Wer als Versicherungsmakler auf die Rente zugeht und seinen Bestand verkaufen möchte, hat keine ideale Verhandlungsposition. Viele Käufer interessieren sich vor allem für größere Bestände in ausgewählten Metropolregionen. Für kleinere Bestände finden sich oft nur wenige ernsthaft interessierte Käufer – schlechte Voraussetzungen für einen guten Verkaufspreis. In der Praxis lassen Makler ihre Bestände daher für gewöhnlich einfach auslaufen und betrachten die weiterhin fließenden Bestandscourtagen als Rente. Diese Handhabung birgt allerdings einige erhebliche Risiken.

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Die Tücken der Datenschutzgrundverordnung DSGVO

Unabhängig vom Alter des Inhabers müssen alle in Deutschland gemeldeten Versicherungsmakler umfangreiche regulatorische Anforderungen erfüllen, die durch den Gesetzgeber häufig angepasst werden. Ein gutes Beispiel aus jüngster Zeit ist die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), deren Umsetzung gerade für Kleinbetriebe sehr aufwändig ist:

Dr. Philipp Kanschik ist verantwortlicher Projektleiter und Experte für Bestandsübernahmen in der Policen Direkt-Gruppe. Quelle: Policen DirektKunden haben jetzt ein „Recht auf Vergessenwerden“ (Art. 17 DSGVO). Um dem gerecht zu werden, kann unter Umständen ein aufwändiges Datenlöschkonzept erforderlich werden. Auch um überhaupt mit dem Kunden weiter in Kontakt treten zu dürfen, braucht es dessen ausdrückliches Einverständnis.

Ein Verstoß gegen die DSGVO kann mit einem Bußgeld von bis zu 300.000 Euro oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sanktioniert werden. Keine erfreuliche Perspektive für Versicherungsmakler, denn wer will schon mit dem Damoklesschwert einer Freiheitsstrafe sein Rentendasein verbringen?

Aufwändige Betreuungs- und Weiterbildungspflichten

Wer als Makler registriert ist, muss laut §7 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) einmal pro Jahr prüfen, ob die Kunden noch angemessen versichert sind und gegebenenfalls neue Verträge vermitteln. Diese Betreuungspflicht läuft selbstverständlich weiter, solange ein Makler die Kunden nicht an einen Nachfolger übergibt und weiterhin Courtagen erhält. Die neue Vermittlerrichtlinie IDD2 lässt hier keinen Spielraum für Interpretationen. Ein Versicherungsmakler muss in diesem Zuge umfassend dokumentieren, weshalb er einem Kunden ein spezielles Produkt empfohlen hat und ob der Kunde das Produkt tatsächlich auch versteht. Wer hier untätig bleibt, geht Haftungsrisiken ein. In letzter Konsequenz steht die Zulassung und damit die Rente auf dem Spiel.

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Versicherungsmakler müssen zudem jährlich eine Weiterbildung von mindestens 15 Stunden nachweisen. Wer seine Bestandsprovisionen erhalten will, muss entsprechende Zertifikate erwerben.