Nun, das ist sehr vielschichtig. Ein Schornsteinfeger hat oft ein breites zu erfragendes Arbeitsspektrum. Neben der behördlichen Arbeit und der Tätigkeit des Kehrens bedeutet das: Es kann auch gut sein, dass der Schornsteinfeger leichte Dachdeckerarbeiten durchführt oder gutachterliche Tätigkeiten, auch Energieberatung und vieles mehr. Diese unterschiedlichen Tätigkeiten schließt unser Konzept schwarz auf weiß pauschal mit ein, sodass einfach keine Deckungslücken mehr existieren. Für Bäckereien gibt es ja mehrere Sonderkonzepte am Markt, diese zielen immer auf eine All-Risk Deckung ab. Diese Konzepte haben wir aufgegriffen und in Nuancen für den Bäcker erweitert. So ist zum Beispiel das Thema Summengrenzen bei Bargeldentschädigung ein wichtiger Punkt. Bäckereien nehmen viel Bargeld ein. Und hier muss darauf geachtet werden, dass der „Weg des Geldes“ zu jedem Zeitpunkt abgesichert ist und vor allem in ausreichender Höhe. Das wären eventuell zwei einfache nachvollziehbare Deckungserweiterungen und Besonderheiten.

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Schornsteinfeger nennen Sie ebenfalls als einen Schwerpunkt auf Ihrer Webseite. Nun könnte man bei allen Sympathien als Glücksbringer etwas böse fragen: Ist das nicht ein aussterbender Beruf? Wie groß ist denn speziell hier die potentielle Zielgruppe?

Ich denke, der Schornsteinfeger-Beruf ist nach wie vor ein sehr angesehener und wichtiger Beruf. Das Thema Brandschutz wird auch in Zukunft hohe Priorität haben. Vielleicht ändert sich die Arbeit des Schornsteinfegers in ihrer Art und Weise. Aber ich bin überzeugt, dass dieser Beruf noch viele Jahrzehnte weiter existieren wird und dass sich neue Aufgabenfelder für Schornsteinfeger ergeben werden. Aktuell haben wir ca. 7.500 Inhaber in Deutschland und gut 18.000 Schornsteinfegergesellen. Das bedeutet: Die Zielgruppe ist zwar sehr klein, aber durch die durchschnittliche Haltbarkeit eines Kehrbezirks von 25 Jahren gibt es jährlich 300 neue Inhaber zu versorgen – für mich mehr als genug.

…was sind Risiken, die speziell Schornsteinfeger haben? Bzw. worauf sollten sie bei Abschluss einer Gewerbepolice achten?

Schornsteinfeger müssen nach aktuellen Gerichtsurteilen bis zu 30 Jahre für ihre Prüfung von Feuerstätten haften. Daher ist es enorm wichtig, dass in der Betriebshaftpflicht auch eine Nachhaftungszeit von 30 Jahren vereinbart ist. Außerdem sollten Schornsteinfeger eine ausreichend hohe Versicherungssumme für eine Betriebshaftpflichtversicherung wählen. Wir empfehlen hier 20 Millionen oder 25 Millionen Euro Deckung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Wichtig ist, dass auch alle Tätigkeiten des Schornsteinfegers in der Betriebshaftpflicht aufgenommen werden und eine Unterscheidung zwischen den hoheitlichen/ behördlichen Tätigkeiten getroffen wird und den normalen Schornsteinfeger-Tätigkeiten sowie der Energieberatung.

Auch im Gewerbebereich beginnen zunehmend Versicherer, standardisierte Tarife zu entwickeln, die online abgeschlossen werden können. Dabei gilt die Gewerbe-Versicherung als ein Bereich, der sehr individualisierte Konzepte und intensive Beratung erfordert. Können Sie sich einen Siegeszug des Direktgeschäftes auch bei Ihrer Zielgruppe vorstellen; bzw. wo sind hier die Grenzen?

Gerade mit unseren Policen kann ich mir eine Online-Abschlussstrecke und eine Beratung durch Erklärvideos durchaus in einigen einfachen Sparten wie der Elektronikversicherung und Inhaltsversicherung vorstellen. Aber im Handwerk ist die persönliche Note immer noch ein wertvolles Gut. Und wie eingangs im Interview erläutert, wollen die Handwerker gern das Thema Finanzen vertrauensvoll an einen Experten abgeben. Daraus resultiert für mich, dass ein Onlineabschluss gerade in dieser Zielgruppe schwieriger ist und mehr Erfolge eher durch eine zusätzliche Onlineberatung erzielt werden könnten.

Sie beraten auch zur betrieblichen Altersvorsorge. Gerade in kleinen Betrieben unter zehn Mitarbeitern haben laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung nur 28 Prozent eine Anwartschaft auf Betriebsrenten erworben. Was sind aus Ihrer Sicht Ursachen für diese Zurückhaltung?

Betriebliche Altersvorsorge ist oftmals nicht gleich verständlich und greifbar – und sie ist in kleineren Firmen auch immer mit einem Verwaltungsaufwand verbunden. Das bedeutet: Wenn zum Beispiel die Ehefrau die Buchhaltung erledigt, entsteht hier schnell Überforderung im Krankheitsfall von Mitarbeitern in der Elternzeit oder in ähnlichen Situationen. Das Konzept betriebliche Altersvorsorge bietet einfach viele Hürden und Barrieren in den Köpfen der Menschen, welche zu überwinden und zu entkräften sind, damit keine Vorurteile und Ängste den Weg zu Integration verwehren.

…und wie kann man auch in kleine Firmen überzeugen, Betriebsrenten anzubieten?

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Das ist oft sehr individuell. Aber überwiegen die Vorteile und ein gutes Serviceangebot durch den Versicherungsmakler, lassen sich viele Firmen von der Betriebsrente überzeugen. Ich denke auch: Neue Wege wie flexible Formen der betrieblichen Krankenversicherung oder betriebliche Altersvorsorge in Kombination mit verschiedenen steuerfreien Lohnbestandteilen machen das Thema attraktiver für die Mitarbeiter und auch für die Arbeitgeber. Denn es entsteht dadurch ein intelligentes Lohnsystem. Mit solchen Kombinationen und Innovationen wird der Arbeitgeber auch attraktiv für neue Mitarbeiter und unterstützt die Motivation und Bindung bisheriger Mitarbeiter.