Stefanie Symmank: Eher selten beziehungsweise nur in solchen Fällen, wenn es um eine reine Management-Aufgabe ohne Fachbezug geht. Hier haben wir kürzlich jemanden aus einer anderen Branche besetzen können, da die Person die entsprechende Persönlichkeit und Managementqualität für die Aufgabe mitgebracht hat sowie die Bereitschaft, sich die Fachthemen der Versicherungswirtschaft sehr zügig noch anzueignen. Dies ist aber eher die Ausnahme.

Anzeige  

 

Begleiten Sie Führungs- und Fachkräfte auch über das Recruiting hinaus, etwa beim Einlernen in die neue Aufgabe?

Ja, auf Wunsch unserer Auftraggeber. Ich selbst habe diverse Coachingausbildungen berufsbegleitend absolviert und biete entsprechende Bausteine grundsätzlich an. Da ich im Falle eines klassischen Search-Auftrages hier aber die Kompetenzen nicht mischen möchte, arbeite ich seit Jahren mit Frau Inge Grahl (siehe auch Kooperationspartner auf unserer Website) zusammen, die für ein sehr professionelles und herzliches Onboarding-Coaching sorgt und gerne auch von unseren Auftraggebern für ein solches oder auch verschiedene Jobcoaching-Elemente mit gebucht wird.

Viele Konzerne in der Branche entpuppen sich als Dauerbaustelle: Digitalstrategien müssen angeschoben werden, neue Produkte infolge des Niedrigzinses und sich ändernder Kundenerwartungen entwickelt, teils sind schmerzhafte Einschnitte vonnöten. Sind das gute oder eher schwierige Zeiten, um Führungsaufgaben in der Branche zu übernehmen? Warum sollte sich eine Führungskraft dieses Umfeld antun?

Die von Ihnen geschilderten Umstände aus unserem Berufsalltag sind sicherlich zusammengefasst eher schwierige Zeiten, um eine Führungsaufgabe in unserer Branche anzunehmen. Aus einer anderen Perspektive ist es aber gerade auch eine Zeit, in welcher innovative und motivierte Führungskräfte benötigt werden, die eine solche Phase professionell begleiten und mitgestalten können und wollen.

Entsprechend hat es eher etwas mit der Einstellung der betreffenden Führungskräfte zu tun, ob Sie diese Herausforderungen als „sich dieses Umfeld antun“ empfinden oder als eine „Mitentwicklung unserer Wirtschaft und Branche in ein neues Zeitalter hinein…“

Hand aufs Herz: Woran kann ein solch anspruchsvolles Recruiting scheitern? Haben Sie auch schon erleben müssen, dass es letztendlich doch nicht gepasst hat?

Es sind am Ende des Tages letztendlich immer die Menschen, die Themen zusammenbringen oder eben auch scheitern lassen. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass bei einem aufwändigen Prüfverfahren vorab für beide Seiten die Wahrscheinlichkeit weitaus höher ist, dass die Besetzung am Ende des Tages passt und beide auch langfristig und nachhaltig zusammenarbeiten können. Unterm Strich gibt es aber leider dauerhaft keine Garantie dafür.

In der Versicherungs- und Finanzbranche gibt es wenige weibliche Führungskräfte: nur 16 Prozent der Vorständinnen sind laut IAB-Studie weiblich. Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen hierfür?

Die Rolle der Frau hat sich in den vergangenen Jahren weg von der klassischen Rollenverteilung und hin zu einer gleichberechtigen Rolle entwickelt, zumindest was die Möglichkeit einer gleichen Ausbildung bzw. eines Studiums angeht. Etliche Frauen gehen mittlerweile auch bewusst den Karriereweg, bilden sich entsprechend weiter und wollen auch – trotz möglicherweise parallel dem Wunsch nach einer Familie – gerne Karriere machen und Verantwortung übernehmen.

Bei der Besetzung entsprechender Schlüsselfunktionen, erlebe ich es leider jedoch immer noch, dass für diese Stellen dann doch oft Männer vorgesehen und besetzt werden: Weil es schon immer so war, weil Frauen durch das Familienthema ein größeres „Risiko“ darstellen etc.

Das Umdenken in den Köpfen, auch über mögliche andere Modelle, welche Frauen eine Karriere ermöglichen und trotzdem die Chance auf eine Familie lässt, hat in der Branche noch nicht überall stattgefunden. Erste Schritte werden jedoch langsam getan.

Was kann getan werden, um Frauen in der Branche besser zu fördern? Anscheinend gibt es hier deutliche Defizite.

Insgesamt sollte eine grundsätzliche Offenheit da sein, jede Vakanz mit einem Menschen, welcher die entsprechende Qualifikation mitbringt zu besetzen, losgelöst davon, welches Geschlecht (und Alter) die Person hat.

Weiter sollte das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mehr in den Fokus gerückt werden, sodass Frauen, die zum Beispiel aus der Elternzeit zurückkehren und nur noch 80 Prozent statt 100 Prozent arbeiten können, die Möglichkeit gegeben wird, Ihre vorherige Führungsposition trotzdem wieder aufzugreifen und zum Beispiel mit einer „guten Stellvertreterlösung“ und ein bisschen mehr Flexibilität wieder arbeiten zu können.

Viele Frauen wollen gerne, trotz Familie, wieder verantwortungsvoll arbeiten. Oft scheitert es aber an den noch zu wenig flexiblen Modellen in den Unternehmen. Grundsätzlich müssen Frauen aber immer noch mehr gestärkt und unterstützt werden, um selbstbewusster und souveräner in den „Kampf um die Führungsposition“ hineinzugehen, bis hin zu der Tatsache, ein dann auch angemessenes Gehalt zu verhandeln und zu erzielen. Auch hier gibt es leider immer noch Unterschiede in unserer Branche.

Anzeige  

 

Der Bundesverband der Assekuranzführungskräfte (VGA) hat vor zwei Jahren hierzu einen Arbeitskreis gegründet, der sich genau mit dieser Fragestellung beschäftigt, regelmäßig mit interessierten Frauen dazu im Austausch steht und diverse Netzwerkveranstaltungen zum Thema „Frauen und Führung“ anbietet.