Elementarschäden: Aktuare fordern Gesamtkonzept mit staatlicher Rückversicherung
Die Diskussion um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden geht weiter. Die Deutsche Aktuarvereinigung fordert nun ein nationales Gesamtkonzept aus Prävention, Eigenvorsorge und staatlicher Rückversicherung. Die Versicherungsmathematiker warnen, dass ohne Prävention und risikogerechte Beiträge das System langfristig nicht finanzierbar sein wird.

Angesichts zunehmender Naturgefahren plädiert die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) für ein umfassendes Gesamtkonzept aus Prävention, Eigenvorsorge, privatem Versicherungsschutz und staatlicher Unterstützung. Anlass ist die politische Diskussion über eine mögliche verpflichtende Absicherung gegen Naturgefahren wie Hochwasser, Starkregen oder Überschwemmungen.
Anzeige
Im Rahmen einer Plenary Session diskutierten Experten aus Wissenschaft und Versicherungswirtschaft über die Zukunft der Elementarschadenversicherung in Deutschland. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob und wie eine Pflichtversicherung ausgestaltet werden könnte.
Eine wichtige Botschaft der Runde war, dass eine reine Versicherungspflicht nicht ausreichen werde. „Eine nachhaltige Absicherung gegen Elementarschäden erfordert wirksame Prävention, Eigenvorsorge und eine klar definierte staatliche Unterstützung als ergänzenden Bestandteil im bestehenden Versicherungssystem“, unterstrich Matthias Land, Vorsitzender des Ausschusses Schadenversicherung und Vorstand der DAV. Hintergrund seien die steigenden Risiken infolge des Klimawandels. Durch die Erderwärmung sei künftig mit häufigeren und schwereren Naturkatastrophen zu rechnen.
Zwar steigt die Versicherungsdurchdringung bereits an. Laut GDV waren 2024 rund 57 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Elementarschäden versichert. Dennoch hält die Politik das Niveau vielerorts weiterhin für unzureichend. Bund und Länder diskutieren daher intensiv über die Einführung einer Pflichtversicherung, auch wenn deren konkrete Ausgestaltung bislang offen bleibt.
„Der Kumulcharakter des Schadenrisikos zählt zu den zentralen Herausforderungen in der Absicherung von Elementarschäden“, erklärt Land. Ein einzelnes Naturereignis kann viele Versicherte gleichzeitig treffen, Großschäden verursachen und Versicherer erheblich belasten. Deshalb brauche es tragfähige Finanzierungsmodelle und klare Regeln für die Risikoverteilung.
Aus Sicht der DAV dürfen dabei risikogerechte Prämien nicht aufgegeben werden. „Auch im Rahmen einer möglichen Pflichtversicherung für Elementarschäden sind regional differenzierte, risikogerechte Prämien entscheidend“, so Land. Nur so ließen sich tatsächliche Gefährdungslagen abbilden, Anreize für Prävention schaffen und die langfristige Finanzierbarkeit sichern.
Große Bedeutung misst die Vereinigung zudem der Prävention bei. Die Experten fordern unter anderem den Ausbau von Deichen und Abwassersystemen, zentrale Warn- und Informationssysteme sowie strengere bauliche Vorgaben in Risikogebieten. Auch individuelle Schutzmaßnahmen wie Rückstauventile könnten Schäden begrenzen. „Ohne stärkere Prävention und Anpassung drohen künftig häufiger hohe Verluste und eine steigende Belastung für betroffene Haushalte, Versicherungen und den Staat“, warnt Land.
Darüber hinaus sprechen sich die Aktuare für eine ergänzende staatliche Rückversicherung aus. Diese solle allerdings nur in Extremfällen greifen. Dies könne etwa bei besonders exponierten Gebäuden oder außergewöhnlich hohen Schäden sein. „Die staatliche Rückversicherung sollte erst greifen, wenn es um die Versicherbarkeit extrem exponierter Wohngebäude geht oder der Schaden im Extremfall einen definierten Schwellenwert überschreitet“, fordert Land.
Schlagzeilen
Altersvorsorgedepot statt Riester-Rente: Milliardenpotenzial für Finanzbranche
Wenn Unternehmen für Wettbewerbsverstöße Handelsvertretern einstehen müssen
Elementarschäden: Aktuare fordern Gesamtkonzept mit staatlicher Rückversicherung
Altersvorsorge: Frauen haben größere Vorsorgeprobleme
Banken vs. Versicherer: Wer Krisen wirklich früh erkennt
Gleichzeitig mahnt die DAV zu Ehrlichkeit in der Finanzierungsdebatte. Eine verpflichtende Absicherung bislang unversicherter Risiken werde zwangsläufig zu höheren Durchschnittsbeiträgen führen. Daher brauche es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigenverantwortung, Solidarität und staatlicher Unterstützung. „Wir brauchen ein nationales Gesamtkonzept, das Prävention, Eigenvorsorge, privaten Versicherungsschutz und staatliche Absicherung sinnvoll verbindet“, sagt Land. Nur so lasse sich ein langfristig tragfähiger Schutz gegen Naturgefahren schaffen.
Anzeige
