Eine Erfolgsgeschichte hat sich auserzählt: „Klassische“ Vorsorgeprodukte der Lebensversicherung mit garantiertem Rechnungszins werfen im Niedrigzins-Umfeld kaum noch etwas ab. Das gilt umso mehr, als Lebensversicherer unter alten Garantien ächzen, die sich kaum noch erwirtschaften lassen. Immer mehr dünnt demnach auch das Angebot an klassischen Produkten aus.


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Und dennoch: Manche Lebensversicherer haben noch immer klassische Tarife in ihrem Produkt-Portfolio. Nicht jeder Anbieter hat sich von den vielfach ungeliebten Produkten losgesagt. Umso spannender ist die Frage, welche Leistungsversprechen Anbieter klassischer Tarife für zukünftige Renten geben. Der Versicherungsbote hat sich Ergebnisse des MAP-Report 908 für klassische Tarife der Aufschubrente angesehen.

„Klassik“ und "Neue Klassik“: Ausgehungert durch niedrige Zinsen

Produkte der Lebensversicherungen nach „klassischer Machart“, die einen Rechnungszins garantierten, waren über Jahrzehnte beliebt bei Anbietern und Kunden. Damit freilich ist es nun vorbei. Denn die Win-Win-Situation guter Renditen bei hoher Sicherheit für den Kunden, die zudem den Versicherern gute Einnahmen garantiert, ist in Zeiten der Niedrigzins-Politik nicht mehr aufrechtzuerhalten. Insbesondere alte Zinsgarantien für die Kunden kommen die Versicherer nun teuer zu stehen. Der Trend der letzten Jahre ist eindeutig: Klassische Produkte spielen kaum noch eine Rolle im Neugeschäft der Versicherer, wurden in großer Zahl sogar eingestellt.

Richten sollen es stattdessen Produkte der so genannten „Neuen Klassik“ – die Unternehmen verzichten auf jenen garantierten Rechnungszins, der klassische Produkte in Zeiten niedriger Zinsen teuer macht. Keineswegs jedoch sind diese neuen Produkte unabhängig vom Niedrigzins-Umfeld. Denn Kundengelder für Produkte der Neuen Klassik werden zu großen Teilen, wie bei klassischen Produkten, im konservativ gehandhabten Sicherungsvermögen angelegt. Zwar dürfen angelegte Gelder durch einen hohen Anteil festverzinslicher Wertpapiere demnach als „sicher“ gelten. Die Rendite aber leidet wie bei klassischen Leben-Produkten unter dem Niedrigzins. So verwundert es nicht, dass einige der neuen Produkte wie der Versuch wirken, aus der sprichwörtlichen Quadratur des Kreises Kapital zu schlagen (der Versicherungsbote berichtete).

Mehr Aufbauleistung, weniger Rendite

Zunehmenden Druck auf Aufbauleistungen der Lebens- und Rentenversicherungen durch das Niedrigzins-Umfeld veranschaulicht hierbei der aktuelle Leistungsvergleich von Produkten der Klassik und der „Neuen Klassik“ aus dem MAP-Report 908.

Zahlten zum Beispiel Kunden 20 Jahre lang 1.200 Euro jährlich für eine aufgeschobene Rente ein, wurden im Jahre 2009 gemäß Marktdurchschnitt 42.339 Euro als Kapitalabfindung fällig. Die Beitragsrendite betrug 5,14 Prozent. Bis zum Jahresbeginn 2019 sank jedoch die Auszahlung trotz gleichem eingezahlten Betrag um 6.858 Euro auf 35.481 Euro. Die Rendite „sackte“ um 1,55 Prozentpunkte auf 3,59 Prozent ab, wie der MAP-Report vorrechnet. Ein Trend, der sich durch anhaltend niedrige Zinsen verschärft. Solche Zahlen legen nahe: Die einst beeindruckende Erfolgsgeschichte "klassischer" Lebens- und Rentenversicherungen scheint auserzählt.

MAP-Report dennoch: Lebensversicherung besser als ihr Ruf

Die niedrige Beteiligung am MAP-Report 908 und damit am Leistungsvergleich für Produkte der „Klassik" und „Neuen Klassik“ könnte durch solche Zahlen bedingt sein – nur 19 der 26 angefragten Gesellschaften waren bereit, notwendige Angaben für den MAP-Report 908 zu liefern. Autor Reinhard Klages sieht dahinter auch die „Sorge vor einer Kritik durch Politik und Verbraucherschutz“. Zwar muss relativierend gegen dieses Argument eingewendet werden, dass weitere Reporte zu anderen Sparten derzeit ebenfalls unter einer niedrigen Beteiligung leiden (der Versicherungsbote berichtete). Und doch fällt auf: Lebensversicherer tun sich noch immer mit einer Transparenz schwer, die oft geäußerte Kritik abmildern könnte.

Zwar verweisen Zahlen wie jene zu den Aufbauleistungen tatsächlich auf eine Krise, die Anbieter unter Zugzwang setzt. Zugleich stellt der aktuelle Leistungsvergleich des MAP-Report aber auch heraus: Die erreichten Werte der Produkte seien „deutlich besser“, als Zinsniveau und allgemeine Berichterstattung es „erwarten lassen“. Verpasste Transparenz ist somit auch eine verpasste Chance, Vertrauen der Kunden zu gewinnen in Zeiten von Run-offs und besorgniserregender Meldungen, wonach mehrere Anbieter nicht ausreichend solvent seien.

Klassische Produkte: Die Versprechen für 2054

Was aber offenbaren jene Daten, die für einen aktuellen Leistungsvergleich durch die Versicherer geliefert wurden? Mit Blick auf die Krisensymptome insbesondere „klassischer“ Produkte erweist sich eine Tabelle des MAP-Report 908 als besonders spannend. Diese Tabelle stellt, anders als die Mehrzahl der Tabellen aus dem Report, keine zurückliegenden Ergebnisse gegenüber (Werte „zehren“ somit nicht von besseren Bedingungen für die Lebensversicherung aus der Vergangenheit). Sondern Versicherer geben für aktuell angebotene Tarife Hochrechnungen ab für eine Rente ab dem 01.04.2054.

Tarife aus dieser Tabelle zählen zudem zur „Klassik“ statt zur „Neuen Klassik“ – damit treffen Versicherer Leistungsaussagen für jene in Verruf geratenen Produkte, die noch immer die (nun teuren) Garantien für den Rechnungszins beinhalten. Nur elf der neunzehn am MAP-Report beteiligten Versicherer liefern überhaupt noch für solche Produkte ein Angebot.

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Welche Leistungen aber garantieren Lebensversicherer für klassische Tarife, deren Aufschubzeit in 2054 endet? Und mit welchen Prognosen locken sie die Kunden und versprechen Zusätzliches zu den garantierten Leistungen? Beides wird durch den MAP-Report 908 veranschaulicht.