Im Großen und Ganzen würde ich schätzen, die Unternehmen haben durchschnittlich 35 Prozent Umsatzeinbuße zu verzeichnen. Dabei klafft die Schere aber weit auseinander: von Unternehmen mit 90 Prozent Einbruch des Umsatzes auf der einen Seite und, auf der anderen Seite, Unternehmen, die sogar den Umsatz um 15 Prozent steigern konnten. Handwerk ist zu vielschichtig, um das zu pauschalisieren. Natürlich waren Bäcker oder Fleischer im angebundenen Biergarten oder Eiscafé wesentlich stärker betroffen als reine Bäckereien. Viele Bäcker in Dresden beliefern auch Hotels und andere Firmen. Diese hatten ebenfalls erhebliche Umsatzverluste. Dagegen waren Schornsteinfeger so gut wie gar nicht von der Krise betroffen, weil der Brandschutz weiterhin aufrecht erhalten werden musste und alle Arbeiten ganz normal durchgeführt werden mussten ohne Änderung.

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Haben Sie auch bei ihrem Kundenstamm Auseinandersetzungen mit Blick auf Betriebsschließungs-Policen und Corona, etwa bei Konditorei- und Fleischereibetrieben? Wie nehmen Sie die Auseinandersetzungen zwischen Versicherern und Gewerbekunden aktuell wahr?

Nun: Ja! Es gab Auseinandersetzungen, Ängste und auch Unzufriedenheit mit der Vorgehensweise von den Versicherern. Ebenso war auch eine Klagebereitschaft zu spüren. Und in wenigen Fällen wurde die Klage auch zur Realität. Ebenso gab es aber auch auf Druck von mehreren Maklern in dieser Branche den Dialog mit den Versicherern und Lösungsansätze, die beide Seiten, Versicherte und Versicherer, zufrieden stimmten. Also wir hatten alles im Bestand. Aber auch hier ist die Masse der Kunden mit Kulanzentschädigungen von 30 Prozent bis 40 Prozent am Ende versöhnlich gestimmt worden.

Meine persönliche Meinung ist aber, dass diese Leistungen nicht ausreichen und es leider wieder eine große mediale Negativ-Presse-Welle für die Versicherer gegeben hat. Hier hätte die Branche von Anfang an direkt eine Entscheidung treffen müssen und angemessen helfen sollen, um dem Image „Versicherer zahlen, wenns drauf ankommt, eh nicht“ entgegenzuwirken. Wir konnten unsere Marke als Versicherungsmakler in dieser Zeit stärken. Viele Versicherer haben diese Gelegenheit aber leider zum Negativen genutzt.

Haben Sie Tipps für Versicherungsmakler, die auch Handwerker als Zielgruppe ansprechen wollen - und hier noch am Anfang stehen? Wie findet man den Einstieg?

Im Nachgang würde ich jedem empfehlen, nicht pauschal sich auf „das Handwerk“ zu spezialisieren, sondern die Spezialisierung noch spitzer anzugehen. Um Prozesse zu verschlanken und Konzepte zu entwicklen oder um sich überhaupt im Markt zu positionieren, braucht es eine noch klarere Zielgruppe. Deswegen sind wir inzwischen den Schritt gegangen, den Fokus auf das Lebensmittelhandwerk und das Schornsteinfegerhandwerk zu setzen… und nach und nach erst das Geschäft um eine neue Branche zu erweitern. Meine Empfehlung also ist: Sucht euch für den Anfang genau ein Gewerk aus und versucht dieses wirklich zu kennen und die beste Beratung für dieses Gewerk zu bieten durch euer Hintergrundwissen. Also positioniert euch in der Zielgruppe als der Spezialist für XY-Gewerk. Alles andere entwickelt sich durch etwas Strategie und auch einfach durch die Positionierung mit der Zeit.

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Die Fragen stellte Mirko Wenig

Hinweis: Der Text erschien zuerst im Versicherungsbote Fachmagazin