Wann sollte man seine Arbeitskraft mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) absichern? Viele Expertinnen und Experten raten dazu, dies möglichst zeitig zu tun: sogar dann schon, wenn der oder die Versicherte noch gar keinen Beruf hat. Diesem Ratschlag schließt sich nun auch die „Stiftung Warentest“ an. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ (06/2021) macht sie darauf aufmerksam, dass manche Versicherer schon ab 10 oder 15 Jahren einen solchen Schutz anbieten: folglich im Schüleralter.

Anzeige

Kinder meist ohne schwerwiegende Krankheitsverläufe

Das könne sich lohnen, empfiehlt die Stiftung. Der Grund: Kinder und Jugendliche seien meist ohne schwere Vorerkrankungen, die den Schutz verteuern oder ganz ausschließen können. Beim Antrag auf einen BU-Schutz müssen die Interessierten für die letzten fünf Jahre Krankheiten sowie ambulante Behandlungen angeben. Krankenhaus-Aufenthalte werden sogar oft für zehn Jahre abgefragt.

Vorerkrankungen verteuern den Schutz enorm oder führen dazu, dass überhaupt kein Vertrag abgeschlossen werden kann. Laut „Finanztest“ können dabei schon geringe Beschwerden dazu führen, dass man einen Vertrag nur mit Ausschlüssen oder deutlichen Beitrags­zuschlägen erhält. Allergien, Haut­probleme, Atemwegs­erkrankungen, Diabetes oder Sport­verletzungen haben sich hier laut Leserumfragen als wichtige Punkte herausgestellt. Werden die Antragsfragen jedoch falsch beantwortet, kann der Versicherer später im Leistungsfall vom Vertrag zurücktreten.

„Mit einer Diagnose wie Krebs oder einer psychischen Erkrankung ist der Schutz so gut wie ausgeschlossen“, schreibt die Stiftung. Einzuwenden bliebe: auch hier kann im Einzelfall noch ein Vertrag zustande kommen, abhängig davon, wie lange die Krankheit zurückliegt und ob noch Beschwerden vorliegen.

Schülerinnen und Schüler sind meist ohne derartige Krankheitsverläufe - und können folglich leichter abgesichert werden. Laut „Finanztest“ kann das sogar finanzielle Vorteile bieten: Man zahle dabei nicht mehr, als wenn man die Police zehn Jahre später abschließe. Und ist auch in jungen Jahren schon geschützt. Der Versicherer zahlt eine monatliche Rente, wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen kann und folglich - sehr wahrscheinlich - auch keinen einträglichen Beruf ergreift. Ein Schutz besteht dann üblicherweise bis zum Rentenbeginn.

Handelt es sich um einen „echten“ BU-Schutz?

Zu klären ist aber, ob der Versicherer die Tätigkeit „Schüler“ laut Vertrag überhaupt als Beruf versteht und unter welchen Bedingungen. Manche Anbieter sehen die Tätigkeit als Schüler nicht als vollwertigen Beruf an und erbringen später nur eine Leistung bei Erwerbsunfähigkeit. Hierfür sind die Regeln deutlich strenger: Erwerbsunfähigkeit liegt vereinfacht gesagt dann vor, wenn der Versicherte wegen einer schweren oder chronischen Krankheit, aber auch beispielsweise in Folge eines Unfalls gar nicht mehr oder nur noch stundenweise arbeiten kann.

Ein Vertrag beispielsweise, der erlischt, wenn jemand in eine neue Lebensphase eintritt und das nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums meldet, ist nicht empfehlenswert.

Anzeige

Auch sollte im Vertragswerk geprüft werden, ob die Berufsunfähigkeit bereits greift, wenn der Schüler infolge Gesundheitsstörungen oder Pflegebedürftigkeit dauerhaft außer Stande ist am Schulunterricht teilzunehmen. Manche Anbieter zahlen nur dann, wenn die Schulausbildung nicht durch spezielle Fördermaßnahmen wie Sonderschulen fortgeführt werden kann und wenn zusätzlich eine behördlich festgestellte Behinderung vorliegt.

Seite 1/2/