Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat Zahlen zum Leistungsverhalten der BU-Versicherer veröffentlicht. Diese sollen belegen, dass die Versicherer keine Neinsager sind. Demnach werden rund 80 Prozent aller Leistungsanträge in der Berufsunfähigkeits-Versicherung bewilligt. Damit steigt der Prozentsatz der bewilligten Anträge. Denn in den vergangenen Jahren hatte der Wert noch bei 77 Prozent (2015) beziehungsweise 78 Prozent (2016) und 79 Prozent (2017) gelegen. Das habe die jährliche GDV-Umfrage unter Mitgliedsunternehmen ergeben.

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Im Schnitt vergehen 106 Tage von der ersten Meldung beim Versicherer bis zur Bewilligung der Rente und damit vier weniger als ein Jahr zuvor. Darin enthalten sei unter anderem die Zeit, die der Versicherte für die Antragstellung inklusive der erforderlichen Unterlagen benötigt und die gegebenenfalls weitere Gutachten oder Stellungnahmen in Anspruch nehmen. Wenn dem Versicherer alle Unterlagen vorliegen, würden im Schnitt neun Tage vergehen, bis der Versicherer die Angaben geprüft und entschieden hat, ob der Versicherte berufsunfähig ist und die für diesen Fall vereinbarte Leistung ausgezahlt wird.

Bei sechs Prozent der Fälle hätten die Versicherer 2018 zusätzlich ein neutrales Gutachten für die Leistungsprüfung erstellen lassen. Dies sei insbesondere bei "komplexen Fällen" notwendig, argumentiert der Verband. Der Gutachter solle dann fachärztlich einschätzen, wie sich der Gesundheitszustand des Versicherten auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. 63 Prozent der Gutachten gingen positiv für die Versicherten aus.

Jeder fünfte Antrag wird abgelehnt

Wenn der Antrag auf Berufsunfähigkeits-Rente vom Versicherer abgelehnt werde, sei der wichtigste Grund, dass der BU-Grad nicht erreicht worden sei, teilt der GDV weiter mit. In 46 Prozent aller Fälle sei dies Ursache, wenn der Versicherer doch „Nein“ sagt. Laut den meisten BU-Policen muss eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent erreicht werden, damit der Versicherer zahlt.

Zweitwichtigste Ursache für Ablehnungen: die sogenannte Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Fast jeder achte nicht bewilligte BU-Antrag (14 Prozent) wird aus diesem Grund zurückgewiesen. Hier wird dem Versicherten angelastet, dass er beim Ausfüllen des Antrages auf Versicherungsschutz bzw. den Gesundheitsfragen falsche oder unvollständige Angaben machte, etwa Vorerkrankungen verschwieg.

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Dritthäufigste Ursache für abgelehnte BU-Renten: 13 Prozent der BU-Anträge scheitern, weil sich der Versicherte für längere Zeit nicht mehr zurückmeldet: auch auf Nachfrage. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeit nicht attestieren möchte oder sich der Gesundheitszustand des Betroffenen gebessert hat, so dass er wieder arbeiten kann. Der vierthäufigste Ablehnungsgrund ist ähnlich gelagert wie die Nummer zwei. Denn acht Prozent der BU-Renten werden nicht gezahlt, weil der Versicherungsnehmer mutmaßlich betrogen hat bzw. der Versicherer die Leistung anfocht.