Herr Glorius, aktuell spricht gefühlt die ganze Branche von Digitalisierung und Online-Beratung. Für die Neukundengewinnung bedarf es jedoch an Präsenz im Internet. Wie präsent sind Makler denn tatsächlich?

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Versicherungsmakler haben unterschiedliche Präsenz im Internet. Bedenkt man allerdings wie viele Versicherungsmakler und auch Versicherungsvermittler die Branche hat, ist die Anzahl derer die einfach gar keine oder eine für Google unrelevante Seite haben immens hoch. Also das was man bei der Vermittlerschaft sehen kann, variiert zwischen keiner Seite, einer Seite als Visitenkarte für Bestandskunden und einer echten Webseite die mal gut, mal weniger gut funktioniert.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass die eigene Homepage bei vielen Vermittlern eher stiefmütterlich genutzt wird. Große Teile der Vermittlerschaft haben gar keine Webseite oder sind auf dem Stand von 1990 stehen geblieben. Wie sollte ein Makler anno 2020 mindestens aufgestellt sein?

Michael Glorius ist Online Marketing- und SEO-Spezialist, unter anderem für den Versicherungsmakler KVoptimal.de.Sebastian BergerWie schon oben beschrieben, hat ja leider ein Großteil der Vermittlerschaft nicht mal eine Homepage. Das eine Homepage stiefmütterlich gepflegt ist, ist meines Erachtens nach weniger ein Problem. Wenn ein Vermittler bspw. noch die klassische Face-to-Face Beratung macht und zum Termin fährt, ist daran ja nichts verwerflich, ganz im Gegenteil, viele Kunden mögen das ja nach wie vor. Dafür braucht er keinen Blog in dem er von der Fahrt oder dem Termin schreibt. In dem Fall sollte er jedoch wenigstens eine „Online Visitenkarte“ haben. Da reicht ein einfacher OnePager auf dem man sich kurz vorstellt, seine Kontaktdaten möglichst leicht konsumierbar bereitstellt und ein paar Fakten zu seiner Tätigkeit hinterlegt. Ein Impressum und ein Kontaktformular dazu und das Thema ist relativ zeitlos abgehakt. Alle vier bis fünf Jahre sollte jedoch jeder Vermittler seine Seite mal auf Herz und Nieren prüfen. Sowohl die Aktualität der Daten, als auch ein zeitgemäßes Design, wie eine Anpassung für Mobile Endgeräte, sollte regelmäßig geprüft werden. Hilfreich ist da auch einfach etwas selbstkritisch zu sein. Jeder bestellt und/oder sucht doch im Internet. Wenn man da auf seine eigene Seite geht und auf die Frage „Würde ich hier einen Termin buchen?“ nicht sofort mit „Ja“ antworten kann, sollte man die Seite mal überdenken.

Anno 2020 sollte der Vermittler also als absolutes Minimum eine eigene mobil angepasste Webseite haben und ein Google My Business Profil, welche beide aktuell und gepflegt sind. Niemand ist jedoch dazu verpflichtet, jede Woche neue Texte zu erstellen.

Viele Makler würden sich wahrscheinlich erschrecken, wenn sie sich mal selbst googeln und feststellen würden, wie und wo sie auftauchen. Wie können falsche Einträge bei Online-Branchenbüchern wie Yelp usw. begradigt werden?

Erschreckend kann das schon sein. Falsche Einträge machen da auch eine Menge Arbeit. Wichtig ist an dieser Stelle vor allem, dass wirklich überall das gleiche steht. Auch bei meiner Arbeit für die KVoptimal.de GmbH hatte ich da wirklich viel Arbeit und habe diese auch immer noch. Oft wird der Name als KV-Optimal geschrieben, dann mal ohne .de oder ohne GmbH, das muss ständig geprüft werden, um für Suchmaschinen und Kunden Vertrauen zu erzeugen. Das sogenannte N.A.P. (Name, Adress, Phone) wird gerade von Google als ein Rankingfaktor zum Vertrauen herangezogen. Daher sollte man von Beginn an penibel darauf achten, eine Schreibweise zu nutzen die man auch immer beibehält. Auch der Unterschied zwischen Straße und Str. als Abkürzung sollte dabei berücksichtigt werden. Macht man dort von Anfang an alles richtig, spart man sich eine Menge Arbeit im Nachgang. Korrigieren lassen sich solche Sachen dann entweder in den entsprechenden Portalen durch eine eigene Anmeldung, mit der man es ändern kann oder mit einer Email an die Betreiber, mit der bitte die Daten korrekt darzustellen. In den meisten Fällen wird diesen bitten dann auch zügig nachgegangen.

Sie sind in der Branche ein gern gesehener Referent, wenn es um Suchmaschinenoptimierung (SEO) geht. Können Sie kurz skizzieren, worum es bei dem Thema geht?

So einfach lässt sich das schwer skizzieren, aber ich will es mal versuchen. Ein sogenannter Crawler z.B. von Google scannt alle verfügbaren Seiten im Internet. Er identifiziert und klassifiziert die Inhalte und ordnet ihnen eine Relevanz zu. Je höher die Relevanz der Inhalte desto höher steigt die Seite in den Suchergebnissen. In der Suchmaschinenoptimierung geht es schlussendlich darum, die Webseiten sowohl inhaltlich als auch technisch und vom Aufbau her bestmöglich auf den Nutzen und Mehrwert für den Kunden auszurichten, denn Google ist zufrieden, wenn der Suchende zufrieden ist.

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Optimierung heißt, dass ich dafür sorge, dass die Platzierung sich verbessert. Das kann technischer oder auch inhaltlicher Natur sein und ist je nach Stand bei Beginn mehr oder weniger aufwendig.