„Jeder dritte Deutsche wird dement“ titelte etwa das Nachrichtenmagazin Stern vor wenigen Monaten und hob damit auf die steigende Wahrscheinlichkeit der Generation Ü80 ab, an Altersverwirrtheit zu erkranken. Nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poors gefährdet die zunehmende Vergreisung der Industriegesellschaften sogar die Bonität vieler Länder, weil immer weniger Menschen der Wirtschaft als Fach- und Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den demografischen Wandel als größte Veränderung des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland neben der Globalisierung. „Wir dürfen uns den Herausforderungen nicht verweigern. Dann werden wir auch die Chancen sehen“, sagte Merkel bei einem Demografiegipfel im Oktober.

Anzeige

Senioren sind vielseitig und aktiv

Mit der Lebenswirklichkeit der älteren Bevölkerung haben die Negativschlagzeilen nur bedingt etwas zu tun. Untersuchungen wie etwa die Studie „50plus“ von der Universität Osnabrück haben gezeigt, dass die Lebensentwürfe und -stile der Senioren ähnlich vielseitig sind wie jene jüngerer Menschen. Sie haben verschiedenartigste Jobs, treiben intensiv Sport, gehen ins Theater, hören Jazz-, Rock- und Popmusik, gehen auf Reisen und sind auch sexuell noch äußerst aktiv. Das medial erzeugte Bild der grau gekleideten Alten, die sich in ihre Wohnung zurückziehen und gebrechlich sind, ist ein Klischee.

Das mag nicht verwundern, handelt es sich doch um eine Generation, die selbst zur Liberalisierung der Lebensverhältnisse beigetragen hat, an den Umbrüchen von 1968 ebenso beteiligt war wie an der deutschen Wiedervereinigung. Auch die „Role Models“ in den besten Jahren zeigen sich agil und lebensfreudig. Rockstars wie Bruce Springsteen oder Mick Jagger, für viele junge Musiker Vorbilder, touren noch immer um die Welt.

Anzeige

Da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass Opa cooler ist als die eigene Generation. „Wir wollen Rockstars sein, aber irgendwie klappt es nicht. Mein Opa hat wahrscheinlich mehr Frauen gehabt als ich“, singt die Chemnitzer Rockband Kraftclub in ihrem Song „Zu jung“. Wen wundert es da, dass bei einer Umfrage unter 70jährigen zwei Drittel aller Befragten antworteten, sie würden sich noch jung fühlen?