Demnach halten jeweils 35 Prozent der Teilnehmer Telematik und autonomes Fahren für die wichtigsten Trends im Kfz-Bereich. Während Telematik oft als Übergangstechnologie gilt, verbindet sich für viele mit dem autonomen Fahren keine lineare Weiterentwicklung der Branche, sondern ein Umbruch. Als weitere Punkte wurden genannt:

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  • Car-Sharing (20%)
  • Elektromobilität (20%)
  • Digitalisierung (20%)
  • Tarifierung (13%)
  • Mobilität (13%)
  • Schaden (13%)

Weitere Anmerkungen der Teilnehmer lassen darauf schließen, dass die Bedeutung von Versicherungsmathematik zunimmt und die Automatisierung der Schadenauswertung eine zentrale Rolle einnimmt.

Kein Wunder also, dass einige Versicherer ihre Telematik-Bemühungen nach vorn bringen wollen: So stieg Ergo zu Jahresbeginn in den Markt ein, auch die Bayerische verfolgt solche Pläne ebenso wie die DEVK. Der neue Kfz-Tarif der Basler bietet auch Deckungsschutz bei Schäden, die durch teilautonomes Fahren oder Hackerangriffe auf das Auto ausgelöst wurden. Der Versicherer setzt dabei auf das Verwaltungssystem Guidewire, um den Gesamtprozess von der Tarifierung bis zur Schadenbearbeitung zu digitalisieren. Einen Schritt weiter ist die VHV: dort wurden bereits 500.000 Schadenfälle mit dem Guidewire-Schadensystem bearbeitet und alle Kfz-Schadensachbearbeiter nutzen mittlerweile das System. Im Juli 2020 wurden 2,3 Millionen Schadenakten (offene und geschlossene) vom alten VHV-Schadensystem erfolgreich auf das Guidewire ClaimCenter migriert. Die VHV ist damit der erste deutsche Versicherer, der eine Kfz-Schadenmigration auf Guidewire erfolgreich abgeschlossen hat.

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Gefahr der Negativselektion

Doch besteht tatsächlich Anlass für alle Versicherer, das „Hohelied der Telematik“ anzustimmen? Die Segnungen der neuen Technik scheinen doch recht einseitig verteilt: Denn von den über 500.000 Telematikpolicen, die es mittlerweile am deutschen Markt gibt, sind nach Aussage von Siems über 90 Prozent bei den beiden Marktführern Allianz und HUK.
Der Analyst sieht deshalb die Gefahr von Negativselektion steigen. Mit anderen Worten: Versicherer, denen es jetzt nicht gelingt, wettbewerbsfähige Telematik-Tarife erfolgreich zu platzieren, müssen wohl in Zukunft mit jenen Risiken vorlieb nehmen, die der Markt ihnen übrig lässt. Diese Aussicht erhöht den Erfolgsdruck ungemein.