Mit dem Rückzug der Sprungrevision in der Auseinandersetzung mit dem Finanzvermittler AVL sorgte die BaFin für den jüngsten Aufreger in der Debatte um das Provisionsabgabeverbot. Damit besitzt ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt endgültig Rechtskraft.
Die BaFin kündigte eine grundsätzliche Prüfung an.

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Durch das Vorgehen der BaFin komme dem Frankfurter Urteil nunmehr eine weitreichende Präjudizwirkung zu, da die BaFin als Hüterin des Verbots, die Entscheidung des Gerichts nicht mehr angreife, kritisierte der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM).

Vergütungssystem, Honorarberatung und Quersubventionierungen bedürfen sachgerechter Diskussion

Die „Schutzvereinigung deutscher Vermittler von Versicherungen und anderen Finanzdienstleistungen e. V." (SDV) spricht sich nach wie vor für die Beibehaltung des Provisionsabgabeverbotes aus. Bereits im Oktober wies die Vereinigung darauf hin, dass die Abschaffung kleinere Vermittler in ihrer Existenz bedrohe (versicherungsbote.de informierte: SDV für Beibehaltung des Provisionsabgabeverbotes).

Positiv an einem Wegfall des Provisionsabgabeverbotes wäre, laut VDVM, eine flexible Preisgestaltung für die Dienstleistung von Vermittlern bzw. Maklern. Dieser Vorteil käme allerdings primär denjenigen Versicherungsnehmern zu Gute, die hochvolumige Verträge abschließen und das Gefühl haben, dass mit der eingerechneten Vergütung eine Quersubventionierung zu Gunsten anderer Produkte und/oder Versicherungsnehmer stattfände. Ein individueller Vorteil, welcher mit Nachteilen für andere Versicherungsnehmer „erkauft“ würde. Dies gilt etwa bei Produkten, die auf eine gewisse Quersubventionierung angewiesen sind, wie einer Privathaftpflichtversicherung zum Preis von ca. 80,- Euro. Ohne Quersubventionierung wären Dienstleistungen des Vermittlers für diese Produkte dann teurer oder nicht mehr verfügbar, sollte der Kunde nicht bereit sein, die Beratung angemessen zu vergüten.

Problematisch an einem Markt ohne Provisionsabgabeverbot sei auch die quasi kostenlose Beratung, da diese auf Umwegen an die Abgabe der Provision an den Kunden gekoppelt wäre. So könnte sich der Kunde bei einem Vermittler A kostenlos beraten lassen und mit seinem Versicherungswunsch schließlich auf einen neuen Vermittler B zugehen. Da die Akquisekosten des Vermittlers B praktisch ausfallen, wäre dessen Abgabebereitschaft der Provision dabei womöglich höher.

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Gerade im Verhältnis zur Honorarberatung wäre eine die sachgerechte Diskussion über die mechanischen Vergütungssystemen und ihren Quersubventionierungen notwendig: „Weder bei einem Wegfall des Provisionsabgabeverbotes noch bei der großflächigen Anwendung der echten Honorarberatung kann es für alle immer nur billiger werden, vielmehr wird es Gewinner und Verlierer geben“ heißt es seitens des VDVM. Letztlich wären breite Bevölkerungskreise betroffen, da eine werthaltige Beratung für diese zu teuer sein könnte.

Weiterlesen auf Seite 2: AfW: Provisionsabgabe war behördlich sanktionierte Wettbewerbsverzerrung / Qualifizierte Makler und finanzielles Risiko