Als im Februar die Bundesregierung ankündigte, sie werde die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung entlasten, übernahmen viele Medien diese Behauptung ungeprüft. Doch nun könnte sich einstellen, wovor Versicherungsbote schon damals in einem Kommentar warnte: Die vom Gesetzgeber beschlossene Beitragssenkung von 15,5 auf 14,6 Prozent wird durch Zusatzbeiträge wieder aufgefressen. Die Krankenversicherten profitieren folglich nicht und müssen in den kommenden Jahren sogar mit steigenden Kosten rechnen.

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2015 wird Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten erwartet

Die vom Gesetzgeber beschlossene Beitragssenkung von 15,5 auf 14,6 Prozent wird wohl durch Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen von durchschnittlich 0,9 Prozentpunkten wieder aufgezehrt, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus dem Umfeld des Schätzerkreises. In dem Gremium sitzen Vertreter des Bundesversicherungsamtes, der GKV und des Bundesgesundheitsministeriums.

„Wir gehen davon aus, dass künftig alle Kassen einen Zusatzbeitrag nehmen müssen. Gleichzeitig steigen die Beiträge weiter“, sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. Die 0,9 Prozentpunkte entsprechen rund 11 Milliarden Euro.

Mehr Wettbewerb unter Kassen angestrebt

Durch die Beitragssenkung und die Möglichkeit, Zusatzbeiträge selbst festzulegen, will die Bundesregierung mehr Wettbewerb unter den Krankenkassen schaffen. Die Versicherten sollen vergleichen können, wer das günstigere Angebot hat. Dies dürfte vor allem zu Lasten jener Kassen gehen, in denen besonders viele alte und kranke Menschen organisiert sind. Sie werden es schwer haben, im Ringen um Mitglieder zu bestehen.

Doch 20 der rund 130 gesetzlichen Krankenkassen haben bereits angekündigt, aufgrund der stabilen Kassenlage einen Zusatzbeitrag unter den 0,9 Prozentpunkten anbieten zu können. Das könnte sich aber bald wieder ändern. Für das Jahr 2015 rechnet der Schätzerkreis mit Einnahmen des Gesundheitsfonds von 198,3 Milliarden Euro und einen Zuschuss von 11,5 Milliarden Euro. Die Ausgaben der Kassen werden auf 209,5 Milliarden Euro geschätzt.

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Kritiker rechnen allerdings damit, dass in den Folgejahren die Zusatzbeiträge wegen steigender Kosten deutlich ansteigen. Der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski geht davon aus, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag - je nach Entwicklung bei den Reserven im Gesundheitsfonds - bis 2018 auf mehr als 2,3 Prozent anwachsen könnte.