Kernthema der Serie ist es, gemeinsam mit dem Leser einen Perspektivwechsel zu vollziehen und sich besser in die jeweils andere Seite hineinzuversetzen. Die erste Folge beschäftigt sich mit dem Phänomen der Marktkonzentration im Maklermarkt.

Anzeige

Philipp Kanschik

Dr. Philipp Kanschik ist Geschäftsführer von Policen Direkt und dort verantwortlich für Technologieentwicklung und Maklernachfolge.

Die Versicherungsmakler da draußen werden immer älter. Maklernachfolge ist mittlerweile noch vor der Digitalisierung das dringendste Problem vieler Makler: mehr als 70 Prozent der Maklergeneration 60+ haben ihren Ruhestand noch nicht geregelt, sind aber auf einen Bestandsverkauf zu attraktiven Konditionen angewiesen. Die Makler, die sich bereits entscheiden haben, gehen in Scharen zu den Anbietern von finanziell attraktiven Maklerrentenmodellen.

Gleichzeitig häufen sich die Übernahmen im Großmaklerbereich. Private-Equity-Firmen entdecken angesichts niedriger Marktzinsen auf der Suche nach sicherer Rendite gut aufgestellte Gewerbe- und Industriemakler für sich. Diese Unternehmen versprechen schnellen Return und bei mehreren Übernahmen mittelfristig große Synergieeffekte. Nicht wenige Experten sehen auch die Corona-Krise als Katalysator dieses stark wachsenden M&A-Geschäfts.

All das führt dazu, dass die Konzentration des Maklermarktes deutlich an Fahrt aufgenommen hat.

Das bedeutet die Marktkonzentration für die Versicherungsmakler

Die Folge dieser Marktkonzentration für Makler ist in erster Linie zunächst einmal eine starke Polarisierung. Ein Makler will heutzutage entweder kaufen oder verkaufen – dazwischen gibt es nicht mehr viel. Anorganisches Wachstum ist in aller Munde und selbst kleinere Makler haben das Feld des Bestandskaufs für sich entdeckt. Gleichzeitig werden kleinere unabhängige, „sich selbst genügende“ Makler immer mehr zu einer aussterbenden Art.

Anzeige

Die meisten Makler haben gemerkt, dass man mit einem kleinen Bestand bei vielen Versicherern eher halbherzig betreut und vergütet wird. Die Profiteure der Konsolidierung unter den Maklern versprechen sich daher durch ihre Zukäufe unter anderem größere Verhandlungsmacht gegenüber den Gesellschaften. Wer nicht mitspielt mit den Großen, muss sich hintenanstellen. Das gilt mittlerweile sogar für den Bereich der Privatkundengeschäft, der von Maklerpools und digitalen Insurtechs aufgemischt wird.

Seite 1/2/