Wer gesetzlich rentenversichert ist, hat einen Rechtsanspruch darauf, sich kostenlos und umfassend zu seinen Alterseinkünften beraten zu lassen — und zwar über alle Vorsorgeformen hinweg. 163 Auskunfts- und Beratungsstellen halten die 16 Träger der Rentenversicherung hierfür bereit. Und ihre Tätigkeit wird umso wichtiger, je mehr sich die Deutschen nicht auf ihre gesetzliche Rente verlassen sollen, sondern darüber hinaus vorsorgen sollen. Sie müssen sich durch einen Flickenteppich aus gesetzlicher Rente, betrieblichen Anwartschaften und privater Vorsorge kämpfen: da ist es schwer, den Überblick zu behalten.

Anzeige

Aber was taugt diese Rentenberatung? Um das herauszufinden, hat die „Stiftung Warentest“ 80 geschulte Frauen und Männer losgeschickt, um in Testgesprächen die Qualität zu ermitteln. Das Ergebnis ist ernüchternd. Es hake an „vielen Ecken und Enden“, und viel zu selten hätten die Berater den Testern weiterhelfen und den Bedarf aufzeigen können. Das Gesamtergebnis: „insgesamt schwach“ bzw. „ausreichend“ (Schulnote 3,8).

Gesamtüberblick: Note „mangelhaft“

Ein erstes Manko bestand bereits darin, dass bei etwa der Hälfte der Fälle die Terminvereinbarung nicht reibungslos lief bzw. sich die Ratsuchenden lange gedulden mussten. Mehr als vier Monate sollte sich zum Beispiel eine Testerin in Rheinland-Pfalz gedulden, berichtet die Stiftung in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest (10/2019). Teilweise seien die Testenden auch an Beratungsstellen in anderen Städten verwiesen worden.

Im konkreten Gespräch wollten die Tester dann wissen, wie hoch ihre Altersrente sein wird, wo Vorsorgelücken drohen, was sie tun können, um ihre Alterseinkünfte zu erhöhen und wie sie ihren Lebensstandard auch im Lebensherbst sichern können. Neben der Renteninformation brachten sie auch ihre Stand­mitteilungen über private oder betriebliche Anwart­schaften zum Gespräch mit.

Am zuverlässigsten seien die Informationen und Prüfungen der Beratungsstellen gewesen, wenn tatsächlich der Anspruch auf gesetzliche Rente ermittelt wurde, berichtet „Stiftung Warentest“. Aber auch hier reicht es nur für das Gesamturteil „befriedigend“. Wenn es aber darum ging, die Ansprüche aus betrieblicher und privater Vorsorge einzurechnen, sei auch die Beratung lückenhaft gewesen. Deshalb reicht es beim Gesamtüberblick über alle Vorsorgeformen nur zur Note „mangelhaft“. Lediglich in etwa jedem fünften Fall (19 Prozent) wurde die Summe aus gesetzlicher Rente und zu erwartender zusätzlicher Altersvorsorge richtig prognostiziert.

Nur 14 Berater sprechen Thema „Rentenlücke“ an

Was das bedeutet, verdeutlicht die Stiftung anhand der festgestellten Mängel. So hätten von 80 getesteten Beratungsstellen nur 15 Berater alle existierenden Anwartschaften überhaupt mit eingerechnet. Nur 14 hätten das Thema „drohende Rentenlücke“ angesprochen. Und nur 15 Berater das Gespräch anhand eines Analysebogens systematisch erfasst, um das Papier den Rentenversicherten mit nach Hause zu geben. Teils seien auch die zu zahlenden Steuern und Sozialabgaben auf die Alterseinkünfte nicht berücksichtigt worden.

Anzeige

Gleichwohl müsse man berücksichtigen, dass sich die Beratungsqualität regional stark unterscheide. So wurde eine gute Qualität etwa in Nordbayern oder Baden-Württemberg festgestellt.