Stressprävention = Risikoprävention

Stress am Arbeitsplatz kann Versicherern nicht egal sein. Denn steter Stress führt zu starken psychischen Belastungen und erhöht das Risiko für ernste seelische Erkrankungen – die Psyche ist mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit (der Versicherungsbote berichtete). Stress am Arbeitsplatz wird jedoch auch mit einer Vielzahl körperlicher Erkrankungen in Verbindung gebracht, zum Beispiel mit Typ-2-Diabetes. Für Versicherer ist Stressprävention demnach gleichbedeutend mit Risikoprävention. So verwundert es nicht, dass aktuell die Swiss-Life eine Umfrage beim Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gab, um die Stressbelastung und damit einhergehende Stressfaktoren auf Arbeit zu erfragen.

Anzeige  

 

Viele Menschen in Deutschland sind betroffen

Zunächst: Laut Umfrage besteht Anlass zur Sorge. Denn mit 63 Prozent fühlen sich fast zwei Drittel aller Deutschen einem hohen oder sehr hohen Stress auf Arbeit ausgesetzt. Stressbelastung auf Arbeit erweist sich demnach als Volkskrankheit.

Deswegen nutzt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die aktuelle Studie auch, um Alarm zu schlagen: Es brauche eine umfassende Anti-Stress-Politik. Bestätige doch die Studie des Versicherers nur, was den Gewerkschaften aus eigenen Zahlen schon länger bekannt ist.

Stressoren-Charts zeigen: Druck schafft Stress

Welche Faktoren aber verursachen diesen "Stress auf der Arbeit“? Um dies zu ergründen, wurden den Teilnehmenden an der "Stress Statistik" mehrere Ursachen für Stress vorgegeben. Unter diesen auch als "Stressoren" bezeichneten Auslösern für Stress sollten jene drei ausgewählt werden, die aus Sicht der Befragten besonders den Stress fördern.

Spitzenreiter dieser „Stressoren-Charts“ ist der „Zeitdruck“. Denn immerhin 46 Prozent der Befragten meint, dass Zeitdruck besonders den Stress auf Arbeit fördert. Sehr deutlich fällt die Stressoren-Wahl auch für die „Arbeitsatmosphäre“ aus mit 45 Prozent Nennungen. Schon etwas abgeschlagen liegt, auf Rang drei, der Zwillingsbruder des „Zeitdrucks“ – 32 Prozent nennen den „Leistungsdruck“ als einen der bestimmenden Stressoren auf Arbeit.

Überhaupt: Dass zu viel in zu kurzer Zeit gefordert wird, bestimmt auch die weitere Wahl. 31 Prozent der Befragten nennen die „große Aufgabenmenge“ als bestimmenden Stressor, 21 Prozent die „dauerhafte Erreichbarkeit“. Angst um den Arbeitsplatz löst ebenfalls bei 21 Prozent der Befragten Stress aus.

@Swiss Life

Stress-Belastung entsteht demnach wesentlich durch eine von außen kommende Über-Forderung. Eine Erkenntnis auch für Arbeitgeber und Führungskräfte: Starker Druck erhöht das Risiko, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – zum Beispiel durch seelische Erkrankungen – ausfallen.

Gutes Geld ... ist nicht immer eine gute Stress-Medizin

Mildert aber ein gutes Einkommen den Stress? Um dies zu ergründen, wurden durch die Studienmacher Antworten zu zwei Fragen gegenüber gestellt. So sollten die Befragten einschätzen, ob sie ihre Arbeit „angemessen vergütet“ sehen. Zudem sollten die Befragten mit dem „aktuellen Stresslevel“ die Stressbelastung in ihrem Job einschätzen. Aussagekraft gaben die Studienmacher dann in einem zweiten Schritt einem Bundesländer-Vergleich für beide Werte.

Freilich: Zwei Einwände sind für ein solches Vorgehen notwendig. Zum einen ersetzt ein Vergleich kollektiver Prozentzahlen anonymer Umfrageteilnehmer keine Studie, bei der für jede einzelne Person Einkommenshöhe und Stressempfinden abgeglichen werden unter Beachtung der konkreten Beschäftigungssituation. Zum anderen ist die Stichprobe für jedes Bundesland recht klein, wenn deutschlandweit (wie hier geschehen) nur 2.027 Personen befragt werden. Und doch können die Ergebnisse der "Stress Statistik" einen ersten Hinweis geben, dass Geld den Stress nicht "aufwiegen" kann.

@Swiss Life

Zeigen sich doch die Bayern und die Schleswig-Holsteiner zwar mit ihrer Vergütung äußerst zufrieden – 61 Prozent geben in beiden Bundesländern an, angemessen vergütet zu werden. Jedoch: Die Bayern bringen es zugleich auf ein durchschnittliches Stresslevel von 68 Prozent, die Schleswig-Holsteiner gar von 69 Prozent – hohe Werte in Relation zum Gesamtfeld aller Bundesländer, die hohen Stress abbilden.

Anders hingegen die Menschen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt: Hier zeigt sich weniger Zufriedenheit mit der Vergütung, aber auch weniger Stress. Nur 54 Prozent der Befragten gibt für Brandenburg, gar nur 52 Prozent für Sachsen-Anhalt an, angemessen vergütet zu werden:

@Swiss Life

Jedoch: Geringer als in Bayern oder Schleswig-Holstein liegt auch das durchschnittliche Stress-Level. 58 Prozent beträgt dieses Level für Sachsen-Anhalt, 57 Prozent gar nur für Brandenburg. Will man den Studienmachern darin folgen, bei Gegenüberstellung solcher Prozentwerte Aussagen über das Verhältnis von Einkommenszufriedenheit und Stressbelastung zu treffen, ließe sich demnach pointieren: Geld allein macht nicht glücklich.

Anzeige  

 

Hintergrund

Für die Swiss Life Stress Statistik befragte der Marktforscher YouGov zwischen dem 14.06.2019 und dem 24.06.2019 insgesamt 2.027 Personen anhand einer Online-Umfrage. Ausgewählte Ergebnisse werden auf der Webseite des Versicherers vorgestellt.