Die eigenen Rentenansprüche: Vielen ein dunkles Mysterium

Beim Thema Altersvorsorge setzt die Bundesregierung auf das sogenannte Drei-Säulen-Modell. Es besagt vereinfacht, dass für ein auskömmliches Alterseinkommen nicht nur die gesetzliche Rente entscheidend ist, sondern auch die zusätzliche private und betriebliche Vorsorge. Ein Beitrag des Versicherungsboten aber pointierte einst: „Die zwei Türme“ (Herr der Ringe) kennen die Deutschen besser als die drei Säulen der Altersvorsorge.

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Eine große Unkenntnis vieler Deutscher betrifft dabei ausgerechnet den Stand bei eigenen Rentenansprüchen. So ergab eine Umfrage des Vereins Deutsche Renten Information (DRI) und der Frankfurter Goethe-Universität: 70 Prozent der Bundesbürger können nicht sagen, welche Rentenansprüche sie aus den drei Säulen der Altersvorsorge bereits erworben haben (der Versicherungsbote berichtete). Mit welchen Alterseinkünften aus den jeweiligen Säulen zu rechnen ist, wissen viele Menschen in Deutschland schlicht nicht.

Um dies zu ändern, hat sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zur aktuellen Legislaturperiode ein hehres Ziel gesetzt. Ändern nämlich soll den Informations-Notstand bei den Rentenansprüchen ein Portal, das für jeden Bundesbürger die bereits erworbenen Rentenansprüche säulenübergreifend aufzeigt. Zwar verschickt die Deutsche Rentenversicherung jährlich 31 Millionen Renteninfos an Versicherte, die mindestens 27 Jahre alt sind und seit 5 Jahren Beitrag zahlen. Diese Renteninformation aber gibt nur Auskunft über Ansprüche aus der gesetzlichen Rente.

Anderes hingegen ist schon in Ländern wie Schweden oder den Niederlanden möglich: Dort können sich schon jetzt alle Bürgerinnen und Bürger ihre Ansprüche aus allen Säulen der Altersvorsorge aufzeigen lassen. Einfache Transparenz ist also das Ziel des neuen Portals, das nach Vorbild dieser Länder geschaffen werden soll. Doch hinter der Transparenz verbirgt sich ein weiteres Motiv: Bürgerinnen und Bürger sollen anhand der Information auch einen „möglichen Handlungsbedarf“ bei der Vorsorge „erkennen können“, wie es im Koalitionspapier der Bundesregierung heißt. Wer sieht, was er bekommen wird, kann bei geringen erwartbaren Leistungen aus Rentenansprüchen auch vorsorgend tätig werden.

Versicherer: Nur zehn Prozent halten Portal bis 2021 für machbar

Aber schafft es die Bundesregierung tatsächlich, ein solches digitales Informationsportal aus dem Boden zu stampfen und Informationen aus ganz verschiedenen Kanälen zusammenzuführen? Trotz großer Zustimmung zu dem Projekt hegt die Branche Zweifel, wie nun eine Studie vom Wieslocher Finanzdienstleister MLP ergab. Eine Befragung von Versicherungsgesellschaften zeigte: 70 Prozent der Versicherer trauen der Bundesregierung nicht zu, noch in dieser Legislaturperiode das Projekt umzusetzen. Da 20 Prozent der Befragten gar keine Angaben machten, betrug der Anteil der Optimisten für eine Umsetzung bis 2021 nur zehn Prozent.

70 Prozent der befragten Versicherer bezweifeln eine Umsetzung des Renteninformationsportals durch die Große Koalition bis 2021.@MLP

Grundsätzliche Machbarkeit: Datenschutz als Problem

Was aber sind Probleme, die zu der Annahme führen? Diese Frage wurde durch die Studie indirekt gestellt. Erfragte man doch die größten Herausforderungen für die teilnehmenden Häuser und Unternehmen „mit Blick auf eine Beteiligung an einem Rentenportal“. Für diese Frage gab die Studie drei Problemfelder und sechs mögliche Antworten zur Machbarkeit vor. Die Machbarkeit changierte dabei zwischen „dürfte gar kein Problem sein“ auf der einen und „dürfte nahezu unmöglich sein“ auf der anderen Seite des Umsetzbarkeits-Potenzials. Antworten bezogen sich auf die Problemfelder:

  • Beschaffung und Bereitstellung der Vertragswerte
  • Datenschutzanforderungen
  • Das „Herstellen“ von aussagekräftiger Vergleichbarkeit verschiedener Versicherungslösungen

Herausforderung für die befragten Häuser mit Blick auf eine Beteiligung an einem Rentenportal in Prozent.@MLP

Auffallend: Die meisten bezweifelten die grundsätzliche Machbarkeit beim Datenschutz. Zehn Prozent der Befragten äußerten, eine Beteiligung an dem geplanten Rentenportal wäre aufgrund des Datenschutzes „nahezu unmöglich“. Zudem zweifelten fünf Prozent grundsätzlich an, dass eine aussagekräftige Vergleichbarkeit für eine solche Renteninformation machbar sei. Anders das Verhältnis bei jener vorgegebenen Antwort, die für eine schwierige Machbarkeit vorgegeben wurde: „Dürfte nur mit erhöhtem Aufwand und deutlichen Einschränkungen umsetzbar sein“. Immerhin 35 Prozent der Befragten gaben an, nur mit erhöhtem Aufwand und deutlichen Einschränkungen sei die aussagekräftige Vergleichbarkeit verschiedener Versicherungslösungen umsetzbar. Für Schwierigkeiten im Kontext des Datenschutzes nahmen hingegen nur fünf Prozent einen „erhöhten Aufwand“ und „deutliche Einschränkungen“ an.