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Die Versicherungswirtschaft bringt sich mit Nachdruck in die Arbeit der Alterssicherungskommission ein. In einer aktuellen Stellungnahme plädiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für eine Stärkung aller drei Säulen der Altersvorsorge innerhalb eines klar abgestimmten Gesamtsystems.

„Entscheidend ist nicht die einzelne Reform, sondern ein Gesamtsystem der Alterssicherung, das verlässlich zusammenspielt“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Nach Auffassung des Verbands bleibt die gesetzliche Rentenversicherung das Fundament der Alterssicherung. Sie könne jedoch künftig allein den Lebensstandard im Alter nicht mehr ausreichend sichern. Deshalb müsse die ergänzende kapitalgedeckte Vorsorge stärker in den Fokus rücken.

„Eine starke zweite und dritte Säule sind Voraussetzung dafür, dass das System insgesamt tragfähig bleibt“, so Asmussen. Der Verband fordert daher ein kohärentes Zielbild für das gesamte Alterssicherungssystem. Reformen in einer Säule müssten künftig immer auch mit Blick auf ihre Auswirkungen auf die anderen Bereiche bewertet werden.

Im Mittelpunkt der Forderungen steht die betriebliche Altersversorgung. Sie verbinde kollektive Organisation, staatliche Förderung und Arbeitgeberbeteiligung und ermögliche lebenslange Zusatzleistungen. „Die Betriebsrente hat kein Konstruktionsproblem – sie hat ein Verbreitungsproblem“, sagt Asmussen. Derzeit zahlen nach GDV-Angaben rund 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in eine Betriebsrente ein. 48 Prozent verfügten dagegen über keine oder nur geringe Anwartschaften.

Besonders deutlich zeigen sich Unterschiede nach Unternehmensgröße. Während in Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten rund 86 Prozent der Mitarbeiter eine bAV besitzen, sind es in Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten nur 48 Prozent. In Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten liegt die Quote sogar bei lediglich 25 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass es in unserer gesellschaftlichen Mitte an Absicherung fehlt – etwa bei Beschäftigten in vielen Handwerksbetrieben, Bäckereien, Friseursalons, Pflegediensten oder Kindertagesbetreuungen“, so Asmussen.

Opting-out statt Pflichtmodell

Um die Verbreitung zu erhöhen, spricht sich der GDV für automatische Einbeziehungsmodelle mit Widerspruchsmöglichkeit aus. Arbeitgeber sollen Beschäftigte automatisch in eine Betriebsrente einbeziehen können, sofern diese nicht aktiv widersprechen. „Alle Arbeitgeber sollten ihre Beschäftigten automatisch in eine Betriebsrente einbeziehen können – unabhängig davon, ob Tarifverträge bestehen oder ein Betriebsrat vorhanden ist“, fordert Asmussen.

Zudem plädiert die Branche für flexiblere Garantieniveaus, um höhere Renditechancen durch stärkere Kapitalmarktbeteiligung zu ermöglichen. Gleichzeitig müssten verlässliche Mindestabsicherungen und lebenslange Leistungen erhalten bleiben. Auch die Förderung für Geringverdiener sowie steuerliche Anreize sollten ausgebaut werden. Für kleine und mittlere Unternehmen fordert der GDV ein standardisiertes Basismodell.

Auch bei der privaten Altersvorsorge unterstützt der Verband eine stärkere Kapitalmarktorientierung. Höhere Renditechancen müssten jedoch mit passenden Sicherheitsmechanismen verbunden werden. „Gleiche Regeln bei Beratung, Information und Kosten sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen dem neuen System vertrauen“, sagt Asmussen.

Mit Blick auf mögliche staatliche Standardprodukte mahnt der GDV faire Wettbewerbsbedingungen an. „Ein staatliches Standardprodukt kann den Zugang erleichtern, birgt aber Zielkonflikte, wenn es nicht unter denselben Wettbewerbsbedingungen geführt wird wie private Angebote“, so Asmussen.

Zum Abschluss mahnt der Verband eine konsistente Gesamtarchitektur an. Eine Vermischung der Säulen, unklare Rollen zwischen Staat und Markt oder parallele Strukturen ohne Abstimmung würden neue Unsicherheiten schaffen. „Am Ende braucht Deutschland ein System, das Verlässlichkeit und Kapitaldeckung verbindet“, sagt Asmussen. „Die gesetzliche Rente sichert die Basis, die Betriebsrente trägt Vorsorge in die Breite und die private Vorsorge ermöglicht individuelle Ergänzungen.“