Autofahrer, die ihre Kfz-Versicherung über ein Online-Vergleichsportal abschließen, müssten eigentlich eine höhere Versicherungsprämie zahlen. Denn sie verursachen im statistischen Schnitt auch mehr Vollkasko-Schäden. Mit dieser These tritt soeben der Rückversicherer General Reinsurance (Gen Re) an die Öffentlichkeit, eine Tochter der US-amerikanischen Berkshire Hathaway Gruppe.

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Deutlich mehr Vollkasko-Schäden pro 1.000 Versicherungskunden

Wie das Versicherungsjournal berichtet, hat Gen Re die Vollkasko-Schäden von Autofahrern getrennt nach Vertriebswegen untersucht. Dabei wurde zwischen „Portal-“, „Direkt-“ und „Nicht-Direktgeschäft“ unterschieden.

Das Ergebnis lässt aufhorchen. Demnach hatten von 1.000 Versicherungskunden rund 157 einen Vollkaskoschaden pro Jahr zu beklagen, wenn sie ihren Kaskovertrag über ein Online-Portal abgeschlossen hatten. Wurden die Verträge hingegen über einen persönlichen Vermittler eingedeckt, waren weit weniger Unfälle zu beklagen, nämlich 138 pro Jahr. In der Kfz-Haftpflicht seien die Schäden bei Portal-Kunden hingegen nur leicht erhöht.

GDV empfiehlt höhere Prämien für Kasko-Kunden, die über Onlineportale abschließen

Weshalb Nutzer von Online-Portalen mehr Vollkaskoschäden verursachen, dazu macht Gen Re keine Angaben. Dennoch würden diese Kunden eine zu niedrige Kfz-Prämie für ihren Kaskoschutz zahlen. Das Vergleichsportal-Geschäft droht den Versicherern die Bilanzen zu verhageln.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt in seiner unverbindlichen Tarifempfehlung höhere Prämien für Autofahrer, die über Vergleichsportale abschließen, berichtet das Versicherungsjournal. Umgesetzt werden die Empfehlungen von der Branche jedoch nicht. Sie wollen weiter mit billigen Lockangeboten im Internet um wechselwillige Kunden werben.

Technischer Verlust in Autoversicherung für 2017 erwartet

Die Folge: ein technischer Verlust speziell in der Vollkasko-Sparte. Marco Morawetz, Head of Consulting bei Gen Re, schätze den Verlust durch Portalkunden für die Branche auf drei Prozent ein, so berichtet das Versicherungsjournal. Die Nutzer von Online-Portalen zahlen demnach einfach deutlich zu wenig für ihre Versicherung.

Gründe für die höhere Unfallhäufigkeit von Portalkunden deutet Gen Re zumindest an. Oft seien die Mitbenutzer des Fahrzeuges eher jünger als die „klassischen“ Käufer eines Kaskovertrages. Auch würden sie ihren Versicherer häufiger wechseln, besonders oft „Basistarife“ abschließen -also einen möglichst preiswerten Schutz- und weniger Wohneigentum besitzen.

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Der harte Preiskampf der Versicherer droht die gesamte Branche ins Minus zu ziehen, was durch den Niedrigzins noch verschärft wird. Denn die Versicherer können hohe Schadenszahlungen nicht durch Erträge am Kapitalmarkt ausgleichen. Gen Re prognostiziert für die Autoversicherer-Branche 2017 einen technischen Verlust von einem Prozent über alle Sparten hinweg. Im Wettbewerb um wechselwillige Neukunden akzeptieren die Versicherer sogar, am Ende draufzuzahlen.

Versicherungsjournal / Gen Re