Wirtschaftlich ist die Marktstellung weiterhin herausragend. Die gebuchten Bruttoprämien sinken leicht von 1.182,57 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 1.178,99 Millionen Euro im Jahr 2024, bleiben damit jedoch auf sehr hohem Niveau. Mit einem Marktanteil von 17,36 Prozent und Rang 1 nach Prämien vereint die Allianz weiterhin knapp ein Fünftel des gesamten Marktes auf sich.

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Prämienprofil: oberes Marktsegment

Die Durchschnittsprämie je Vertrag liegt 2024 bei 278,10 Euro, nach 274,76 Euro im Jahr 2023 und 297,43 Euro im Jahr 2019. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 14 Anbieter verlangen höhere Prämien, 35 niedrigere. Das Preisniveau liegt damit über dem Marktdurchschnitt, ohne die Spitzenwerte anderer Hochpreisanbieter zu erreichen.

Schadenentwicklung: außergewöhnlich hohe Belastung

Die Schadenaufwendungen je Vertrag zeigen eine ungewöhnliche Entwicklung. Nach 250,18 Euro im Jahr 2019 steigen sie 2023 deutlich auf 308,08 Euro und erreichen damit den höchsten Durchschnittswert im gesamten Markt. Im Jahr 2024 gehen sie zwar wieder auf 247,69 Euro zurück, stellen im Marktvergleich jedoch weiterhin den höchsten Wert dar. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Schaden-Kosten-Quote wider: Mit 122,55 Prozent weist die Allianz 2024 den mit Abstand höchsten Wert der gesamten Branche auf. Auch im Sechs-Jahres-Durchschnitt liegt die Quote mit 121,01 Prozent durchgehend über der 100-Prozent-Marke.

Einordnung: strukturelle Besonderheit der Unfallversicherung

Auf den ersten Blick ergibt sich ein widersprüchliches Bild. In anderen Kompositsparten würden derart hohe Schaden-Kosten-Quoten auf eine unzureichende Profitabilität hindeuten. In der Unfallversicherung gilt diese Logik jedoch nur eingeschränkt: Trotz der höchsten Combined Ratio erzielt die Allianz 2024 mit 213,01 Millionen Euro erneut das mit Abstand beste versicherungstechnische Ergebnis der Branche. Kein anderer Anbieter erreicht eine vergleichbare Größenordnung (Versicherungsbote berichtete).

Die Differenz erklärt sich nicht durch Rückversicherung: Zwar liegt die Rückversicherungsquote mit 30,11 Prozent auf einem erhöhten Niveau, das Ergebnis aus passiver Rückversicherung ist mit −61,93 Millionen Euro jedoch klar negativ. Die hohe Ertragskraft entsteht vielmehr aus strukturellen Effekten der Unfallversicherung, insbesondere aus langfristigen Reserve- und Abwicklungsergebnissen.

Gleichzeitig verfügt die Allianz über einen Bestand, der dem Wettbewerb deutlich voraus ist. Diese Größenordnung ermöglicht es, auch bei erhöhten Schadenaufwendungen stabile Ergebnisse zu erzielen. Die Kennzahlen zeigen jedoch, dass die Schadenbelastung im Verhältnis zum Prämienniveau hoch bleibt. Die Kalkulation dürfte damit stärker auf strukturelle Effekte wie Bestandsgröße und langfristige Ergebnisbeiträge ausgerichtet sein als auf kurzfristige technische Margen.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Bestandsrückgang einzuordnen. Selbst größere absolute Veränderungen fallen angesichts der Bestandsgröße relativ moderat aus. Wachstum bleibt auf diesem Niveau naturgemäß begrenzt, ohne dass dies die marktführende Position der Allianz infrage stellt.

Hintergrund

Die Auswertung basiert auf dem Branchenmonitor 2025: Unfallversicherung der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Untersucht werden die 50 größten Unfallversicherer in Deutschland, die zusammen rund 94 Prozent des Marktes abdecken. Der Branchenmonitor wertet eine Vielzahl zentraler Kennzahlen aus, darunter Bestandszahlen, gebuchte Bruttoprämien, Durchschnittsprämien je Vertrag sowie Schadenaufwendungen.

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Die Analyse umfasst dabei den Zeitraum von 2019 bis 2024 und ermöglicht sowohl kurzfristige als auch langfristige Einordnungen der Marktentwicklung. Die vollständige Studie mit detaillierten Kennzahlen und weiteren Auswertungen kann kostenpflichtig über die V.E.R.S. Leipzig GmbH bezogen werden.

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