Versicherungsbote: Die Märkte sind volatil, die Zinsen niedrig, Sparten wie Riester oder die Lebensversicherung sehen sich einem Dauerfeuer durch die Medien ausgesetzt. Provokativ gefragt: Sind das eigentlich gute oder schlechte Zeiten für Finanzberater und Anlagestrategen, wenn die Kunden verunsichert sind?

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Carsten WalendyCarsten Walendy: Ob gute Zeiten oder schlechte Zeiten, liegt im Auge des jeweiligen Marktakteurs. Für mich gab es – persönlich gesprochen – nie bessere Zeiten. Natürlich beeinflussen die Niedrigzinspolitik, aber auch geänderte Rahmenbedingungen massiv die derzeit stattfindenden, früher undenkbaren Entwicklungen. Geschäftsmodelle und Produkte, die vor einigen Jahren eine sichere Zukunft und gute Einnahmequelle für Vermittler verhießen, funktionieren nicht mehr oder nur noch mit verbundenen Nachteilen. Von daher findet seit Jahren eine Konsolidierung und Neuordnung quer durch alle Bereiche statt, die mitnichten auf absehbare Zeit abgeschlossen sein wird.

Wird es künftig verstärkt darum gehen, Verbraucher für die Geldanlage zu gewinnen, die ob dieser Situation verunsichert sind oder gar Vorbehalte haben?

Davon bin ich überzeugt. Schon allein, um einer schleichenden Enteignung durch steigende Inflation oder Repressal-Maßnahmen vorzubeugen. Ich sehe aber weniger generelle Vorbehalte seitens der Verbraucher als vielmehr eine Unsicherheit darüber, was am besten zu tun ist und wie ich als Kunde trotzdem flexibel bleibe. Hier ist unsere Branche und insbesondere die Vermittlerschaft gefordert, aktiv diese Themen beim Kunden anzusprechen und nachhaltig für echten Vermögensaufbau in Form von Aktieninvestments zu sorgen. Es kann nicht sein, dass unsere Politik die ohnehin in unserer Gesellschaft unterentwickelte Aktienkultur stiefmütterlich behandelt und dass finanzielle Bildung und Kenntnisse nicht nur der Kunden häufig grottenschlecht sind.

Viele Vermittler scheuen das Thema Investment und konzentrieren sich auf die Versicherungsvermittlung. Warum sollten sich Vermittler Ihrer Meinung nach mit dem Thema Geldanlage beschäftigen und auch als Finanzberater tätig werden?

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Geld-Fragen sind ein sensibles Thema. Ein altes Sprichwort lautet nicht umsonst: „Bei Geld hört die Freundschaft auf.“ Viele Vermittler haben zwar einen 34f, werden aber vom Kunden als kompetenter Ansprechpartner nicht wahrgenommen. Die Problematik liegt häufig darin, dass viele mit der Versicherungsvermittlung und -betreuung zeitlich ausgelastet sind, sich dieses Geschäft mangels Erfahrung nicht zutrauen, Sorge vor möglichen Haftungsansprüchen haben oder das Fondsgeschäft für nicht lukrativ halten.
Gerade aber in diesen Zeiten können wir dem Kunden Alternativen im Bereich der Geldanlagen aufzeigen – ob mittel- oder langfristig.

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