 Policen beziehungsweise rund 16,6 Prozent.
Wirtschaftlich bleibt die Position klar stärker. Mit 200,58 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,95 Prozent und Rang 8 nach Prämien liegt die Axa sechs Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl und gehört damit weiterhin zur oberen Marktgruppe.
Prämienprofil: gehobenes Segment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 290,26 Euro im Jahr 2019 über 302,08 Euro im Jahr 2023 auf 306,63 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im gehobenen Segment: Neun Anbieter verlangen höhere Prämien, die große Mehrheit liegt darunter. Die Axa bewegt sich damit klar oberhalb des Marktdurchschnitts.
Schadenentwicklung: sehr hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 208,57 Euro im Jahr 2019 über 233,90 Euro im Jahr 2023 auf 254,92 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich entspricht dies den dritthöchsten Schadenaufwendungen der gesamten Branche. Preisniveau und Schadenbelastung liegen damit auf einem durchgängig hohen Niveau.
Einordnung: anspruchsvolle Position im oberen Segment
Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig sehr hohen Schadenaufwendungen zeigt – ähnlich wie bei der R+V – ein insgesamt konsistentes Verhältnis von Beitrag und Risiko im oberen Marktsegment. Beide Größen bewegen sich auf einem erhöhten Niveau und stehen in einem nachvollziehbaren Zusammenhang.
Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. Wachstum entsteht im oberen Segment typischerweise selektiv und weniger über breite Marktanteilsgewinne. Gleichzeitig kann ein steigendes Schadenniveau dazu beitragen, dass sich die Prämienbasis weiter erhöht. Unter diesen Bedingungen bleibt die Ausweitung des Bestands tendenziell begrenzt, insbesondere im Vergleich zu preisgünstigeren oder stärker skalierenden Marktsegmenten.
Zweitgrößter Bestandsverlust: Ergo (−57.277 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Ergo sinkt 2024 um 57.277 Verträge beziehungsweise 3,9 Prozent auf 1.421.925 Policen, nach 1.479.202 im Vorjahr. Damit erreicht die Gesellschaft Rang 6 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.732.602 Verträgen entspricht dies einem Minus von 310.677 Policen beziehungsweise rund 17,9 Prozent.
Wirtschaftlich bleibt die Position deutlich stärker. Mit 559,95 Millionen Euro Bruttoprämien, einem Marktanteil von 8,24 Prozent und Rang 2 nach Prämien ist die Ergo der zweitgrößte Unfallversicherer im Markt und liegt vier Plätze vor ihrer Position nach Vertragszahl. Damit zeigt sich – wie bereits bei anderen großen Anbietern – eine höhere Wertigkeit des Bestands.
Prämienprofil: Spitzenposition im Markt
Die Durchschnittsprämie je Vertrag steigt von 349,13 Euro im Jahr 2019 über 385,04 Euro im Jahr 2023 auf 393,80 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich damit die höchste Durchschnittsprämie aller Anbieter. Die Ergo positioniert sich damit klar im Hochpreissegment – im Gegensatz zur eigenen Direkttochter Ergo Direkt, die im unteren Preissegment agiert.
Schadenentwicklung: entsprechend hohes Niveau
Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 147,42 Euro im Jahr 2019 über 176,49 Euro im Jahr 2023 auf 200,20 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein entsprechend hohes Niveau: Nur vier Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf. Preisniveau und Schadenbelastung bewegen sich damit konsistent im oberen Segment.
Einordnung: Hochpreissegment mit begrenzter Breitenwirkung
Die Kombination aus sehr hohen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen entspricht einer klaren Positionierung im oberen Marktsegment. In Verbindung mit den zuvor betrachteten Entwicklungen bei R+V, Axa und Dialog zeigt sich ein konsistentes Muster: Mehrere Anbieter im Hochpreissegment verzeichnen 2024 rückläufige Bestände. Die Ergo steht dabei für das Gegenstück zur Ergo Direkt innerhalb desselben Konzerns. Während die Direkttochter über ein preisgünstiges, stark standardisiertes Modell agiert, ist das Geschäft der Ergo auf höherwertige Risiken und entsprechend höhere Beiträge ausgerichtet.
Größter Bestandsverlust: Allianz (−64.506 Verträge)
Der Unfallversicherungsbestand der Allianz sinkt 2024 um 64.506 Verträge beziehungsweise 1,5 Prozent auf 4.239.486 Policen, nach 4.303.992 im Vorjahr. Damit bleibt die Allianz mit großem Abstand der größte Anbieter der Sparte. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 4.475.526 Verträgen entspricht dies einem Minus von 236.040 Policen beziehungsweise rund 5,3 Prozent.
Wirtschaftlich ist die Marktstellung weiterhin herausragend. Die gebuchten Bruttoprämien sinken leicht von 1.182,57 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 1.178,99 Millionen Euro im Jahr 2024, bleiben damit jedoch auf sehr hohem Niveau. Mit einem Marktanteil von 17,36 Prozent und Rang 1 nach Prämien vereint die Allianz weiterhin knapp ein Fünftel des gesamten Marktes auf sich.
Prämienprofil: oberes Marktsegment
Die Durchschnittsprämie je Vertrag liegt 2024 bei 278,10 Euro, nach 274,76 Euro im Jahr 2023 und 297,43 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 14 Anbieter verlangen höhere Prämien, 35 niedrigere. Das Preisniveau liegt damit über dem Marktdurchschnitt, ohne die Spitzenwerte anderer Hochpreisanbieter zu erreichen.
Schadenentwicklung: außergewöhnlich hohe Belastung
Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen eine ungewöhnliche Entwicklung. Nach 250,18 Euro im Jahr 2019 steigen sie 2023 deutlich auf 308,08 Euro und erreichen damit den höchsten Durchschnittswert im gesamten Markt. Im Jahr 2024 gehen sie zwar wieder auf 247,69 Euro zurück, stellen im Marktvergleich jedoch weiterhin den höchsten Wert dar. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Schaden-Kosten-Quote wider: Mit 122,55 Prozent weist die Allianz 2024 den mit Abstand höchsten Wert der gesamten Branche auf. Auch im Sechs-Jahres-Durchschnitt liegt die Quote mit 121,01 Prozent durchgehend über der 100-Prozent-Marke.
Einordnung: strukturelle Besonderheit der Unfallversicherung
Auf den ersten Blick ergibt sich ein widersprüchliches Bild. In anderen Kompositsparten würden derart hohe Schaden-Kosten-Quoten auf eine unzureichende Profitabilität hindeuten. In der Unfallversicherung gilt diese Logik jedoch nur eingeschränkt: Trotz der höchsten Combined Ratio erzielt die Allianz 2024 mit 213,01 Millionen Euro erneut das mit Abstand beste versicherungstechnische Ergebnis der Branche. Kein anderer Anbieter erreicht eine vergleichbare Größenordnung (Versicherungsbote berichtete).
Die Differenz erklärt sich nicht durch Rückversicherung: Zwar liegt die Rückversicherungsquote mit 30,11 Prozent auf einem erhöhten Niveau, das Ergebnis aus passiver Rückversicherung ist mit −61,93 Millionen Euro jedoch klar negativ. Die hohe Ertragskraft entsteht vielmehr aus strukturellen Effekten der Unfallversicherung, insbesondere aus langfristigen Reserve- und Abwicklungsergebnissen.
Gleichzeitig verfügt die Allianz über einen Bestand, der dem Wettbewerb deutlich voraus ist. Diese Größenordnung ermöglicht es, auch bei erhöhten Schadenaufwendungen stabile Ergebnisse zu erzielen. Die Kennzahlen zeigen jedoch, dass die Schadenbelastung im Verhältnis zum Prämienniveau hoch bleibt. Die Kalkulation dürfte damit stärker auf strukturelle Effekte wie Bestandsgröße und langfristige Ergebnisbeiträge ausgerichtet sein als auf kurzfristige technische Margen.
Vor diesem Hintergrund ist auch der Bestandsrückgang einzuordnen. Selbst größere absolute Veränderungen fallen angesichts der Bestandsgröße relativ moderat aus. Wachstum bleibt auf diesem Niveau naturgemäß begrenzt, ohne dass dies die marktführende Position der Allianz infrage stellt.
Hintergrund
Die Auswertung basiert auf dem Branchenmonitor 2025: Unfallversicherung der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Untersucht werden die 50 größten Unfallversicherer in Deutschland, die zusammen rund 94 Prozent des Marktes abdecken. Der Branchenmonitor wertet eine Vielzahl zentraler Kennzahlen aus, darunter Bestandszahlen, gebuchte Bruttoprämien, Durchschnittsprämien je Vertrag sowie Schadenaufwendungen.
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Die Analyse umfasst dabei den Zeitraum von 2019 bis 2024 und ermöglicht sowohl kurzfristige als auch langfristige Einordnungen der Marktentwicklung. Die vollständige Studie mit detaillierten Kennzahlen und weiteren Auswertungen kann kostenpflichtig über die V.E.R.S. Leipzig GmbH bezogen werden.
- Unfallversicherung: Die größten Bestandsverluste
- Zehntgrößter Bestandsverlust: Dialog Versicherung (−8.868 Verträge)
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- Sechstgrößter Bestandsverlust: Ergo Direkt (−14.474 Verträge)
- Fünftgrößter Bestandsverlust: R+V Allgemeine (−15.354 Verträge)
- Viertgrößter Bestandsverlust: DEVK Allgemeine (−19.382 Verträge)
- Drittgrößter Bestandsverlust: Axa (−25.802 Verträge)
- Zweitgrößter Bestandsverlust: Ergo (−57.277 Verträge)
- Größter Bestandsverlust: Allianz (−64.506 Verträge)
