Seit Monaten ist in den Medien immer wieder von Horrorszenarien zu hören, wenn es um die Betreuung von geschäftsunfähigen Menschen geht. Angespartes Vermögen und Immobilien werden aufgebraucht und verwertet, die Kinder in die Haftung genommen und die Familie hat weder Mitspracherecht noch Zugriff auf Konten und Vermögen. Warum es aus Vermittlersicht sinnvoll ist, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben können, möchten wir in diesem Beitrag klären.

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Es sei darauf hingewiesen, dass der Makler keine Rechtsberatung in diesem Umfeld vornehmen darf. Es gibt mehrere gute Anbieter am Markt, die den Makler bei der Erstellung begleiten und die Haftung sicherstellen.

Ist nichts geregelt, wird der Patient geregelt

Derzeit werden ca. 1.4 Millionen Menschen betreut. Wer selbst nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, benötigt eine Vertretung. Diese kann aus dem familiären Umfeld kommen oder wird vom Gericht bestellt. Im Falle einer Betreuung ist es zielführend, wenn schon im Vorfeld entsprechende Regelungen getroffen wurden, wie das Leben dann verlaufen soll und wer sich um die Angelegenheiten des zu Betreuenden kümmert. Ist nichts geregelt, wird der Patient „geregelt“. Das heißt: Dritte entscheiden über ihn, im Zweifel ein durch das Gericht bestellter Betreuer.

Betreuung bedeutet nicht, dass Betreute waagerecht im Bett liegen und vor sich hinvegetieren. Betreuung bedeutet hingegen eine kurzfristige Vertretung bei Unfall, Krankheit, Koma oder geistiger Umnachtung. Die Betroffenen können in diesen Situationen keine eigenen Entscheidungen mehr treffen. Sie sind nicht mehr einwilligungsfähig. Wer entscheidet über Vermögen, medizinische Behandlungen oder bei Selbstständigen über das Unternehmen?

Versicherungsmakler sollten auch für sich selbst entsprechende Vollmachten erstellen, um einen fortlaufenden Geschäftsbetrieb gewährleisten zu können. Denn wenn das Geschäft im Betreuungsfall nicht geregelt ist, steht der Betrieb unter Umständen still.

In Deutschland herrschen primär drei große Irrtümer zu Vollmachten und Verfügungen:

Irrtum 1: „Nur Ältere sind betroffen.“ Laut Statistik ist das falsch. Mehr als 70 Prozent der unter Betreuung stehenden Menschen bewegt sich im besten arbeitsfähigen Alter zwischen 18 und 69 Jahren. Über ein Viertel ist zwischen 18 und 39 Jahre jung.



Irrtum 2: Die meisten Menschen denken immer noch, dass eine automatische Vertretungsberechtigung für den Ehe- oder Lebenspartner besteht. Dem ist nicht so. Auch Eltern sind nicht legitimiert, ihre volljährigen Kinder automatisch zu vertreten. Liegen keine Vollmachten vor, benennt das Betreuungsgericht einen Betreuer. Das kann jemand aus der Familie sein, muss aber nicht.

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Irrtum 3: „Bestimmt das Gericht meinen Partner als Betreuer, dann ist alles gut.“ Auch das ist leider ein Irrglaube. Der Bundesrat hat zwar in einer Initiative 2017 angestoßen, dass Ehepartner für einen bestimmten Zeitraum Betroffene vertreten dürfen. Das kam aber nie zur Abstimmung und verlief schlussendlich im Sand. Benennt das Gericht also den Partner, hat dieser vielfältige Aufgaben und Pflichten. Zuerst muss ein Vermögensverzeichnis erstellt werden. Die Familie wird also quasi „nackt“ gemacht und kann keine Vermögensgüter verheimlichen. Darüber hinaus muss der Betreuer Ausgaben detailliert erfassen und genehmigen lassen. Ein jährlicher Bericht ist abzuliefern. Treten Ungereimtheiten auf, kann die Vermögensfürsorge auch wieder entzogen werden. Der Betreuer muss ebenso Entscheidungen zu medizinischen Behandlungen, Aufenthalt und Unterbringung und vieles mehr treffen. Der Betreuer ist verpflichtet, dem Gericht gegenüber Rechenschaft abzulegen. Er verliert somit seine Selbständigkeit.