Laut Statistischem Bundesamt Destatis bezogen Frauen im Jahr 2025 rund 37 Prozent weniger Alterseinkünfte als Männer. Gleichzeitig ist das Risiko für Altersarmut deutlich höher. Denn mehr als jede fünfte Frau über 65 gilt als armutsgefährdet (21,6 Prozent). Besonders drastisch zeigt sich die Lage im hohen Alter, wo ein erheblicher Teil der Frauen auf Grundsicherung angewiesen ist. So beziehen etwa 42 Prozent der Frauen über 75 Jahren laut Statistik eine Grundsicherungsrente, während es bei Männern nur etwa 29 Prozent sind.

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Die Ursachen für diese Entwicklung liegen tief im Erwerbsleben sowie in der höheren Lebenserwartung. Der Gender Pension Gap ist eng mit dem Gender Pay Gap verknüpft. Frauen verdienen im Schnitt weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Karriere öfter für Kindererziehung oder Pflege. „Während sie also einerseits aufgrund der niedrigeren Erwerbseinkommen weniger Rentenpunkte sammeln, müssen sie andererseits ihre Ersparnisse über eine längere Zeit aufteilen“, erklärt Marcel Reyers, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standard Board (FPSB) Deutschland.

Diese strukturellen Unterschiede führen dazu, dass finanzielle Nachteile nicht nur temporär sind, sondern sich über Jahrzehnte verstärken. Die Folgen reichen weit über das Monetäre hinaus. „Altersarmut ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern beraubt Menschen ihrer Unabhängigkeit und Würde“, betont Reyers.

Entscheidend ist daher, frühzeitig gegenzusteuern. Bereits beim Berufseinstieg sollten Frauen aktiv auf Einkommensentwicklung und Vorsorge achten. Mit Beginn der Familienphase gewinnt strategische Planung an Bedeutung. Die Aufteilung von Erziehungszeiten, die Fortführung von Vorsorgeverträgen und die Nutzung staatlicher Förderungen können entscheidende Unterschiede machen.

Nach der Rückkehr ins Berufsleben wird vor allem die Arbeitszeit zum Hebel. Jedes zusätzliche Jahr in Vollzeitbeschäftigung wirkt sich direkt auf die spätere Rentenhöhe aus. Parallel dazu sollte die private Vorsorge gezielt ausgebaut werden. Spätestens in der Phase vor dem Ruhestand ist eine umfassende Bestandsaufnahme notwendig. Dazu gehören die Überprüfung des Rentenkontos, die Optimierung des Renteneintritts sowie die Abstimmung von privater und betrieblicher Vorsorge.

Ein oft unterschätzter Faktor ist die finanzielle Abhängigkeit innerhalb von Partnerschaften. Modelle wie das Ehegattensplitting können kurzfristig Vorteile bringen, langfristig jedoch falsche Anreize setzen. „Wer im Alter unabhängig sein will, muss während des Erwerbslebens unabhängig sein“, warnt Reyers.